„Pilgerführer mit deutlich umfangreicherem Kulturteil“

Ein Gespräch mit Gottfried Kompatscher vom Tyrolia-Verlag

Theologische Handbücher haben es derzeit schwer auf dem Markt. Die Studienreform verlangt nach komprimierten Darlegungen. Andererseits boomt der Buchmarkt für Sinnsucher und Menschen, die nach geistlicher Orientierung suchen. Vor allem die Wallfahrtsliteratur erlebt ein bemerkenswertes Comeback. Regina Einig sprach mit dem Verlagsleiter des Tyrolia Verlags in Innsbruck, Magister Gottfried Kompatscher über Trends auf dem Buchmarkt.

Welche Zielgruppe haben Sie für theologische Fachliteratur im Auge?

Wie in anderen Wissenschaften hat auch in der Theologie in den letzten Jahren die Spezialisierung deutlich zugenommen. Damit gelingt es weniger als früher, mit theologischer Fachliteratur ein etwas breiteres Publikum zu erreichen, und hier denke ich vor allem an Theologieabsolventen, die beruflich außerhalb der Universität, etwa in der Seesorge tätig sind. Ja, selbst innerhalb der wissenschaftlich tätigen Theologen erreichen wir oft nur noch– neben den Bibliotheken – die Vertreter desselben Faches innerhalb der Theologie.

Wirkt sich die Modularisierung des Theologiestudiums im Zuge des Bolognaprozesses auf das Leseverhalten der Studierenden aus?

Wir verzeichnen seit Jahren sinkende Absatzzahlen für Studienliteratur. Das hat meines Erachtens primär mit dem Rückgang der Studierendenzahlen für Theologie zu tun. Dass sich auch die „Verschulung“ des Studiums, die immer wieder als negativer Effekt des Bologna-Prozesses genannt wird, negativ auf den Eigenerwerb von Studien- und Fachliteratur durch die Studierenden auswirkt, ist naheliegend, kann ich aber nicht belegen.

Pilgerfahrten und Klosterurlaube liegen im Trend: Kann Ihr Verlag in diesem – auf den ersten Blick gesättigten – Markt noch Neues bieten?

Im Bereich der Pilgerbücher war Tyrolia vor zehn Jahren Trendsetter und wir spüren seit etwa zwei Jahren deutlich eine gewisse Sättigung des Marktes. Zu verschiedenen Pilgerwegen, für die Tyrolia den ersten Pilgerführer auf den Markt brachte, gibt es inzwischen Konkurrenzprodukte, ganz zu schweigen von den Pilgerberichten und Geschenkbüchern. Dennoch können wir für das Heilige Jahr in Santiago 2010 mit vier Novitäten aufwarten, die Neues bieten: einem Bildband zur Via de la Plata (die so genannte Silberstraße), einem Jakobsweg-Gebetbuch, einem neuen Wegführer für den Camino frances (französischen Weg) mit einem deutlich umfangreicheren Kultur-Teil als in allen anderen Führern und schließlich dem Pilgerbericht eines Mönches des Klosters Einsiedeln, der mit viel Esprit den Kontrast zwischen den Massenschlafsälen in den Herbergen und der Einsamkeit seiner Klosterzelle beschreibt.

Welche Schwerpunkte setzt der Tyrolia Verlag bei religiöser Kinder- und Jugendliteratur?

Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es vor allem die Feste Taufe, Erstkommunion und Firmung sind, an denen Kinder, Eltern und Großeltern offen sind für ein religiöses Buch. Und für diese Feste versuchen wir zeitgemäße, moderne Angebote zu entwickeln. Durchaus mit Erfolg. Unser Jugendgebetbuch „Treibstoff“ zum Beispiel, das wir – mit einigem finanziellen Aufwand – zur Gänze von einer Werbeagentur durchgestalten ließen, konnten wir in knapp drei Jahren bisher 20 000 Mal verkaufen.

Wächst in Zeiten wirtschaftlicher Krisen der Bedarf an Lebenshilfe beziehungsweise Ratgeberliteratur?

Ja, diesen Trend stellen wir fest. Das Wort Krise stammt ja aus dem Altgriechischen und bedeutete im Altertum so viel wie Entscheidung. „Lass dein Geld für dich arbeiten“ hat sich als Verführung herausgestellt, jetzt sind die Menschen neu gefordert, Verantwortung für ihren Lebensstil zu übernehmen.

Welche Neuerscheinungen aus dem Herbstprogramm Ihres Verlages erscheinen Ihnen für katholische Leser besonders interessant?

Zur Eigenverantwortung der Menschen über ihr Leben gehört nach der Krise auch und vor allem der Umgang mit dem eigenen Geld. Auf dieses Bedürfnis regieren wir mit dem Buch „Das gute Geld. Ethisches Investment“, das in einer Sprache, die der Laie versteht, die verschiedenen Anlageformen vom Sparbuch bis zu Derivaten auf ihre ethische Verträglichkeit hin abklopft. Und in „Die Quellen des Glücks“ zeigen der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser gemeinsam mit dem Ethiker Klemens Sedmak auf, dass ein glückliches Leben kein Glücksfall sein muss, sondern auf dem Ja zum Leben aufbaut.