Bestes aus Europas Klöstern

Er zieht Ordensgemeinschaften von weit her an: der Klostermarkt in Dalheim

Wein, Lebkuchen und Wildwürste aus dem Benediktinerstift Admont in Österreich, Senf und andere Erzeugnisse aus dem tschechischen Trappistenkloster Nóvy Dvur. Blumen und Kräuter kommen aus der Klostergärtnerei Gars am Inn, Brot und verschiedene Backwaren aus der bayerischen Abtei Plankstetten: Der Klostermarkt auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerchorherrenklosters Dalheim, südlich von Paderborn, bietet eine bunte Palette von Waren. Einmal im Jahr, am letzten Augustwochenende, ist Dalheim Anziehungspunkt für Ordensgemeinschaften aus ganz Deutschland, aber auch aus dem europäischen Ausland. Der Dalheimer Klostermarkt: eine Gelegenheit für Mönche und Schwestern, ihre Produkte vorzustellen und mit Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Dalheim ist seit der Säkularisation von 1803 zwar kein aktiver Konvent mehr, hat im Laufe der letzten Jahre aber umfangreiche Kontakte geknüpft zu bestehenden Klöstern. Diese reichen bis Frankreich, Italien, England und Skandinavien. Natürlich sind auch Gemeinschaften aus der näheren Umgebung, etwa die Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede im Sauerland und das koptisch-orthodoxe Kloster in Brenkhausen bei Höxter auf dem Klostermarkt vertreten. Dalheim wurde im 12. Jahrhundert gegründet – zunächst als Frauenkloster, das heißt, als Augustinerinnenkonvent. Nach einer Zeit des Niedergangs in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Kloster von den Schwestern aufgegeben. Im 15. Jahrhundert erhielt Dalheim neues Leben durch Augustinerchorherren und erfuhr seine größte Blüte in der Zeit des Barock. Mit der Säkularisation 1803 kam die endgültige Auflösung als Konvent. Dalheim wurde preußische Staatdomäne, war später landwirtschaftliches Gut in privater Hand.

1979 kaufte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Anlage. Seither wurden umfangreiche Mittel zur Sicherung des Gebäudebestandes und zur teilweisen Umgestaltung des weitläufigen Areals aufgewandt. Dalheim stellt eine Besonderheit dar, weil hier eine Klosteranlage nahezu vollständig erhalten ist: Klausurtrakt, Kirche mit Kreuzgang, einschließlich der zahlreichen Wirtschaftsgebäude. Exemplarisch bekommt der Besucher einen Eindruck vom Gesamtorganismus eines Klosters, auch von seiner wirtschaftlichen Dimension. Im vergangenen Jahr eröffnete in Dalheim das „Museum für Klosterkultur“. Von Mai bis Dezember 2007 lockte es bereits Tausende von Besuchern an. „Unser Haus ist in seiner Konzeption in dieser Form einzigartig“, verdeutlicht Professor Klaus Gereon Beuckers, Direktor des Museums. Das Dalheimer Museum wolle nicht nur die Geschichte dieses einen Klosters zeigen; vielmehr solle Ordensleben in seiner Gesamtheit veranschaulicht werden. „Wir möchten deutlich machen, wie sehr die monastische Denk- und Lebensweise unsere ganze europäische Kultur geprägt hat – und zwar nicht nur die Geistesgeschichte, sondern auch praktische Lebensbereiche betreffend: Medizin, Ernährungswissenschaften, ökologischer Landbau, Themen, die heute eine große Rolle spielen.“

Neben dem Museum hat Dalheim eine eigene Gastronomie, das „Klosterbräu“. Dort gibt es Speisen nach überlieferten klösterlichen und regionalen Rezepten. Das Gasthaus – einschließlich Gartenterrasse – bietet immerhin 200 Plätze. Auch die Tradition des Bierbrauens ist in Dalheim wiederbelebt worden. Denn zur Gastronomie gehört eine Brauerei: Dort wird heute wieder Klosterbier hergestellt, in Kooperation allerdings mit einer örtlichen Brauerei. Das moderne Brauhaus steht auf den Grundmauern der früheren Klosterbrauerei. Einige alte Sudkessel sind noch als Ausstellungsgegenstände zu besichtigen. Neben einem naturtrüben Pils, dem „Standardbier“, gibt es – je nach Jahreszeit – verschiedene Biersorten, etwa ein spezielles Fastenbier. Beim „Schaubrauen“ können Besucher die Entstehung eines Bieres in großen Glaskesseln verfolgen. Neben dem Braumeister steht dann ein Historiker des Museums, gibt Einblicke in die klösterliche Biertradition und ihre Bedeutung für den Alltag der Mönche.

Im Dalheimer Klosterladen werden ausschließlich Erzeugnisse aus klösterlicher Produktion verkauft. Geliefert wird aus ganz Europa. Daneben werden einige Dalheimer „Eigenprodukte“ verkauft, vor allem Apfelmost. Bis heute gibt es ein Stück Land, das noch bewirtschaftet wird. Der Klosterladen ist mittlerweile ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Der Klostermarkt einmal jährlich bedeutet ein Großereignis. Im vergangenen Jahr waren auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerchorherrenklosters 36 Ordensgemeinschaften vertreten: vor allem Benediktiner, ferner Franziskanerinnen, Vinzentinerinnen, Maristen und Prämonstratenser, Zisterzienser und andere. Rund 180 Ordensleute waren beim Dalheimer Klostermarkt, der etwa 20 000 Besucher anlockte. Beim Dahlheimer Klostermarkt geht es ausdrücklich nicht nur um Vermarktung, sondern um direkte Gespräche, um Begegnungen von Ordensleuten mit Menschen verschiedenster Herkunft, mit unterschiedlichen Biografien. So soll es gelingen, Ordensleben kennenzulernen und zu erkennen, dass Kloster nicht nur eine historische Größe ist, sondern noch immer sehr „aktuell“ und anziehend.