Engagement für die Ewigkeit

Seit über 1 000 Jahren wirken kirchliche Stiftungen für das Gute. Sie stärken konkret und nachhaltig das soziale Miteinander und sind ein Modell mit Zukunft. Von Matthias Deggeller und Martin Speer

Blick nach vorne: Kirchliche Stiftungen haben oft eine jahrhundertealte Geschichte und sind zeitlos modern. Foto: Bundesverband deutscher Stiftungen
Blick nach vorne: Kirchliche Stiftungen haben oft eine jahrhundertealte Geschichte und sind zeitlos modern. Foto: Bundesverband deutscher Stiftungen

Nächstenliebe ist mehr als eine spontane Handlung – sie ist eine Haltung, die unser ganzes Leben bestimmt und weit über das Leben selbst hinausreicht. Seit Jahrhunderten und bis in die heutige Zeit hat sich diese Haltung auch in Stiftungen und ihrem Handeln manifestiert. Kirchliche Stiftungen gehören dabei zu den ältesten Stiftungen in Deutschland. Der klassische Gedanke hinter einer Stiftung, für die Ewigkeit Früchte zu tragen, dem Nächsten Gutes zu tun, hat christliche Wurzeln. Im Markusevangelium heißt es: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

Das nahmen sich einige der ersten Stifter zu Herzen und dachten: Wenn ich mit meinem erworbenen Reichtum etwas Gutes tue und das auf ewig, dann komme ich auch in den Himmel. Viele Christen sehen darüber hinaus das, was sie selbst in ihrem Leben an Gutem erfahren haben, als Geschenk Gottes an. Solches Gute auch anderen Menschen und nachfolgenden Generationen zur Verfügung zu stellen, ist dann ein Gedanke tätiger Liebe.

Dass Stiftungen für solches Tun ein besonders geeignetes Instrument sind, das zeigt das Beispiel zahlreicher historischer Stifter und ihrer heute noch lebhaft fördernden Stiftungen. Es gibt aber auch eine Vielzahl kleiner und noch junger Stiftungen, die Erstaunliches leisten und es verdienen, gestärkt zu werden.

Die Tätigkeitsfelder kirchlicher Stiftungen orientieren sich am christlichen Bestreben, sich Menschen in Not in geschwisterlicher Fürsorge zuzuwenden, Talente und Begabungen zu fördern, Bildung und Erziehung zu ermöglichen, die Schöpfung zu bewahren und benachteiligten Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe zu verhelfen. Zur Stabilisierung der Gemeinschaft fördern sie das kirchliche Leben vor Ort ebenso wie weltweit. In der Präambel zur Merkmalbestimmung kirchlicher Stiftungen des Arbeitskreises Kirchen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen heißt es: „Im Glauben an Jesus Christus und in christlicher Freiheit und Verantwortung haben Menschen seit dem Ursprung des Christentums Stiftungen errichtet, um Zwecke zu erfüllen, die ihnen aus diesem Glauben heraus wesentlich waren. Diese kirchlichen Stiftungen prägen und gestalten bis heute das Bild von Kirche und Gesellschaft mit. Sie sind Ausdruck dafür, dass die Welt von Gott getragen ist und von ihm her Grund, Bestand und Sinn hat. Sie handeln in der Gewissheit, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes und die Welt Gottes Schöpfung ist.“

Kirchliche Stiftungen können zum Teil auf eine lange Tradition zurückblicken: Sie sind in Mitteleuropa die ältesten Stiftungen überhaupt und übernehmen schon viel länger als weltliche Stiftungen und jedes staatliche Gemeinwesen soziale Aufgaben. Bis heute sind sie Träger von Kindergärten, Schulen, Jugend-, Kranken- und Alteneinrichtungen. Einige dieser ehrwürdigen Stiftungen bestehen noch heute: Sie haben Kriege, Revolutionen und Inflationen überdauert. Dass kirchliche Stiftungen so beständig sind, liegt auch daran, dass ihr Vermögen oft aus Immobilien und Wäldern besteht, die von dauerhaftem Wert sind.

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen schätzt, dass es insgesamt mehr als 30 000 Kirchenstiftungen verschiedener Rechtsformen in Deutschland gibt. Ihre genaue Zahl ist schwer zu schätzen. Fast eineinhalb Jahrtausende kirchlichen Stiftungswesens sind nur schwer zu dokumentieren. Gerade in Mitteleuropa haben große Kriege und politische Umwälzungen immer wieder dazu geführt, dass wichtiges Archivmaterial verloren gegangen ist. Davon waren auch alte Stiftungen betroffen. Die Aufgabe für die kirchlichen Stiftungsaufsichten besteht darin, so gut wie möglich für ihre Bereiche die bestehenden kirchlichen Stiftungen zu dokumentieren.

Auch wenn viele der kirchlichen Stiftungen auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken können, wirken sie bis heute für das Gute und bleiben damit zeitlos modern. Beispiele dafür sind das katholische Heilig Geist Hospital Bensheim im Bistum Mainz, das erstmals am 22. Juli 817 urkundlich erwähnt wurde und bis heute ein Krankenhaus betreibt. Oder auch der Hospitalfonds St. Benedikti in Lüneburg. Die rechtsfähige Stiftung wurde 1127 gegründet und unterstützt auch heute noch Wohnstätten für Bedürftige. Zu den kirchlichen Stiftungen mit besonders alten Wurzeln gehören, vor allem im süddeutschen Raum, die sogenannten Pfarrkirchen- und Pfründestiftungen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie Immobilien und Ländereien besitzen und für ortskirchliche Bedürfnisse zuständig sind. Häufig dienten sie dazu (und tun dies bis heute), die Besoldung der örtlichen Pfarrer (mit) zu finanzieren. Weitere kirchliche Stiftungen des öffentlichen Rechts sind Filial-, Kuratiekirchen-, Kapellen- und Benefiziumstiftungen, deren Zwecke auf Behinderten-, Alten- und Jugendhilfe, aber auch auf Bildung, Caritas und Diakonie bezogen sind.

Kirchliche Stiftungen gestalten seit jeher aktiv die Gesellschaft mit und übernehmen Verantwortung. Von ganz irdischen Problemen sind aber auch sie betroffen. Regelmäßige Tagungen des Arbeitskreises Kirchen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen helfen ihnen dabei weiter, diese zu bewältigen. Was tun bei niedrigen Zinsen? Wie lässt sich die Nachfolge sinnvoll regeln? Helfen Soziale Medien heutzutage dabei, die das Wirken der Stiftung bekannter zu machen?

Zum zweiten Mal treffen sich kirchliche Stiftungsvertreter sowie Menschen, die sich dem kirchlichen Stiftungswesen verbunden fühlen, zum Austausch über aktuelle Herausforderungen der (kirchlichen) Stiftungspraxis am 20. und 21. Oktober in Köln.

Auch in der Ewigkeit bleibt viel zu tun.

Die Autoren sind Sprecher der Bundesverbands deutscher Stiftungen