Dem Glauben der Kirche verpflichtet

Die Stiftung der „Tagespost“ trägt den Namen des Gründungsverlegers dieser Zeitung – Johann Wilhelm Naumann sah die Notwendigkeit einer katholischen Zeitung

Am 1. Mai 1956 starb in Würzburg Johann Wilhelm Naumann, der Gründungsverleger der Zeitung „Die Tagespost“ (vormals „Deutsche Tagespost“). Am 9. Juli 1897 in Köln geboren, unter Hitler von den Nationalsozialisten verfolgt, opferte er in der Nachkriegszeit seine gesamte Kraft, seine Gesundheit und sein Vermögen nur einem Ziel: der Gründung und Sicherung seiner katholischen Zeitung.

Unter dem Druck der Besatzungsbehörden, die liberalen Blättern den Vorzug gaben und nur wenig übrig hatten für eine Wiederbelebung der katholischen Presse, konnte Naumann in den ersten Nachkriegsjahren nur eine Zeitschrift veröffentlichen. Sie trug den programmatischen Titel „Neues Abendland“ und wurde als „Monatszeitschrift für Politik, Kultur und Geschichte“ von 1946 an in Augsburg gedruckt. Weit über den Kreis der Abonnenten hinaus hat das Neue Abendland in der Zeit des geistigen Wiederbeginns dem katholischen Deutschland wesentliche Perspektiven geboten.

Die „Tagespost“ konnte an Traditionen der Augsburger Postzeitung anknüpfen, die in Augsburg vor der Hitlerzeit als überregionale katholische Abonnementszeitung erschienen war. Zunächst unter dem Namen „Augsburger Tagespost“, deren überregionale Ausgabe bald als „Deutsche Tagespost“ in ganz Deutschland Leser erreichte – zeitweise auch in der damaligen sowjetischen Besatzungszone, dem Gebiet der „Deutschen Demokratischen Republik“ – , trat die erste Ausgabe der Zeitung Johann Wilhelm Naumanns am 28. August 1948, dem Fest des heiligen Augustinus, vor die Öffentlichkeit. Nur drei Jahre in Augsburg redigiert und gedruckt, dann zeitweise, von 1951 bis 1955, in Regensburg, hat die „Tagespost“ seit 1955 ihren Standort in Würzburg.

Von Lobreden hielt der katholische Publizist Johann Wilhelm Naumann nicht viel. Eine Würdigung in knappster Form steht in einem wissenschaftlichen Werk, der Übersicht über deutsche Bücher der ersten fünf Nachkriegsjahre, die der Frankfurter Antiquar Christoph Cobet nach jahrelangen Forschungen und Vorarbeiten 1985 veröffentlicht hat („Deutschlands Erneuerung 1945 bis 1950“, Frankfurt, ISBN 3-925389-01-6).

In seinem Buch „Altes und neues Abendland“ hatte Naumann 1948 Grundgedanken der von ihm verlegten Zeitschrift Neues Abendland zusammengefasst. Zu diesem Buch und dessen Autor vermerkt Cobet: „Naumann, Johann Wilhelm (1897 Köln – 1956 Würzburg), Journalist und Herausgeber... Naumann begründet die Notwendigkeit einer umfassenden Erneuerung des kulturellen und politischen Lebens aus christlich-abendländischer (katholischer) Orientierung. Materialismus und Liberalismus mögen glänzende Scheinerfolge erzielen. Doch Totalität allein aus Macht der Menschen, ohne Gott, ist Abfall von Gott. Naumanns tiefe und nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus umso unumstößlichere Überzeugung: Die Obsorge um die Gottesebenbildlichkeit des Menschen rettet die Einzelseele. Sie allein wird auch das Abendland retten.“

Aus dem von Cobet veröffentlichten Lebenslauf Johann Wilhelm Naumanns: „Studierte zwei Semester Philosophie, dann Schriftleiter bei der ,Augsburger Postzeitung‘. Begründer der Presselehrgänge für Priester in süddeutschen Diözesen. Seit 1933 unter Berufsverbot. Seit 1937 Sekretär des päpstlichen Missionswerkes. 1933 bis 1945 Verlagsangestellter... Nach 1945 Herausgeber der Schwäbischen Landeszeitung (1946 bis 1951 auch Chefredakteur). Seit 1948 (in Augsburg) auch Chefredakteur der von ihm begründeten ,Deutschen Tagespost‘, Vorsitzender des Vereins Bayerischer Zeitungsverleger. Buchveröffentlichungen: Professor Picards Forschungsflug (1931), Die Presse und der Katholik (1932), Altes und Neues Abendland (1948), Majestät Leser entscheidet (1951).“ Deutschlands Erneuerung – in dem unter diesem Stichwort veröffentlichten Katalog deutscher Bücher der ersten Nachkriegszeit steht der Name von Johann Wilhelm Naumann neben Autoren so unterschiedlicher Weltanschauung und politischer Lager wie Ida Friederike Görres, Wilhelm Hausenstein, Theodor Heuss, Karl Jaspers, Carlo Schmid, Reinhold Schneider und Kurt Schumacher. Die Jahre nach den Schrecken der Hitlerzeit und des Zweiten Weltkrieges waren tatsächlich ein geistiger Neubeginn. Doch viel von dem, was damals kräftig erblühte, ist später im materiellen Wohlstand erstickt und verdorrt. Von den katholischen Zeitungen der Nachkriegsepoche hat nur die „Tagespost“ Naumanns bis zum heutigen Tage Bestand.

Es sollte eine katholische Zeitung sein, unmittelbar und kompromisslos dem christlichen Glauben verpflichtet. Die Tagespost berichtet über das Tagesgeschehen, doch stets aus katholischer Sicht. In dem programmatischen Aufsatz über die Aufgaben der katholischen Presse („Scheidung der Geister – zum Erscheinen der ,Augsburger Tagespost‘ 1948“) nimmt Naumann aus aktuellem Anlass zu dem Ringen um eine Wiederbelebung der durch Hitler in Deutschland vernichteten katholischen Publizistik mit Leidenschaft Stellung, dies jedoch aus einer bis heute gültigen Sicht. Auch hier steht im Mittelpunkt die wegweisende Botschaft des Evangeliums.

Die Aufgabe einer katholischen Zeitung ist die gleiche geblieben, wie sie in der ersten Ausgabe der „Tagespost“ der Gründungsverleger umriss: „,Unabhängig katholisch‘ heißt eintreten für das politische Recht der Katholiken in allen Bezirken des Lebens.“

Der Beitrag ist entnommen: Johann Wilhelm Naumann zum Gedächtnis (1897–1956) Leitartikel aus der Gründungszeit der „Deutschen Tagespost“, Verlag Johann Wilhelm Naumann, Würzburg, 1986.

Themen & Autoren

Kirche