Die Bank der Kirche setzt auf ethische Investments

Österreich: „Schelhammer & Schattera“ sagt Nein zu Abtreibung, Rüstung und Atomenergie

Im Vorjahr konnte das Bankhaus Schelhammer & Schattera in Wien, die „Bank der römisch-katholischen Kirche in Österreich“, auf 175 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. In diesem Jahr kann sie das zwanzigjährige Bestehen ihrer Kapitalanlagegesellschaft feiern. Das ursprüngliche Ziel war, den Versorgungseinrichtungen der Superiorenkonferenz geeignete, also ethisch einwandfreie Veranlagungsmöglichkeiten zu bieten. Bank und Kapitalanlagegesellschaft haben die gleichen Eigentümer, nämlich mehrheitlich kirchliche Institutionen und Orden, aber auch die gleiche Unternehmensphilosophie. Dazu heißt es in einer Festschrift: „Den Erfordernissen unserer Zeit entsprechend, unterstützen wir ein auf Ethik und Nachhaltigkeit basierendes Konzept von Wirtschaft, welches wir für wettbewerbsfähig und zukunftsfähig erachten.“

Gerhard Tometschek, Geschäftsführer der „Bankhaus Schelhammer & Schattera Kapitalanlagegesellschaft“ (KAG), berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung, dass „nicht zuletzt die Veröffentlichung des Sozialwortes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, wo auch die Veranlagung der Mittel der Kirche nach ethischen Grundsätzen verlangt wird“, die Bank veranlasst habe, „die bis jetzt aufgelegten Fonds noch einmal zu verbessern, den Anlagegrundsatz zu institutionalisieren und teilweise einige Aufgaben auszugliedern, wofür wir im Haus zu wenig Ressourcen besitzen“. So definiert ein Ethikbeirat aus Persönlichkeiten der Kirche, der Wirtschaft und der Wissenschaft die Ausschlusskriterien für Unternehmen und Länder, die für ethische Veranlagungen nicht in Frage kommen. Die Münchener Ratingagentur „oekom research“ prüft Länder nach rund 120 und Unternehmen nach bis zu 200 Kriterien auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit.

Zu den Ausschlusskriterien für Unternehmen gehört neben gravierenden Menschenrechts- und Arbeitsrechtsverletzungen sowie rücksichtslosem Umweltverhalten etwa die Produktion geächteter Rüstungsgüter, oder von Rüstungsgütern überhaupt ab einem Umsatzanteil von fünf Prozent, die Herstellung und der Handel von Pornografie, die Herstellung von Tabak oder verbotenen Drogen. Ein Ausschlusskriterium ist auch die Herstellung von Abtreibungspillen oder der Betrieb von Krankenhäusern, in denen Abtreibungen vorgenommen werden. „Nicht berücksichtigt wird die Herstellung von Verhütungsmitteln aller Art“, heißt es aber in einer detaillierten Auflistung. Bei den Ländern ist Abtreibung kein Ausschlusskriterium: „Wahrscheinlich weil es nicht praktikabel ist“, meint Geschäftsführer Tometschek.

Als nicht investierbar sind allerdings Länder definiert, „in denen die aktive Sterbehilfe für todkranke Menschen legalisiert ist“. In Europa sind dies Belgien, die Niederlande und die Schweiz. Die Vereinigten Staaten sind aus mehreren Gründen für die KAG nicht investierbar, denn zu den Ausschlusskriterien für Länder zählen auch die Nichtratifizierung des Kyotoprotokolls, die Todesstrafe und andere gravierende Menschenrechtsverletzungen wie auch Rüstungsausgaben von mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach dem „knock-out“-Prinzip reicht aber ein einzelner Grund. Das bedeutet allerdings nicht, dass Unternehmen mit Sitz in diesen Staaten nicht investierbar sind.

Jenseits der Ausschlusskriterien geht es bei den Positivkriterien um eine relative Einstufung, nämlich darum, „die Unternehmen auszuwählen, die im Bereich Soziales und Ökologie eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen“, wie Tometschek erklärt. „Die Standards müssen auch bei den Zulieferern eingehalten werden.“ Beispiel Kinderarbeit: Hier wird nicht nur geprüft, ob das investierte Unternehmen sich korrekt verhält, sondern auch, ob es „von den Zulieferern die Sozialstandards einfordert, und ob die wirklich eingehalten werden“. Oekom erfahre das aus Berichten der diversen Nichtregierungsorganisationen, die vor Ort Unternehmen untersuchen. Ganz oben auf der Positivliste der KAG rangieren in ihren jeweiligen Branchen beispielsweise Michelin, Renault, BASF, Geberit, Sharp, Nokia, Axel Springer, UPS. „In jeder Branche gibt es Nachhaltigkeits-Leader, und solche, die gleich oder besser dem Durchschnitt sind“, erläutert der Geschäftsführer.

