Digitaler Klang im Kirchenraum

Das Allgäuer Musikhaus Förg ist seit über dreißig Jahren der Spezialist für elektronische Orgeln im sakralen Bereich

Wer Oberschwaben besucht, kommt beim Anblick der Kirchen, Klöster und Schlösser rasch ins Staunen. Hier wirkt eine kulturelle Tradition weiter, die ihresgleichen sucht – und das auch musikalisch. Die Region zwischen Donau und Bodensee ist für ihre traditionsreiche Orgelbaukunst bekannt. Unternehmer, Tüftler und Erfinder führen diese Kunst fort – auch digital. Zu diesen Orgelbaubetrieben gehört das Musikhaus Förg in Aichstetten-Altmannshofen in der Nähe von Leutkirch.

Wenn beim Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Unterthingau die Gemeinde ein Lied zu Gottes Ehren anstimmt, dann wird sie von einer Orgel begleitet. Doch die Töne dieser Orgel erschallen nicht aus den Orgelpfeifen, sondern aus einem Lautsprecher. Die Orgelpfeifen sind nur noch Schmuck, die Kirchenorgel von St. Nikolaus erzeugt ihre Töne elektronisch. Die Töne dieser Orgel sind von einer „echten“ Orgel aufgenommen und in tausendfachen Nuancen digital gespeichert worden. Für ungeübte Ohren sind die Digitaltöne von „natürlichen“ Pfeifenklängen kaum zu unterscheiden. Ansonsten geht das Orgelspiel völlig normal vor sich. Der Spieltisch unterscheidet sich in nichts von dem einer mechanischen Orgel.

Vor einiger Zeit zeigte sich, dass die alte Pfeifenorgel von St. Nikolaus aus dem Jahr 1904 dringend erneuert werden musste. Der Aufwand für eine neue mechanische Pfeifenorgel wäre aber sehr hoch ausgefallen. Also wurde im Orgelausschuss der Vorschlag diskutiert, eine elektronische Orgel zu installieren. Dazu zog man das Orgelhaus Förg zu Rate.

„Man glaubt, eine große Orgel zu hören!“

Josef Förg aus Aichstetten-Altmannshofen ist einer der größten Händler von elektronischen Orgeln im süddeutschen Raum. Gemeinsam mit seinem Sohn Wolfgang betreibt er die Piano-, Musikhaus und Musikverlags GmbH Förg. Beide sind von Haus aus gelernte Orgelbauer und geben in historischen Kirchenräumen dem Einbau einer von Meisterhand gefertigten Pfeifenorgel den Vorrang. Doch wenn es die räumliche, klimatische oder finanzielle Situation verlangt, empfehlen sie auch in Kirchenräumen eine elektronische Orgel.

Trotz ausgefeilter Technik sind elektronische Orgeln bis heute noch unter Kirchenmusikern teilweise verpönt. Also musste in Unterthingau erst einmal für eine elektronische Orgel in St. Nikolaus geworben werden. Erster Erfolg: Die Diözesanleitung konnte für das Anliegen gewonnen werden. Zeitungsartikel, Pfarrbriefe und viele Gespräche folgten. Dann stellte das Musikhaus Förg eine elektronische Orgel im Chorraum auf und organisierte mit großem Erfolg ein Konzert. Nun war es soweit: Die Gemeinde gab dem Unternehmen Förg den Auftrag für den Einbau einer Monarke-Orgel.

Drei Monate dauerten die Arbeiten. Denn auch eine elektronische Monarke-Orgel ist ein Unikat. Alles kann vom Kunden bestimmt werden: Gehäuseform und Holzart, Spielhilfen, Koppeln, Setzer und Pedale. Vor allem: Wie sollte die Orgel klingen? Barock oder romantisch, nord- oder süddeutsch? Zwei Tage dauerte die Installation der Orgel im Kirchenraum, denn alle Komponenten waren genau vorgefertigt. Bis in die späte Nacht erstreckte sich die Intonation, die Arbeit an den Orgelstimmen: Heraus kam ein satter, kräftiger, runder und voller Klang. Hörer waren verblüfft vom Ergebnis der Arbeiten: „Es ist schon eine erstaunliche Geschichte, was hier erstellt wurde. Man glaubt, eine große Orgel zu hören“, meinte ein Geistlicher. Und: „Das Spielgefühl ist einfach phantastisch“, freute sich der Organist. „Und dazu der lebendige, originalgetreue Klang – man muss die Orgel im Kirchenraum gehört haben.“

