Händel und die Konfessionen

Sechs Oratorien und drei Opern in Halle. Von Robert Unger

Er habe seine Bibel recht gut gelesen, sagte Georg Friedrich Händel einmal, und er werde sie für sich wählen. Ein Ausspruch, der den konstruierten Gegensatz zwischen dem „frommen“ Bach und dem „weltlichen“ Händel relativiert.

Die diesjährigen Händelfestspiele in Halle widmen sich vom 31. Mai bis 10. Juni Händels Beziehung zum christlichen Glauben. Schirmherrin ist Margot Käßmann, frühere Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und ab April „Luther-Botschafterin“ für das Reformationsjubiläum. Auch der 300. Todestag des halleschen protestantischen Komponisten Friedrich Wilhelm Zachow sowie der Ausblick auf 500 Jahre Reformation 2017 spielen im Programm eine wichtige Rolle.

Beeinflusst wurde der evangelische Händel – anders als Telemann und Bach – während seines Italienaufenthalts auch durch den Katholizismus. In Rom schrieb er 1708 das Oratorium „La Resurrezione“, das am 2., 3. und 4. Juni im Goethe-Theater Bad Lauchstädt szenisch aufgeführt wird. Sechs Oratorien und drei Opern stehen auf dem Programm der Festspiele, darunter „Joshua“ am 6. Juni, das Ballett „Il Terpsicore“ und die Opern „Alcina“, „Ottone, Re di Germania“ und – konzertant – „Poro“.

Am 10. Juni erklingt im Dom zu Halle auch Händels selten gespielte „Brockes-Passion“. Das Libretto Barthold Heinrich Brockes' entstand vor 300 Jahren. Eine dreitägige wissenschaftliche Konferenz untersucht den Einfluss der Konfessionen auf das Schaffen Händels und widmet sich seinem Lehrer Friedrich Wilhelm Zachow und dessen Kirchenkantaten. Die Pianistin Ragna Schirmer erhält den Händel-Preis 2012 und spielt im Abschlusskonzert am 10. Juni.

Info: www.haendelfestspiele.halle.de