Rheinische Kirche will Muslime nicht mehr bekehren

Die Landessynode verabschiedete mit großer Mehrheit eine Erklärung mit dem Titel "Für die Begegnung mit Muslimen. Theologische Positionsbestimmung". Darin heißt es, dass die Kirche den Glauben von Muslimen als Bindung an den einen Gott wahrnimmt.

Muslima vor dem Brandenburger Tor
Eine muslimische Frau mit Kopftuch vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: Wolfgang Kumm (dpa)

Die Evangelische Kirche im Rheinland will Muslime nicht mehr zum christlichen Glauben bekehren. Das hat die Landessynode beschlossen, die vom 7. bis 12. Januar in Bad Neuenahr tagte. Sie verabschiedete mit großer Mehrheit eine Erklärung mit dem Titel „Für die Begegnung mit Muslimen. Theologische Positionsbestimmung“. Wie die evangelische Nachrichtenagentur "idea" berichtet, heißt es in dem Papier unter anderem, die Kirche nehme „den Glauben muslimischer Menschen als Bindung an den einen Gott wahr“. Sie verfolge nicht das Ziel, Muslime zur Konversion zu bewegen. Gegen die Erklärung stimmten sieben der 210 Synodalen. Sieben weitere enthielten sich der Stimme.

 

In der vorangegangenen Diskussion übten Synodale Kritik an dem Papier. So erklärte der Superintendent des Kirchenkreises Wetzlar, Jörg Süß, die „Positionsbestimmung“ widerspreche dem Bekenntnis der evangelischen Kirche zum dreieinigen Gott. Er offenbare sich „abschließend und ausschließlich“ in seinem Sohn Jesus Christus. Nach christlichem Verständnis gebe es keinen anderen Weg zum Heil als ihn. Wenn die Synode erkläre, dass Gott sich auch im Islam offenbaren könne, widerspreche sie den reformatorischen Grundsätzen „Solus Christus“ und „Sola scriptura“. Der Superintendent des Kirchenkreises An der Agger, Jürgen Knabe (Gummersbach), forderte, Christen sollten auf das Wirken des Heiligen Geistes vertrauen. Damit sei die Hoffnung verbunden, dass auch Muslime die Wahrheit des christlichen Glaubens erkennen könnten. Deshalb sei es „ehrlicher“, sich zu dem Ziel zu bekennen, dass sie die Religion wechselten. Der Synodale Wolfgang Harnisch (Bonn) kritisierte, das Positionspapier gehe von einem veralteten Missionsverständnis aus. In der kirchlichen Wirklichkeit seien Mission und Dialog seit Jahrzehnten keine Gegensätze mehr.

Die Superintendentin des Kirchenkreises Solingen, Ilka Werner, verteidigte die „Positionsbestimmung“. Wenn sie die Bindung von Muslimen „an den einen Gott“ anerkenne, respektiere sie damit deren Selbstverständnis. Die theologischen Unterschiede zwischen Christentum und Islam würden nicht geleugnet. So enthalte das Papier ein ausdrückliches Bekenntnis zu Jesus Christus als dem „gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes“. Muslime sehen in Jesus nicht den Sohn Gottes, sondern einen Propheten. Nach islamischer Überlieferung wurde er nicht gekreuzigt.

 

DT/idea