Der Alte Ritus in Afrika

Das Institut Christus König und Hoherpriester ist seit seiner Gründung 1990 in der Mission im afrikanischen Gabun tätig. Von Karl W. Lenhardt

Noch eine Baustelle: Bei der Sonntagsmesse im alten Ritus in der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von Lourdes in Libreville. Foto: Archiv
Noch eine Baustelle: Bei der Sonntagsmesse im alten Ritus in der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von Lourdes in Librevil... Foto: Archiv

Die Kanoniker des Instituts Christus König und Hoherpriester sind nicht nur seit ihrer Gründung 1990 als Missionare in Gabun in Zentralafrika präsent, sondern der Missionsauftrag Jesu war ein entscheidender Impuls für Gilles Wach und Philippe Mora, die beiden Gründer, ihre neue Gemeinschaft ins Leben zu rufen.

Es waren nicht nur Kardinäle und Bischöfe in Europa, die sie zur Gründung des Instituts ermutigten, sondern es war auch der Umstand, dass Wach Generalvikar des Bischofs Cyriakus Obamba von Mouila im Gabun war. In dieser Funktion konnte er vor Ort die Folgen des Einbruchs der Missionstätigkeit seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erfahren. Zahlreiche Missionsstationen, die wirkliche Lebenszentren der Einwohner geworden waren, waren zusammengebrochen. Der noch junge und nicht sehr gefestigte Glaube reichte oft nicht aus, um sich von einer Kultur abzugrenzen, die auf Magie, oppressiven Kulten und zum Teil sogar auf Menschen- beziehungsweise Kinderopfern gegründet war. Wach hatte auf seinen Reisen erlebt, wie ihn die Gläubigen regelrecht beknieten, ihnen wieder Priester zu senden. Es erstaunt deshalb nicht, dass Bischof Obamba dazu bereit war, der Gründungsbischof des neuen Instituts zu werden.

Heute ist die Missionsstation von Mouila das Zentrum der missionarischen Aktivitäten des Instituts in einer ganzen Region. Kirchen, Kapellen, Schulen, Kindergärten und medizinische Einrichtungen werden von dort koordiniert. Der Aufenthalt und die Tätigkeit der Missionare sind nicht ungefährlich. Viele der Einrichtungen liegen mitten im Dschungel. Ständige Reisen in unwirtlichem Gelände sind an der Tagesordnung. Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius sowie eine permanente Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent machen das Leben dort für einen Europäer fast unerträglich.

Während die Weltgesundheitsorganisation drei offizielle Malariazonen ausweist, wird Gabun zur inoffiziellen vierten gezählt, was bedeutet, dass während eines ausgedehnteren Aufenthaltes dort eine Infektion praktisch unvermeidbar ist. Das mit Bodenschätzen reich gesegnete Land zählt jedoch nicht zu den Armenhäusern der Welt. Auch wenn natürlich kein allgemeiner Wohlstand im europäischen Vergleich besteht, ist das alltägliche Leben und Überleben der Bevölkerung gesichert.

Der Glaube wird von den Menschen hier wirklich als eine Befreiung von einem oppressiven Aberglauben erfahren, in dem Polygamie und andere moralische Abirrungen weitverbreitet sind. Auch die Ausbreitung des fundamentalistischen Islams und nordamerikanischer Sekten ist allenthalben zu beobachten, weshalb es nicht verwundern kann, dass die Missionare des Instituts bisweilen an Leib und Leben bedroht werden.

Mit der Regierung und den Verwaltungseinrichtungen des Landes besteht ein vertrauensvolles Einvernehmen, was sich nicht zuletzt darin ausdrückt, dass Monsignore Wach bereits vor Jahren vom damaligen Staatspräsidenten mit den höchsten Verdienstorden des Landes dekoriert worden ist. Seit drei Jahren hat der Erzbischof von Libreville dem Institut auch eine Pfarrei in der Hauptstadt des Landes anvertraut, wo das Institut gegenwärtig mit dem Bau einer geräumigen Pfarrkirche beschäftigt ist.

