Im Blickpunkt: 2016: Jahr der Entscheidungen

Von Guido Horst

Papst Franziskus. Foto: dpa

Das Jahr 2016 wird für das Pontifikat von Papst Franziskus entscheidend sein. Viele Dinge sind angestoßen, aber noch nicht abgeschlossen oder geklärt. Manches zeichnet sich ab, anderes lässt noch keine klaren Konturen erkennen – Stichwort „Synodalität“. Was wird am Ende bei dem Wunsch des Papstes herauskommen, dass die Kirche in ihren Leitungsstrukturen synodaler werden soll? Immerhin ist es diese Synodalität, die derzeit die Ostkirchen erleben lässt, dass das lang geplante Panorthodoxe Konzil scheitert, bevor es überhaupt angefangen hat. Die Reform der römischen Kurie dümpelt vor sich hin, ohne dass man Kirchenexperten erkennen könnte, die für dieses Reformwerk einen wirklichen Plan haben. 2016 findet der Prozess zu „Vatileaks 2“ seine Fortsetzung – bloß eine Schmierenkomödie oder doch ein Symptom für Verstrickungen der Kurie mit obskuren Kräften? Nach dem synodalen und kräftezehrenden Prozess zu Ehe und Familie muss der Papst noch sein abschließendes Wort sprechen. Das hat er selber angekündigt. Zudem hat ein Heiliges Jahr begonnen. Eine Sprachverwirrung ist bezeichnend: Die Medien, aber auch Papst und Vatikan, sprechen vom „giubileo“ – dem „Jubiläum“. Es gibt aber kein Jubiläum zu feiern. Anders als bei früheren Heiligen Jahren geht es nicht um ein historisches Datum – die Menschwerdung Gottes vor soundsoviel Jahren –, sondern um die Barmherzigkeit.

Am 16. Januar stellt der italienische Vatikanist Andrea Tornielli sein großes Interview-Buch mit Franziskus vor. Ob der Papst darin erklärt, dass er unter Barmherzigkeit anderes oder mehr versteht als das, was die Kirche immer gelehrt und praktiziert hat? Der verhaltene Start des jetzigen Heiligen Jahres lässt noch nicht erkennen, welche Impulse es bringen könnte. Franziskus ist bei den Menschen sehr beliebt. Mit Gesten und Worten bezeugt er eine Haltung, die bei vielen ankommt – auch bei Politikern und Leuten des öffentlichen Lebens. Viele Katholiken aber wollen Petrus sehen, den Inhaber des Petrusamtes, der die Kirche im Glauben stärkt und die Einheit wahrt. Mit dem synodalen Prozess hat Franziskus Kardinalskollegium und Weltepiskopat zunächst einmal gespalten. Mit einer gewissen persönlichen Abneigung gegen alles Theologische – und die Theologen – hat er das Bild einer „pastoralen Kirche“ (Feldlazarett) geschaffen, die einer „Kirche der gesunden Lehre“ gegenübersteht. Viel Unsicherheit hat im Volk Gottes um sich gegriffen. Steht Franziskus gegen den Glaubenspräfekten Müller? Oder gar gegen den ganzen Vatikan? Es ist nur zu wünschen, dass das Jahr 2016 in Rom wieder mehr Klarheiten bringt.