„Es geht um den ganzen Menschen“

Bruder Stephan Veith über die Arbeit der Missionsbenediktiner von Münsterschwarzach. Von Jens Hartner

Bruder Stephan Veith OSB. Foto: Archiv
Bruder Stephan Veith OSB. Foto: Archiv
Bruder Stephan, ist Mission ein Synonym für Entwicklungshilfe?

Nein. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt, dass die pilgernde Kirche ihrem Wesen nach missionarisch ist. Das heißt für uns, dass zunächst einmal die Verkündigung des Evangeliums an erster Stelle steht. Dann folgen der ökumenische und interreligiöse Dialog, die Inkulturation des Evangeliums und der Einsatz für eine ganzheitliche Entwicklung. All das sind aber verschiedene Aspekte der einen Mission der Kirche. Es geht also um die Entwicklung des ganzen Menschen. Dazu gehört auch, was wir so landläufig unter Entwicklungshilfe verstehen. Es erschöpft sich aber nicht darin.

Das eher Evangelisatorische und das eher Diakonische: Wie zeigt sich das in Ihrer Arbeit?

Unsere Arbeit geht von unseren Klöstern aus, wo wir das Stundengebet singen, die Eucharistie feiern, das Evangelium verkünden. Die Menschen kommen, um an dieser Liturgie teilzunehmen. Wie gehen aber auch zu ihnen. So fahren unsere Mitbrüder in die Buschstationen, um dort Gottesdienst zu feiern. Dann kommen immer auch die Sorgen der Menschen um das tägliche Brot, um die Gesundheit und um die Ausbildung zur Sprache. Wir versuchen dann, kranken Menschen zu helfen, etwa durch unsere Krankenhäuser. Wir unterhalten aber auch die unterschiedlichsten Projekte zur Nachhaltigkeit, etwa Wasserbrunnenprojekte oder die Pflanzung von Bäumen. Hieran sehen Sie, dass Evangelisierung und Diakonie Hand in Hand gehen.

Lassen sich Menschen auch taufen?

Aber ja. Immer wieder kommen Menschen zu uns, die sich taufen lassen. Ich weiß von Erzbischof Norbert in der Erzdiözese Songea in Tansania: Da haben sich in der letzten Osternacht 16 Muslime taufen lassen.

Muss denn jeder Münsterschwarzacher in die Mission?

Nein. Von Müssen kann grundsätzlich keine Rede sein. Das geschieht immer in Absprache mit dem Abt. Wir haben seit vielen Jahren ein Programm „Missionar auf Zeit“. Das dauert zwei Jahre und richtet sich insbesondere an unsere jungen Mitbrüder. Sie sollen durch den Einsatz Geschmack bekommen, sich für eine längere Zeit auf einen ganz anderen Kulturraum einzulassen, um von Reichtum der Kultur zu lernen und ihre Gaben und Talente zur Verfügung zu stellen. Wir Missionsbenediktiner von Münsterschwarzach verstehen uns als Missionare, egal ob wir in Übersee sind oder in unserem Kloster in Münsterschwarzach beten und arbeiten.