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Die Herolde des Evangeliums – ein junger Orden setzt sich für Liturgie und Katechese ein

Dem spanischen Dichter Miguel de Cervantes Saavedra verdankt die Weltliteratur einen aufschlussreichen Hinweis auf den heiligen Jakobus: Er lässt seinen Ritter von der traurigen Gestalt, Don Quijote im zweiten Buch sagen: „Bedenke, diesen Ritter vom roten Kreuze hat Gott unsrem Spanien als Schutzheiligen gegeben, zumal in den harten Kampfesnöten, die die Spanier mit den Mauren bestanden“. Das rote Kreuz der Jakobusritter mit den stilisierten Schwertern hat eine junge Ordensgemeinschaft aus Brasilien für ihren Habit gewählt. Die „Herolde des Evangeliums“ wurden am 22. Februar 2001 als erste Vereinigung im dritten Jahrtausend vom Heiligen Stuhl zur Internationalen Vereinigung Päpstlichen Rechts ernannt. Der Orden, der heute in 57 Ländern tätig ist und mehr als eine Million Mitglieder und Mitarbeiter zählt, hat seinen Ursprung in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, als eine Gruppe Jugendlicher in Brasilien begann, sich zu versammeln, um gemeinsam zu singen, zu beten und Liturgie zu feiern.

Die Spiritualität der Herolde beruht auf drei Schwerpunkten. Zum einen ist die Verehrung der Eucharistie von zentraler Bedeutung für den Orden: In 52 Häusern der Herolde gibt es Privatkapellen mit ständiger Anbetung des Allerheiligsten Sakraments. Außerdem ist die Liebe zu Maria im Mittelpunkt der Spiritualität, weshalb sich alle Mitglieder der Mutter Gottes weihen. Die Treue zum Heiligen Vater ist der dritte Schwerpunkt, daher verstehen sich die Herolde des Evangeliums als „der Arm des Papstes“, wie es Kardinal Jorge Maria Mejía von der römischen Kurie ausgedrückt hat. Währenddessen appellierte Johannes Paul II. an sie: „Seid Boten des Evangeliums, durch die Fürbitte des Unbefleckten Herzens Marias.“

Die Vollmitglieder sind hauptsächlich junge Schwestern und Brüder. Sie widmen sich ganz dem Apostolat und leben in Gemeinschaften, in getrennten Häusern für Männer und Frauen. Ihr kontemplatives Leben, das von Studium und Gebet geprägt ist, wechselt mit der Evangelisation in Diözesen und Pfarreien ab, wobei sich der Schwerpunkt auf die Jugendarbeit konzentriert.

Die Herolde des Evangeliums unterrichten aber auch Familien in der katholischen Glaubenslehre und ermutigen sie dazu, diesen Glauben durch eine lebendige Teilnahme in der Pfarrei zu leben. Sie wollen den Glauben in die Herzen der Menschen einpflanzen, um den Familien zu helfen, selbst bei den schwierigen Problemen des Alltags und unserer heutigen Zeit standhalten zu können. Zudem wollen sie Frieden in den Familien stiften und sehen in der Hingabe an Maria den schnellsten und sichersten Weg, zu Jesus zu gelangen.

Kultur, Musik, Theater, Malerei und andere künstlerische Betätigungen stellen eine wertvolle Hilfe in dem Apostolat des Ordens dar. Die Herolde des Evangeliums wollen die Herzen zu Gott erheben und sie mit Ihm vereinen – durch die Wahrheit, das Gute und vor allem durch die Schönheit.

Die Gesangs- und Instrumentalgruppen der Herolde des Evangeliums haben einerseits das Bemühen, den katholischen Glauben durch die Kunst zu verbreiten, und andererseits haben sie bereits internationalen Ruf erlangt. Die etwa fünfzig Chöre und Musikensembles in fast dreißig Ländern geben Konzerte in Kathedralen, Kirche, Hörsälen und Sportstadien, ebenso wie in Gefängnissen, Kranken- und Waisenhäusern sowie Pflegeheimen. Der Internationale Chor und das Orchester werden von dem Gründer geleitet und treten im Rahmen ihrer Tournee in mehreren Ländern in Europa und Amerika auf. In Spanien sind die Herolde in mindestens sieben Diözesen aktiv und leisten wertvolle Katechesearbeit. Viele sind zu zweit unterwegs und besuchen Familien, Kindergärten und Schulen. Sie unterstützen unter anderem die Erstkommunionkinder bei der Vorbereitung auf den Weißen Sonntag und betreuen Kinderchöre.