Embryonale Stammzellforschung bisher nicht im Blick

Beim Länderranking werden unter anderem das politische System, die Grundrechte, die politische Stabilität, Korruption und Geldwäsche, soziale Bedingungen, Gesundheit, Arbeit und Einkommen, Gleichberechtigung, Sicherheit, Infrastruktur, Bildung, Zugang zu Informationen, Umwelt, Energie und Abfall untersucht. Auf der Positivliste der Länder sind die skandinavischen Länder Norwegen, Dänemark, Island führend, aber auch Australien und Kanada. Die embryonale Stammzellforschung ist bisher kein Ausschlusskriterium. „Wir haben darüber diskutiert, genauso wie Gentechnik diskutiert wurde“, sagt Tometschek. Bisher habe sich die KAG immer an die Empfehlungen des Ethikbeirats gehalten, so auch in diesem Fall. „Die Letztentscheidung liegt bei uns.“

Die Nachfrage nach ethischen Investments ist steigend: „durch einen bewussteren Umgang mit Geld“, vermutet Tometschek. „Viele Anleger, die privat gewisse Wertvorstellungen haben, sei es im Sozialbereich oder im ökologischen Bereich, wollen diese Wertvorstellungen auch in den Investitionen umgesetzt sehen.“ Normalerweise bringt man sein Geld zur Bank und weiß nicht, was damit geschieht. „Viele denken jetzt um, und das ist ein Prozess, der in den vergangenen Jahren gewachsen ist und unserer Meinung nach weiter wachsen wird.“ Der Großteil der Kunden des Bankhauses komme aus dem katholischen Bereich. Es gebe aber verschiedene Motive, die auch im ökologischen Bereich liegen können. Bei der KAG in Wien ist die ökologische Komponente bewusst geringer gewichtet als Soziales.

Stärker als in Europa scheint auf den ersten Blick die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu wachsen. Aber das täuscht, denn „da ist eine unterschiedliche Definition: In Amerika ist ethisches Investment ein Investment, wo zumindest ein Ausschlusskriterium angewendet wird“. Tabakproduktion oder Alkohol zum Beispiel. Wenige legen die Kriterien so engmaschig an wie die Kapitalanlagegesellschaft von Schelhammer & Schattera: „Es gibt verschiedene Ansätze: Es macht nicht jeder einen Filter nach Ausschlusskriterien, auch nicht jeder nach Positivkriterien.“

Tometschek bejaht die Frage, ob es auch Investments gebe, die bewusst gemacht werden, um Unternehmen zu höheren Standards zu bringen: „Für uns ist es Sinn und Zweck der ethischen Investments, etwas zu ändern, zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft beizutragen und mit unseren Investments jene Unternehmen zu unterstützen, die nachhaltig wirtschaften und jene zu bestrafen, die das nicht machen. Wir rechnen schon damit, dass durch diesen ethischen Wettbewerb sich zunehmend mehr Unternehmen nachhaltig verhalten werden. Dieser aktive Managementstil ist zwar in Europa, insbesondere in Österreich, überhaupt noch nicht verbreitet, aber wir versuchen das gemeinsam mit anderen Gesellschaften, über ein Pooling zu machen. Das ist erst ab einer gewissen Größe umsetzbar.“ Im anglo-amerikanischen Raum sei das üblich. Dort könne man riesige, globale Unternehmen zwingen, Sozialstandards bei den Zulieferfirmen einzuführen. „Das hat es tatsächlich gegeben.“

Die Schelhammer & Schattera KAG verwaltet derzeit 390 Millionen Euro und sei, wie ihr Geschäftsführer berichtet, „kontinuierlich mit dem Markt mitgewachsen“. In Jahren, in denen die Aktienmärkte sehr gut wachsen, wachse sie geringer als der Markt, weil ihr Anteil an Aktienprodukten deutlich geringer ist als der Markt-Durchschnitt. Sicher sei auch ein ethischer Fonds „nicht abgekoppelt vom Markt, aber langfristig stabiler“.

Nachhaltiges Investment langfristig angelegt

Lohnt sich ethisches Investment? „Unser Ziel ist, vergleichbare Renditen zu erzielen. Wir sagen nicht, ethisches Investment ist automatisch besser. Es zahlt sich aber auf jeden Fall aus, weil Sie die gleiche Rendite bekommen und auch noch zur Entwicklung einer zukunftsfähigen Wirtschaft beitragen. Sie haben also eine doppelte Dividende.“ Zahlreiche Studien beweisen, dass gleiche Renditen erwartet werden dürfen. „In den meisten Fällen bei einem geringeren Risiko“, wie der Geschäftsführer ergänzt. Geringer sei das Risiko, „weil speziell nachhaltige Unternehmen bei schwankenden Börsen weniger nachgeben als Unternehmen, die nicht nachhaltig arbeiten.“ Und grundsätzlich sei nachhaltiges Investment langfristig angelegt.

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