Vorbild für einen lebendigen Glauben

Jugendliche der apostolischen Schönstattbewegung gehen bei „misiones“ in Spanien von Tür zu Tür – Lisa Ludwig aus Deutschland war dabei

Lisa Ludwig aus Deutschland ist mit Pablo, einem jungen Spanier, im Team. Gemeinsam sind sie in Asturien im Norden der iberischen Halbinsel unterwegs und gehen in dem kleinen Dorf mit einem Bild der Gottesmutter von Schönstatt von Haus zu Haus. Für spanische Verhältnisse ist es ungewöhnlich kühl und regnerisch. Lisa friert. Das hält die beiden Jugendlichen aber nicht davon ab, an der nächsten Tür eines kleinen Häuschens zu klopfen. Doch dieses Mal bleibt die Tür einfach nur verschlossen. Nichts rührt sich.

Marianische Spiritualität zu den Menschen tragen“

Es ist eine typische Szene, die die gelernte Bankkauffrau, die in Würzburg wieder die Schulbank drückt, um ihr Abitur nachzumachen, nur zu gut kennt. Gemeinsam mit 80 weiteren Jugendlichen der Schönstattbewegung war sie im vergangenen Sommer in Nordspanien auf misiones. Für die gebürtig aus dem Landkreis Aschaffenburg stammende Würzburgerin heißt misiones, eine Woche lang in einfachsten Verhältnissen ihren Glauben zu bezeugen, ihre marianische Spiritualität und christlichen Überzeugungen zu den Menschen zu tragen. „Wir wollen wieder etwas Leben in die Pfarreien bringen, zu Veranstaltungen und zu Gebetszeiten einladen. Gerade die Menschen, die sich schon innerlich von der Kirche entfernt haben, wollen wir ansprechen. Wir kommen zu ihnen und holen sie da ab, wo sie gerade stehen“, betont Lisa. Mit einem zwanghaften Glaubensgespräch habe das aber wenig zu tun. „Wir wollen Vorbild für einen lebendigen Glauben sein und dadurch die Menschen zum Nachdenken bringen.“

Ursprünglich stammt die Idee für die misiones der Schönstattjugend aus Lateinamerika. Dort gehört diese Art der Neuevangelisierung zum Alltag einer Pfarrei. Allerdings sind in diese Arbeit nicht allein Jugendliche, sondern auch Pfarreien und Familien eingebunden, die während der Ferienzeit oder im Urlaub Dörfer und Städte in den jeweiligen Ländern besuchen.

In Lateinamerika hatte auch Lisa vor zwei Jahren zum ersten Mal etwas von den misiones gehört. Während eines elfmonatigen Auslandsaufenthaltes in Mexiko, den sie in einem Schönstattzentrum als Hauswirtschaftskraft und mit Jugendarbeit verbrachte, wurde sie dazu eingeladen. Damals waren 230 Missionare aus ganz Mexiko in der Karwoche zusammengekommen. „Ich wusste damals überhaupt nicht, was auf mich zukommt, aber ich ließ mich auf das Wagnis ein.“ Die Indígenas, die Ureinwohner Mexikos, mit denen die Missionare in Kontakt gekommen waren, hätten kaum spanisch sprechen können, erinnert sich Lisa. Für eine herzliche Einladung zu dem Angebot, das die Missionare für die Kinder, Erwachsenen und Alten vorbereitet hatten, habe es aber immer gereicht. Der 22-Jährigen gefällt auch der Gedanke, dass „der Glaube, der sich von Europa aus durch die Spanischen Eroberungen in Südamerika verbreitet hatte, wieder durch die misiones nach Europa zurückkommt“. Bereits in Spanien, Italien und Portugal hat die Schönstattbewegung solche misiones durchgeführt, in anderen Ländern, wie beispielsweise in Deutschland, will man es auch probieren. Lisa weiß, dass die misiones in jedem Land anders aussehen. „In Spanien haben wir zum Beispiel Altersheime und AIDS-Hilfestationen besucht.“ In Mexiko sei hingegen der karitative Aspekt viel wichtiger. Jeder Missionar habe in Mexiko im Vorfeld der Aktion einen Zettel erhalten, auf dem Lebensmittel und Sachen notiert waren, die er mitbringen sollte. „Es waren nur Kleinigkeiten, aber damit hat man sehr viel Freude bereiten können“, erzählt die Schülerin.

Lisa schildert den Ablauf einer solchen misiones heute noch mit spürbarer Begeisterung. Zu Beginn werden die Jugendlichen in kleinere Gruppen aufgeteilt. Später bekommen sie Dörfer und Stadtgebiete im Städtedreieck Gijon, Aviléz und Oviedo zugewiesen, für die sie verantwortlich sind. Zuvor werden die Priester dieser Pfarreien und der zuständige Diözesanbischof über die misiones informiert und um Erlaubnis dafür gebeten. Das ist wichtig. Denn ohne die Unterstützung der Missionare durch die ansässige Gemeinde gestaltet sich ihre Arbeit wesentlich schwieriger. „Jeder Priester vor Ort weiß bereits, dass wir kommen“, so Lisa. Untergebracht sind die Jugendlichen in einfachen zweckmäßigen Häusern, die die Gemeinde zur Verfügung stellt. Eine Kirche oder eine kleine Kapelle wird dann zum Herzstück der Gruppe. Die Jugendlichen richten sich ein und gestalten das Gotteshaus behutsam um. Später wird hier gebetet und Gottesdienst gefeiert.

„Es ist ein Geschenk für die Jugend, so etwas zu tun“

Morgens sind die Missionare dann in Stadt und Land unterwegs, klopfen an jedes Haus, auch an den Wohnungen in Hochhäusern, und laden die Menschen zu Gesprächen ein. Die Chance, dass die Haustür sofort geöffnet wird, sei sehr gering. „Es ist gar nicht so leicht, an die Leute heranzukommen, gerade in Städten“, erfährt Lisa. Die Menschen seien zunächst einmal eher misstrauisch. Manchmal aber würden sie gleich das Bild der pilgernden Gottesmutter erkennen, wodurch der Missionar mit ihnen ins Gespräch komme. Am Ende des Besuchs spreche der Missionar stets eine freundliche Einladung aus für die Veranstaltungen der misiones am Nachmittag und Abend – wie zum Beispiel Gesprächsrunden, Gottesdienste, Vorträge oder Spielnachmittage für die Kleinsten.

Nachts sitzt Lisa dann gemeinsam mit den anderen Missionaren zum Abendgebet in der Kirche. Sie ist müde. Die Gebetsimpulse aber machen ihr wieder Mut, stärken das Gemeinschaftsgefühl und motivieren, wenn Enttäuschung droht. „misiones betrifft dich ganz im Inneren.“ Man müsse erst den eigenen Glauben reflektieren, um als Missionar von Haus zu Haus gehen zu können, unterstreicht die Missionarin auf Zeit aus Deutschland. „Es ist ein Geschenk für die Jugend, so etwas zu tun. Ich kann es jedem nur empfehlen“, sagt Lisa heute, wenn es gleichwohl Strapazen und Frustrationen zu verarbeiten gilt.

In diesem Sommer geht Lisa wieder auf misiones – in Deutschland, von Haus zu Haus. Sie freut sich schon darauf.