Den Glauben bekennen

Was man dafür alles wissen muss. Von Alexander Riebel

Obwohl heute über alles in peinlicher Offenheit diskutiert wird, ist das Gespräch über den Glauben immer mehr zum Tabu geworden. „Ja, warum eigentlich“, fragt der Philosoph und freie Autor Josef Bordat in seinem jüngsten Buch „Credo – Wissen, was man glaubt“. „Credo“ ist hier nicht nur ein Buchtitel, sondern das ganze Buch ist ein persönliches Bekenntnis. „Die Kirche vertritt ein Menschen- und Weltbild, das mich überzeugt, weil es Ausdruck vernünftigen Glaubens ist“, heißt es frisch heraus bei Bordat. Dass zum Glauben auch Wissen gehört, macht sich Bordat zu eigen und erklärt das Apostolische Glaubensbekenntnis Zeile für Zeile. Nun ist es mit dem Erklären so eine Sache. Bordat weiß, dass ein Bekenntnis wie Christus ist „aufgefahren in den Himmel“ weder logisch analytisch ableitbar ist, noch empirisch erweisbar. Man müsse sich ja wundern, warum immer wieder die Existenz Christi bestritten wird, nie aber die Existenz des Sokrates. Bordat hält sich da an den Metaphysiker Peter Wust, der wusste, das der Glaube ein Wagnis ist, ein Wagnis mit Weisheit. Dabei müsse die „seinsfromme Haltung“ (sapientia) an die Stelle der „unfrommen Erkenntnishaltung“ (curiositas) treten.

Tiefe Weisheit und hoch anspruchsvoll ist für Bordat das Apostolische Glaubensbekenntnis. Es beginnt mit „Ich glaube...“. Das persönliche Bekenntnis darf aber „nicht im Schutz der Privatsphäre beliebig werden“, sondern muss in der Gemeinschaft Gestalt annehmen und sich in der Welt bewähren. Damit ist der Rahmen geöffnet für das Kommende.

Der Betende glaubt an Gott, der nicht Wünsche erfüllt (der Weihnachtsmann), sondern der von Wünschen befreit, ja,s der zur Freiheit befreit. Um der Freiheit willen muss auch das Böse in der Schöpfung akzeptiert werden – Bordat macht hierzu einen Ausflug in die Theodizee von Leibniz, der zeigte, dass die Erfahrung der Übel in der Welt letztlich zu ihrer Besserung führen. Auch beim heiligen Thomas zeigt der Autor, wie die Geistesgeschichte im Licht des Glaubensbekenntnisses steht und dieses deuten kann. Der Schöpfer ist Grund, nicht Anfang der Dinge und lässt sich die Dinge selber machen, wie Teilhard de Chardin wusste. Bordats Verdienst ist, immer wieder das biblische Geschehen richtig zu deuten, etwa dass die Unbefleckte Empfängnis nicht die Geburt ihres Sohnes Jesu meine, sondern die Marias.

Neben solchen Exkursen steht in dem äußerst lesenswerten Büchlein der Glaube an das neue und ewige Leben im Mittelpunkt, damit die Mission und das Bekennen des Glaubens im Alltag. „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4, 20).

Josef Bordat: Credo. Wissen, was man glaubt. Lepanto Verlag, Rückersdorf 2016, 168 Seiten, EUR 13,90