Eine Orgel für Havanna

Außerhalb Deutschlands stößt man übrigens auch auf elektronische Orgeln aus dem Hause Förg – etwa in der Kathedrale von Havanna. Bis 2005 stand dort eine Pfeifenorgel. „Die hat aber wegen des Klimas nie richtig funktioniert – da war es einfach zu feucht“, berichtet Wolfgang Förg. So kam für die Hauptstadt Kubas nur eine elektronische Orgel in Frage, unempfindlich gegen Witterung und nahezu wartungsfrei. Den Auftrag brachte den oberschwäbischen Orgelbauern das Auswärtige Amt ein. Das 1 700 Kilo schwere Instrument wurde mit dem Flugzeug nach Kuba gebracht. Sechzigtausend Euro kostete diese elektronische Orgel – sie war damit achtzig Prozent günstiger als eine Pfeifenorgel derselben Größe.

Kommt die Rede auf das Stammhaus seines Unternehmens in Aichstetten-Altmannshofen, schmunzelt Josef Förg. „Wir sind wohl das einzige Musikhaus Deutschlands mit eigener Arrestzelle“, sagt er dann. Denn das Haus, das er nach der Gründung seines Unternehmens 1972 erst anmietete, 1984 kaufte und dann umbaute, war früher Rathaus und Schule in einem. Und dort, wo heute Instrumente und Zubehör lagern, befand sich früher einmal das Dorfgefängnis. Längst ist dieser kleine, überschaubare Rahmen zu schmal für das Unternehmen.

Das Musikhaus Förg hat kräftig expandiert und besitzt neben dem Stammhaus in Aichstetten Standorte in Wangen und Memmingen. Die Gesamtfläche aller Geschäftsräume schätzt Josef Förg auf etwa siebenhundertfünfzig Quadratmeter, hinzu kommt ein Lager für Klaviere und Flügel in der Nähe des Stammsitzes. Neben diesen Spezialgebieten kommt das Piano- und Musikhaus seinen Kunden mit einer Meisterwerkstätte – in der sämtliche Klavier- und Flügelreparaturen fachgerecht ausgeführt werden –, Dienstleistungen wie Instrumentengutachten, Mietkauf, Finanzierungen sowie Klavierstimmungen und Flügel- und Klavierverleih für Konzertauftritte entgegen. Zahlreiche weltbekannte Künstler haben den Service des Hauses in Anspruch genommen.

Der Allgäuer Partner von Steinway

Dicht gedrängt reihen sich in der Zentrale in Aichstetten die Instrumente nebeneinander. Im zweiten Stock sind die Sakralorgeln zu sehen. Einen Stock tiefer stehen neben Klavieren und Flügeln von Petrof und Yamaha Instrumente von Seiler, Pfeiffer, Steingräber & Söhne sowie so traditionsreiche Namen wie Blüthner und Förster aus Sachsen. Auf einen illustren Namen ist Josef Förg besonders stolz: „Hier im südbayerischen Allgäu sind wir offizielle Steinway-Partner!“ Die Häuser in Wangen und Memmingen betreiben ein Vollsortiment, wobei das Haus in Wangen noch eine Musikschule unterhält und eine Riesenauswahl an Noten anbietet. Denn das Familienunternehmen unterhält auch einen eigenen Musikverlag, das Sortiment umfasst Chorwerke, Gitarrenschulen und Keyboardnoten. Auf diesem Gebiet konzentriert das Unternehmen auch sein Engagement als Sponsor und Förderer: Musikschulen werden gefördert, Aktionen in Kindergärten und Schulklassen, Kurse mit Orffschen Musikinstrumenten unterstützt, und wenn die Kemptener Jazz-Tage wieder anstehen, darf man sicher sein: Die Förgs sind mit von der Partie.

So expandiert das Musikhaus Förg in der musikalischen Dienstleistung, dem Notenverlag und dem Instrumentenbau. Auch damit wird der reichen musikalischen Tradition Oberschwabens der Weg in die Zukunft geebnet.

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer