Christen im Islam

Die Lage in einigen ausgewählten Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit

Ein koptischer Christ steht bei Zusammenstößen mit der Polizei Ende November 2010 in Kairo auf einem Auto und hält ein Kreuz in der Hand. Auslöser der Unruhen war der Bau einer Kirche. Die ägyptischen Behörden verzögerten ihn mit ihrer Bürokratie. Foto: dpa
Ein koptischer Christ steht bei Zusammenstößen mit der Polizei Ende November 2010 in Kairo auf einem Auto und hält ein K... Foto: dpa

In Ländern, in denen der Islam dominiert, ist es für Christen meist schwer, ihren Glauben zu praktizieren. Nicht selten werden sie diskriminiert oder gar verfolgt. Für ihre Religionsfreiheit einzutreten, ist deshalb auch Anliegen von „Kirche in Not“. Das Hilfswerk hat dazu auf 528 Seiten einen „Religionsfreiheit weltweit. Bericht 2010“ herausgegeben, der nicht nur, aber auch die Situation der Christen in islamischen Ländern dokumentiert. Dieser Bericht ist die Grundlage für die folgenden kurzen Notizen zur Lage der Christen in ausgewählten Ländern, in denen die Muslime die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Die Auswahl kann jedoch nur kurz die unterschiedlichen Probleme andeuten, unter denen Christen zu leiden haben.

Die Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit. Bericht 2010“ von „Kirche in Not“ kann bestellt werden bei „Kirche in Not“, Lorenzonistraße 62, 81545 München, Telefon 0 89/64 24 88 80, E-Mail: info@kirche-in-not.de, Internet: www.kirche-in-not.de

Ägypten: Gewalt und Ungerechtigkeiten

„In Ägypten werden Christen weiterhin von offizieller Seite diskriminiert. Außerdem wächst der Extremismus in der muslimischen Bevölkerung stetig weiter.“ So beginnt das Länderdossier über Ägypten in „Religionsfreiheit weltweit. Bericht 2010“. Der Bericht dokumentiert für den Zeitraum zwischen 2008 und 2009 zahlreiche Gewalttaten in erster Linie gegen koptische Christen. Diese Gewalt reicht von Überfällen auf Geschäfte, die Christen betreiben, bis hin zu Morden. Weltweite Schlagzeilen schrieb ein Überfall in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 2010, als koptische Christen vor der Kirche nach dem Besuch der Weihnachtsmesse niedergeschossen wurden. Nach Angaben von „Kirche in Not“ wurden dabei sieben Menschen getötet, Dutzende verletzt, darunter auch zwei Muslime. Die Tat wurde als Blutrache für die Vergewaltigung eines zwölfjährigen muslimischen Mädchens dargestellt. Tatsächlich sei in dem betroffenen Dorf ein 21-jähriger Kopte verhaftet worden, ohne dass ihm aber eine Schuld nachgewiesen werden konnte.

Auslöser für die Gewalttaten ist oftmals auch der Vorwurf, dass Christen Gesetze des Islam verletzt hätten. So sind laut dem Bericht von „Kirche in Not“ beispielsweise im September 2009 rund 150 Christen in den Regionen von Assouan, Daquahliya, dem Roten Meer und Port Said verhaftet worden, da sie „in der Öffentlichkeit das Fasten am Ramadan gebrochen hatten“, das heißt vor Sonnenuntergang in der Straße gegessen oder geraucht hatten. Die meisten hätten das Gefängnis wieder verlassen können, nachdem sie eine Kaution von umgerechnet rund 100 US-Dollar gezahlt hätten. In Port Said wurde am 13. September ein christliches Café geplündert, weil es während des Ramadans geöffnet war. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ erwähnt auch einen „Sturmangriff“ auf ein christliches Viertel im Westen Alexandriens am 12. März 2010, in dem 2 000 Kopten leben. 24 von ihnen seien verletzt, 17 Gebäude und zwölf Autos zerstört worden. Einer der überfallenen Christen, Professor Mounir Naguib, habe versichert, dass er unter Druck gesetzt worden sei, sich zum Islam zu bekehren. Der Überfall habe sich nach einem Freitagsgebet ereignet, in dessen Verlauf der Scheich der benachbarten Moschee zum Dschihad gegen die Christen aufgerufen habe.

Zudem sei, so vermerkt der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ weiter, in Ägypten ein erneuter Anstieg an Entführungen von koptischen Mädchen zu beobachten, die gewaltsam mit Muslimen verheiratet werden sollen. Die Diskriminierung von Christen könne in Ägypten jedoch noch andere Formen annehmen, wie „Religionsfreiheit weltweit“ festhält. So habe der Rat der Ärztekammer 2008 beschlossen, dass „die Transplantation von Organen zwischen Personen verschiedener Religionen“ untersagt sei. Erst auf Intervention mehrerer politischer Persönlichkeiten sei diese Verordnung zurückgenommen worden.

