Mit Goldeffekten lebendigere Bilder

Die Vatikan-Bibel ist ein Meisterwerk der Buchdruckkunst

Die neue Vatikan-Bibel ist ein außergewöhnliches Ereignis. Jedes Exemplar ist ein handgefertigtes Unikat, den roten Glanzledereinband zieren vier filigrane Darstellungen der Evangelisten in Echtgoldprägung. Die Einheitsübersetzung der Bibel ist mit einer prächtigen Bildauswahl ausgestattet, mit Werken aus den Sammlungen des Vatikans und des päpstlichen Palastes. In drucktechnischer Brillanz zeigen die Abbildungen Gemälde, Fresken, Mosaike und Miniaturen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Und was im Vatikan unter diesen Meisterwerken vergoldet ist, ist auch in der Bibel durch echte Blattgold-Applikationen wiedergegeben.

Anfang Dezember hatten die beiden die Vatikan-Bibel herausgebenden Verlage, die Stuttgarter Traditionsverlage Belser und und der Verlag Katholisches Bibelwerk, zu einer Präsentation in die Druckerei Offizin Scheufele in Stuttgart-Degerloch eingeladen. Hier konnten die Besucher erleben, wie die ersten Bögen der 1 024 Seiten starken Bibel aus der Druckmaschine schießen. Die hervorragende Qualität und originalgetreue Wiedergabe der Meisterwerke hatte Fachleute und Laien sofort beeindruckt. Und der Goldfolienveredelungsprozess in der Druckerei Oskar Imberger & Söhne war bei der Präsentation geradezu ein Faszinosum, wovon Bücherliebhaber sonst nur träumen können. Denn durch die Goldeffekte werden die Abbildungen viel lebendiger, wie der Inhaber der Druckerei, Bernd Imberger, den staunenden Zuschauern erläuterte. Die Buchbinderei Richard Mayer in Esslingen war mit der Herstellung des Ledereinbands befast. „Für das Aufbringen der Prägung wird ein Druck von etwa 20 Tonnen benötigt“, erklärte Richard Mayer. Und er wies auf eine Besonderheit in der Technik der Anbringung des dreiseitigen Goldschnitts hin: „In endloser Folge ist an allen Seiten des Buchblocks das Schlüsselmotiv als Symbol des Apostels Petrus zu sehen.“

Warum heißt die Bibel überhaupt Vatikan-Bibel, fragt man sich unwillkürlich, wenn man den Namen hört. Bibel ist doch Bibel, könnte man meinen. Die Idee war es, eine prächtige Ausgabe mit exklusiven Bildern aus dem Vatikan zu gestalten. Und so verdankt die Bibel ihren Namen allein der Kunst. Jürgen M. Schymura, der Geschäftsführer des Verlags Katholisches Bibelwerks, erläuterte hierzu: „150 der 250 abgebildeten Motive von Tafelbildern, Mosaiken, Fresken, Handschriften und Tapisserien sind der Öffentlichkeit im Vatikan nicht zugänglich. Endlich erscheinen die Bilder wieder in dem Zusammenhang, in dem sie ursprünglich entstanden sind: mit direktem Bezug zum biblischen Kontext.“ Alle Bilder werden hier eigens erklärt, auch kunsthistorisch erläutert und dann die Bibelstelle, auf die sie sich beziehen, noch einmal angeführt. Über den Zeitpunkt, warum die Bibel gerade jetzt gedruckt werde, sagte der Verleger: „Vor 500 Jahren wurde Raffael von Papst Julius II. mit der Gestaltung der heute so berühmten Loggien beauftragt, und Michelangelo begann mit der Ausgestaltung der Sixtinischen Kapelle.“ Im Vatikan selbst ist die Bibel auf große Zustimmung gestoßen. So hat Kardinal Raffaele Farina SDB, Direktor des Päpstlichen Geheimarchivs und der Bibliothek, erklärt: „Diese Bibel-Edition greift das Anliegen der nächsten Synode der Bischöfe über das Wort Gottes im Leben und in der Mission der Kirche auf und fügt den bereits publizierten Bibelausgaben ein kostbares Juwel hinzu.“ Und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte: „Diese außergewöhnliche Edition der Heiligen Schrift nimmt den Leser und Betrachter mit auf eine Reise in das Zentrum der Weltkirche und öffnet die Türen zu den großen Meisterwerken der Renaissance im Vatikan.“

Seit diesem Monat ist die Vatikan-Bibel im Buchhandel erhältlich. Sie enthält die prächtigen Meisterwerke von Michelangelo, Raffael, Sandro Botticelli, Perugino, Fra Angelico, Fillipino Lippi, Domenico Ghirlandaio, Luca Signorelli, Casimo Roselli und Pinturicchio. Und um nur einige Beispiele zu nennen, die Bilder stammen aus Sammlungen wie San Pietro, Cappella Paolina und Niccolina, Cappella Sistina, Stanzen des Raffael oder Bibliotheca Apostolica Vaticana.