An dem Projekt besteht großes Interesse, weil die Kirche im römischen Stil nicht nur der stetig wachsenden Pfarrei Raum geben wird, sondern auch, weil bereits ihre äußere Erscheinung ein Mittel der Evangelisation sein wird: „Die beeindruckende Fassade wird die Gegenwart des menschgewordenen Gottessohnes und seines Reiches inmitten des Lebens der Hauptstadt Libreville bezeugen“, sagt der Generalvikar im Institut, Michael Schmitz. Der mit dem Projekt besonders betraute künstlerische Leiter, Abbé Alexander Willweber, hat zusammen mit Monsignore Schmitz bereits dem Staatspräsidenten des Landes das Projekt vorstellen können, der seine Anerkennung dafür zum Ausdruck brachte. Gegenwärtig ist der Rohbau fertiggestellt und kann bereits für Liturgie und Katechese genutzt werden.

Nicht nur hinsichtlich des Kirchbaues, sondern auch im allgemeinen ist eine hohe Ansprechbarkeit der Bevölkerung für die von der klassischen Liturgie geprägte Frömmigkeit des Instituts zu beobachten. Der Gregorianische Choral erfreut sich großer Beliebtheit, und der Chormeister des Mutterhauses, Kanonikus Wulfran Lebocq, hat schon mehrere Kurse im Gesang des Chorals dort durchführen können, welche die Teilnehmer nicht nur mit großer Begeisterung, sondern auch Ausdauer absolviert haben.

Entsprechend der dem Institut eigenen Spiritualität leben auch unsere Mitbrüder in Afrika in Kommunitäten, denen Kanoniker, Oblaten und Seminaristen, die sich dort für ein Praktikum aufhalten, angehören. Dies erlaubt nicht nur ein gemeinsames Gebetsleben, sondern auch die Übersetzung des liturgischen Lebens in den Alltag hinein. So wird im Leben unserer Kommunitäten für die einheimische Bevölkerung das Beispiel einer wirklichen christlichen Kultur sichtbar, das eine wahre Inkulturation des Glaubens erlaubt, die ja nicht eine wahllose Vermischung von christlichen und anderen kulturellen Elementen sein kann, sondern einzig in der Durchdringung, Durchformung und Erhebung des Alltagslebens durch das Glaubensleben bestehen kann.

Die Patrone des Instituts spielen hierbei eine große Rolle: Es besteht eine Harmonie zwischen dem heiligen Benedikt, dem heiligen Thomas von Aquin und dem heiligen Franz von Sales. So bestimmt das Beispiel des heiligen Benedikt, des von Papst Paul VI. proklamierten „Patron Europas“, und seiner Mönche das liturgische und kommunitäre Leben. Der „engelsgleiche Lehrer“ Sankt Thomas trägt zur Klarheit und Eindeutigkeit der Verkündigung bei und zu einem echt katholischen Optimismus. Dieser wiederum findet in der von der Gottes- und Nächstenliebe durchdrungenen Spiritualität und Pastoral des heiligen Franz von Sales, dem der selige Papst Pius IX. den Titel des „Doctor Caritatis“, des Lehrers der Gottes- und Nächstenliebe verliehen hat, seine schönste Frucht. Man solle die Wahrheit so lange in der Milch der Liebe kochen, bis sie süß schmeckt, ist dabei eine der pastoralen Empfehlungen des Heiligen, die sowohl in der Afrikamission als auch im übrigen Wirken des Instituts eine hervorragende Rolle spielt und sich im Motto „Veritatem facientes in caritate – die Wahrheit in der Liebe tun“ (Eph 4,15) widerspiegelt.

Die Erfahrung des Glaubens inmitten der Kirche begründet nicht nur ein Band der Gläubigen im Gabun mit dem ganzen Institut und darüber hinaus mit der Weltkirche, sondern stiftet auch umgekehrt in unserem Institut eine wirklich missionarische Identität, die in unseren Breiten im Mitwirken an der Neuevangelisierung ihren entsprechenden Widerhall findet. Die zahlreichen Bekehrungen, Erwachsenentaufen, der Enthusiasmus, mit dem der Glaube gelebt wird, und die Vitalität der Kinder, Jugendlichen und jungen Familien in unseren Missionen finden ihr Echo in den Apostolaten des Instituts in Europa und Nordamerika.

Kanonikus Lenhardt ist Mitglied des Instituts Christus König und Hoherpriester, einem Institut apostolischen Lebens nach päpstlichem Recht.