Schließlich thematisiert der Bericht von „Kirche in Not“ das Thema der Konvertierung zum Christentum. „Trotz Artikel 46 der Verfassung, der die Glaubensfreiheit und die Freiheit zur Ausübung der Religion anerkennt, bleibt die Konvertierung zum Christentum verboten“, so die Autoren. Die Gerichte wendeten meistens die Scharia an. Somit bleibe ein Muslim, der sich taufen lässt, in den Augen der Staatsämter weiterhin ein Muslim. Seine neue Konfession und seine neuen Vornamen würden in seinen Ausweispapieren nicht geändert. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ berichtet von mehreren Fällen, in denen zum Christentum konvertierte Ägypter versuchten, Gerichte anzurufen, um die Konversion anerkennen zu lassen – erfolglos.

Ägypten hat rund 84 Millionen Einwohner. Davon sind 87,1 Prozent Muslime, 12,2 Prozent Christen und 0,7 Prozent unter Sonstige registriert. Die Zahl der Katholiken wird auf knapp 196 000 veranschlagt.

Pakistan: Blasphemiegesetz führt zu Diskriminierungen

Die Islamische Republik Pakistan versteht sich offiziell als säkularer Staat. Die Verfassung und eine Reihe in jüngster Zeit verabschiedeter Gesetze betonen die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz „ohne Unterschied ihrer Rasse oder ihres Glaubensbekenntnisses“. Mit Ausnahme der Muslim-Liga von Nawaz Sharif „heben alle politischen Parteien die Wichtigkeit religiöser Unvoreingenommenheit hervor“, schreiben die Autoren von „Religionsfreiheit weltweit“. Jedoch verursache vor allem das sogenannte Blasphemie-Gesetz „immer noch zahlreiche Opfer unter Nichtmuslimen, was die Regierung gleichgültig“ hinnehme. Dieses Gesetz wurde 1986 vom pakistanischen Diktator Zia-ul-Haq eingeführt, um den Islam zu verteidigen und den Propheten Mohammed vor Angriffen zu schützen. „Mittlerweile ist es zu einem Instrument der Diskriminierung und Gewalt geworden“, konstatiert der Bericht. Das Gesetz drohe allen mit lebenslanger Haft, die den Koran beleidigen. Mit der Todesstrafe werde bedroht, wer den Propheten Mohammed beleidige. Die Beschuldigungen, die gegen angebliche Gotteslästerer vorgebracht werden, seien jedoch oft falsch oder durch belanglose Interessen motiviert. Sie führten zu Skandalen und veranlassten in Wut geratene Menschenmengen dazu, Selbstjustiz zu üben. Werde eine Person aufgrund einer einzigen Zeugenaussage festgenommen, riskiere sie schon, von der Polizei misshandelt und gefoltert zu werden. Unter dem Druck von Menschenmassen, die von örtlichen Mullahs angeheizt worden seien, verhängten mehrere Richter die Todesstrafe, obwohl keinerlei Beweise gegen die Angeklagten vorlagen, so die Autoren von „Religionsfreiheit weltweit“. Nach Informationen der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Katholischen Kirche (NCJP) wurden zwischen 1986 und 2010 mindestens 993 Menschen wegen Entweihung des Korans oder Beleidigung des Propheten Mohammed angeklagt. Unter ihnen waren 479 Muslime, 120 Christen, 340 Ahmadis, 14 Hindus und zehn Menschen mit einer anderen Religionszugehörigkeit. Diese Anklagen waren häufig ein Vorwand, um jemanden anzugreifen, persönlich Rache zu nehmen oder gar für außergerichtliche Ermordungen. Insgesamt gab es 33 solcher Fälle, die von Einzeltätern oder aufgebrachten Menschenmengen verübt wurden. Laut NCJP wurden unter Berufung auf das Blasphemiegesetz von 2001 bis heute mindestens 50 Christen ermordet.

Die durch das Blasphemie-Gesetz verursachten Probleme hätten sich im Jahr 2001 dramatisch verschlimmert, so die Autoren des Dossiers, als die antiwestliche Stimmung im Land zugenommen habe, die ihren Höhepunkt mit dem amerikanischen Einschreiten im Irak und in Afghanistan erreichte. Die Regierung Pakistans habe zugegeben, dass sie hier versagt habe und der Minister für Menschenrechte berichtete im Parlament, dass es in diesem Zusammenhang in den vergangenen drei Jahren mehr als 11 000 Menschenrechtsverletzungen in Pakistan gegeben habe. Davon seien 8000 vor Gericht anhängig und warteten auf eine Gerichtsverhandlung.

Pakistan hat etwas mehr als 184 Millionen Einwohner. Die Muslime stellen 96,2 Prozent der Bevölkerung, Christen 2,2 Prozent und Sonstige 1,6 Prozent. Im Land leben rund 1,1 Millionen Katholiken.

