Heilsames Schweigen

Das von Franz Jalics SJ gegründete Haus Gries im Frankenwald ist das Zentrum der kontemplativen Exerzitien. Von Benedikt Winkler

Mann im Gebet
In Haus Gries geht es nicht um Erleuchtung, Leistung und Effizienz, sondern um ein sanftes und zartes Geschehen-lassen in der unmittelbaren Erfahrung Gottes. Foto: KNA
Mann im Gebet
In Haus Gries geht es nicht um Erleuchtung, Leistung und Effizienz, sondern um ein sanftes und zartes Geschehen-lassen i... Foto: KNA

Das Haus Gries im Frankenwald bei Kronach ist zweifellos ein Geheimtipp. Es gilt als das Mutterhaus der kontemplativen Exerzitien. Wer nach Gries kommt, bringt in der Regel mehr Zeit mit. Die ist nötig, schließlich geht es nicht um die schnelle Erleuchtung, sondern um das Einüben von Beziehung: zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst.

Der aus Ungarn stammende Jesuitenpater Franz Jalics SJ, der inzwischen 90-jährige Gründer des Hauses, beschreibt die von ihm entwickelten kontemplativen Exerzitien als ein Wechsel „vom Fahrersitz auf den Beifahrersitz“, ein Prozess des Geschehen-lassens, welcher dem Herrn die Regie überlässt. Alles, was es dazu braucht, ist Vertrauen, eine gewisse psychische Grundstabilität und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Der Exerzitant, der dem Grieser Weg folgt, meditiert in Stille den Namen Jesu oder legt ein inneres Ja auf den Atem. Kontemplatives Gebet ist ein Gebet der Zustimmung. Diese Haltung besagt, dass sich in der Stille alles zeigen darf: Schmerzliche Brüche im Leben, Verstrickungen in Schuld und Sünde, Burn-Out-Erfahrungen. Häufig kommen nach Haus Gries Menschen, die in der Berufswelt einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt sind, vor allem Menschen in „helfenden Berufen“: Krankenpfleger, Psychotherapeuten, kirchliche Mitarbeiter und Seelsorger. Sie wollen ihre Beziehung zu Jesus Christus vertiefen, viele von ihnen suchen nach einer neuen Lebendigkeit im Leben. „Ich muss für mich auch etwas tun, wenn ich in der Rolle des Gebers bin“, so der Jesuitenpater Joachim Hartmann SJ, der zusammen mit der Ärztin und Journalistin Annette Clara Unkelhäußer das Exerzitienhaus leitet. Hartmann wurde im September 2014 von der Deutschen Provinz der Jesuiten mit der Hausleitung beauftragt. Der erfahrene geistliche Begleiter weiß aus unzähligen Begleitgesprächen von der Wirksamkeit der erprobten Methode zu berichten: „Heilung geschieht oft in leisen Schritten, langsam und mit Geduld. Sanft und zart.“ Es gehe nicht darum, etwas zu erreichen, sondern „meine Wahrheit vor Gott, wie sie ist, wahrzunehmen“, in dem Vertrauen, dass „alles Schmerzliche und Unheilvolle von Gott her eine Wandlung erfährt“, so Unkelhäußer.

Ein zutiefst christlicher Weg

Der Deutungsrahmen ist der christliche Hintergrund: die hl. Schrift, die Kirche, die Sakramente, die tägliche Eucharistiefeier. Haus Gries steht in der zutiefst christlichen Tradition der Wüstenväter der ersten Jahrhunderte. Christliches Zen gibt es in Haus Gries nicht. Im Jesusgebet geht es nicht um ein Leerwerden, wie im Zen-Buddhismus oder um Erkenntnis wie in gnostischen Heilswegen, sondern um das Einüben von Beziehung, um Vergebung, um eine unmittelbare Du-Bezogenheit zu Jesus Christus. Das Jesusgebet ist dabei eine sehr präzise erprobte und bewährte Methode, die in einen Raum der Stille hineinführt und Aufmerksamkeit bündelt, um sich auf Gottes Gegenwart hin auszurichten.

Die angebotenen zehntägigen Schweigeexerzitien – ohne Luxus, ohne Handy, ohne Fernseher, ohne Bücher – beginnen mit Wahrnehmungsübungen in der Natur im umliegenden Frankenwald und werden fortgesetzt mit Leibübungen. Gesprochen werden darf nur während der Begleitgespräche und in den halbstündigen täglichen Austauschrunden. Wer nach den zehn Tagen längerfristig in Haus Gries mitleben möchte, hat die Möglichkeit, für mehrere Monate der Hausgemeinschaft beizutreten.

In Haus Gries finden ganzjährig 22 Kurse statt. www.haus-gries.de