In Kanada, den Vereinigten Staaten, Brasilien, Chile und Ecuador widmen sich die Herolde in Gruppen der Volksmission. Dabei reisen sie in Minibussen von Stadt zu Stadt, während zwei Mitglieder immer in einem Auto vorausfahren, um die Tätigkeit in der nächsten Stadt vorzubereiten. Laut der Herolde des Evangeliums vermehrte sich in einigen Pfarreien die Zahl der regelmäßigen Kirchbesucher durch diese Mission um fünfzig Prozent.

Die Herolde des Evangeliums, die in mehreren Ländern selbst Akademien für Jugendliche führen, organisieren außerdem in Hunderten von Schulen Projekte, um die Jugendlichen durch kulturelle Themen an die katholische Kirche heranzuführen.

Durch die Marianische Mission – oder auch Volksmissionen genannt – tragen die Herolde vom Heiligen Vater gesegnete Statuen unserer Liebe Frau von Fatima in Familien, Schulen, Krankenhäuser und Strafanstalten. Dabei sollen die Familien zuverlässige, moralische und religiöse Orientierung bekommen.

Aber auch für Berufstätige, Verheiratete und Ledige, sowie für Priester und Ordensleute besteht die Möglichkeit, mitzuarbeiten. Diese Mitarbeiter leben in der Spiritualität der Herolde des Evangeliums, nehmen ihr Charisma an und widmen dem Orden ihre Freizeit, indem sie versprechen, geistliche Pflichten zu erfüllen. Damit versuchen sie, vollkommener ihre familiären, beruflichen und kirchlichen Verpflichtungen zu erfüllen.

Der brasilianische Gründer des Ordens, Pater Joao Scognamiglio Clá Dias, hat schon in seiner Jugend versucht, eine Bewegung für Jugendliche zu gründen, in der er Moral und Tugend vermitteln wollte. Später trat er in den Dritten Orden von Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel ein. Den Monsignore, einen studierten Juristen, führte damals seine Sehnsucht für ein Leben des Apostolats in Treue zur Lehre des Papstes zu der Einsicht, dass ein solides Fundament notwendig sei. So begann er sein Theologie-Studium in Salamanca.

Immer um die Ausbildung junger Menschen bemüht, organisierte er vielfältige kulturelle Aktivitäten, die von profiliertem katholischem Geist zeugten und gründete Jugendzentren, wo sich die Jugendlichen in christlicher und freundlicher Umgebung treffen konnten.

1970 nahme er mit einigen Mitstreitern in Brasilien das Gemeinschaftsleben in einer ehemaligen Benediktiner-Abtei auf, um sich besser dem Apostolat widmen zu können. Nach vielen Widrigkeiten blühte die Evangelisierung in der Bewegung unter der Leitung von Monsignore Joao Clá auf: Aus diesem Gründunghaus entwickelten sich viele andere. Sie fanden so große Ausbreitung, dass sie 2001 von Papst Johannes Paul II. als Vereinigung kirchlichen Rechts anerkannt wurde.

Monsignore Joao Dias Clá, der am 15. Juni 2005 zum Priester geweiht wurde, hat weit verbreitete Werke (mit Ausgaben von hunderttausenden Exemplaren, einige sogar mit über einer Million) veröffentlicht, die in Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Italienisch, Französisch, Polnisch und Albanisch erschienen. Er ist auch der Gründer der Monatszeitschrift Herolde des Evangeliums, die mit einer Gesamtauflage von fast 700 000 erscheint. In Deutschland sind die Herolde bisher nur durch Oblaten vertreten.