Neue Struktur

Thüringen vereint Stiftungen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Thüringen führt nach langen kontroversen Debatten zwei Stiftungen zur DDR-Diktatur zusammen: die Stiftung „Gedenken – Erinnern – Lernen“ der Stasi-Gedenkstätte Andreasstraße Erfurt und die „Stiftung Ettersberg zur vergleichenden Forschung europäischer Diktaturen“. Kulturminister Christoph Matschie (SPD) sagte kürzlich „Es ist ein großer Schritt für eine neue Struktur der Gedenkstätten in Thüringen.“ Die Historikerkommission mit dem Weimarer Historiker Volkhard Knigge hatte im Februar die Empfehlung gegeben, beide Stiftungen in einer neuen aufgehen zu lassen.

Es sei keine einfache Aufgabe gewesen, den unterschiedlichen Auffassungen und Sichtweisen von Betroffenen mit ihren Schicksalen und von Wissenschaftlern gerecht zu werden, sagte Matschie. Durch die über drei Jahre dauernden Diskussionen hätten sich aber auch beide Seiten aufeinander zu bewegt und respektierten sich.

Im Zentrum der neuen Stiftung werde die Erinnerung an die Opfer der SED-Diktatur stehen. Das ehemalige Stasi-Gefängnis Andreasstraße im Zentrum Erfurts sei sowohl Ort der Repression als auch Ort der demokratischen Revolution und der Befreiung, sagte Hans-Joachim Veen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg. Am 4. Dezember 1989 stürmten dort Erfurter Bürger als erste in der DDR eine Stasi-Zentrale. Dies solle in der neuen Stiftung sichtbar werden.

Laut Matschie werden die Opferverbände, die die neue Struktur durchaus kritisch sehen, fest in die Arbeit eingebunden. „Die Gedenkstätte Andreasstraße lebt ganz wesentlich davon, dass die Opferverbände mitwirken.“ Kürzlich war der Berliner Historiker und Publizist Jochen Voit zum Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße ernannt worden. DT/dpa