Ein Juwel der Gegenreformation

Eine einzigartige Mariendarstellung: Die „Knotenlöserin“ in der Kirche der Jesuiten in Augsburg

Mitten in der geschäftigen Innenstadt Augsburgs finden jeden Tag Beter in St. Peter am Perlach Ruhe. Die Jesuitenkirche ist kein „klassischer“ Wallfahrtsort mit regelmäßigen Gebetszeiten und eigenem Pilgerprogramm, sondern eher eine ruhige Insel für beschauliche Naturen, die eine Wallfahrtskirche fernab vom Pilgertrubel suchen. Hauptanziehungspunkt ist das ungewöhnliche Gemälde der Mutter Jesu in der südlichen Apsis. Maria wird hier als „Knotenlöserin“ verehrt – eine Anspielung auf ihren Titel als „neue Eva“. Das Zweite Vatikanische Konzil unterstreicht in „Lumen Gentium“ (Nr. 56), dass „der Knoten des Ungehorsams der Eva gelöst ist durch den Gehorsam Marias. Was die Jungfrau Eva durch ihren Unglauben gebunden hat, das hat Maria durch den Glauben gelöst“. Einen ähnlichen Gedanken hatte bereits der heilige Irenäus von Lyon (gestorben 202).

Im Jahr 1700 soll der Augsburger Patrizier Hieronymus Ambroisius Langenmantel, der von 1666 bis 1709 als Kanoniker an St. Peter wirkte, den Altar Beatae Mariae Virginis mit dem jetzigen Wallfahrtsbild gestiftet haben. Es zeigt Maria nach der Beschreibung der Offenbarung des Johannes. Zwölf Sterne krönen ihr Haupt, und sie tritt auf den Kopf der Schlange, die sich um den Mond, das Zeichen der Unbeständigkeit windet. Maria besiegt den Geist des Ungehorsams und entwirrt ein Band mit großen und kleinen Knoten, das ihr die Engel reichen. Das Band in den Händen Mariens symbolisiert die Erbschuld und die Fülle der Sorgen, die der Gottesmutter jeden Tag im Gebet vorgetragen werden. Ein Engel zeigt den geordneten Teil den Betern: Maria hat die Bitten erhört.

Die Verehrung des Bildes hat in jüngster Zeit einen bemerkenswerten Aufschwung erhalten. Vor gut zwanzig Jahren brachte ein Jesuit eine Kopie nach Lateinamerika. Seitdem verehren Beter in Brasilien und Argentinien die „Knotenlöserin“ – und auch in Frankreich rufen immer mehr Menschen Maria unter diesem Titel an.