Malediven: Alles andere als ein Urlaubsparadies

Wie die vorhergehende Version der Verfassung, die seit 1999 in Kraft war, setze auch die 2008 verabschiedete Verfassung den Islam als Staatsreligion fest, und es sei den Bürgern verboten, einen anderen Glauben zu praktizieren, so das Länderdossier von „Religionsfreiheit weltweit. Bericht 2010“. Ausländern sei jegliche öffentliche Bekundung anderer Religionen untersagt, und Übertritte zu anderen Religionen als dem Islam seien streng verboten. Die gesamte Gesetzgebung des Landes, selbst das Zivilrecht, sei dem Gesetz des Koran untergeordnet. Islamkunde sei an allen Schulen obligatorisch. Schätzungen zufolge seien mehr als 0,1 Prozent der Bevölkerung Christen; sie müssen jedoch ihren Glauben heimlich praktizieren, um nicht verhaftet und zwangsweise „rekonvertiert“ zu werden oder ihre Staatsbürgerschaft zu verlieren. Die zahlreichen ausländischen Touristen dürften ihren Glauben nur privat praktizieren, unter der Bedingung, dass sie mit der örtlichen Bevölkerung nicht über ihre Glaubensüberzeugungen sprechen. Es sei illegal, Bibeln oder andere nichtmuslimische religiöse Materialien ins Land zu bringen.

Die Insel hat rund 315 000 Einwohner. Davon sind 98,4 Prozent Muslime 98,4, 1,1 Prozent als Sonstige erwähnt und 0,5 Prozent Christen. Offiziell leben auf den Malediven keine Katholiken.

Iran: Der Vorwurf der Apostasie ist gefährlich

„Staatsreligion im Iran ist nach wie vor der schiitische Islam in seiner radikalsten Form, und die Religionsbehörden gewährleisten, dass er respektiert wird. Dies hat Diskriminierung anderer Religionen – sogar des sunnitischen Islam – und gegen sie gerichtete Gewalt zur Folge. Die Erlaubnis zu erhalten, eine sunnitische Moschee zu errichten, scheint bisweilen genauso schwierig zu sein wie eine Kirche zu bauen.“ So leitet der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ das Dossier über den Iran ein. Von den religiösen Minderheiten seien nur drei vom islamischen Staat anerkannt: Christen, Juden und Zoroastrier. Anerkannte Minderheiten lebten als „Geschützte“ und ihre Anhänger als „Dhimmi“, Bürger zweiter Klasse. Sie könnten ihren Glauben nicht verbreiten oder sich außerhalb ihrer Gemeinschaft oder ihrer Kultstätten dazu bekennen; häufig würden sie dazu verpflichtet, zum Ausdruck zu bringen, dass sie die Politik der „islamischen“ Regierung unterstützten. Nach diesem Bericht stellt vor allem das Verbot der Apostasie, also des Abfalls vom Islam wegen einer anderen Religion oder wegen Atheismus, für Minderheiten eine Gefahr dar. Selbst wenn die Passage des 2008 novellierten iranischen Strafgesetzbuchs, demzufolge auf das „Verbrechen der Apostasie“ die Todesstrafe steht, nach mehreren Berichten 2009 wieder gestrichen worden sei, so „Religionsfreiheit weltweit“, bestehe weiter die Tatsache, dass Apostasie im Familienkreis verurteilt werde, sodass konvertierte Familienmitglieder häufig getötet würden. Der Bericht betont auch, dass im Ausland verbreitete Nachrichten von Massenkonversionen regelmäßig Verhaftungswellen in iranischen christlichen Gemeinden nach sich ziehen würden. So habe ein amerikanischer Pastor behauptet, dass sich 2008 rund 800 000 Iraner zum Christentum bekehrt hätten – die iranische Regierung fasse dann solche Zahlen als Bedrohung auf und reagiere entsprechend. „Religionsfreiheit weltweit“ berichtet von mehreren Festnahmen von Iranern, die Christen sind und denen Apostasie oder/und die „Zusammenarbeit mit ausländischen Mächten“ vorgeworfen wird. Außerdem wird berichtet, dass protestantische Gemeinden schließen mussten oder freiwillig schlossen, weil dort in der Landessprache Farsi gepredigt wurde und zum Christentum konvertierte Muslime teilgenommen hätten. Festgenommen wurde auch ein Iraner, dessen Sohn in England zum Christentum konvertiert war und dort eine christliche Menschenrechtsorganisation gründete und den Blog „Jesus für Araber“ betreibt. „Religionsfreiheit weltweit“ dokumentiert zudem mehrere Razzien 2009 und 2010 gegen christliche Gemeinden. DT/sei

Von den rund 75 Millionen Einwohnern Irans sind 98,6 Prozent Muslime, 0,5 Prozent Christen, darunter 19 000 Katholiken, und 0.9 Prozent Sonstige.