Öffentliches jüdisches Leben zunehmend bedroht

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden beklagt, dass jüdisches Leben in der Öffentlichkeit nur unter Polizeischutz und schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden könne.

Feierliches Entzünden der Chanukka-Lichter
Die Chanukka-Lichter leuchten vor dem Neuen Schloss in Stuttgart (Baden-Württemberg). Weltweit feiern Juden das achttägige Lichterfest Chanukka als Zeichen des Friedens und der Gemeinschaft. Foto: Sina Schuldt (dpa)

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, sieht das öffentliche jüdische Leben in Deutschland zunehmend bedroht. „Jüdisches Leben kann in der Öffentlichkeit nur unter Polizeischutz und schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden“, sagte sie nach der Beschädigung eines Chanukka-Leuchters in Heilbronn der „Heilbronner Stimme“ am heutigen Freitag. In Berlin und München hätten die großen Chanukka-Leuchter rund um die Uhr unter Bewachung gestanden. Knobloch ist heute Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. In Heilbronn hatte die Jüdische Gemeinde den drei Meter hohen Leuchter anlässlich des Chanukka-Festes im Dezember aufgestellt. Unbekannte hatten mehrere Lampen und die dazugehörigen Gaskartuschen von dem neunarmigen Leuchter heruntergeschlagen. Knobloch forderte von der Bundesregierung, einen Antisemitismusbeauftragten einzusetzen. „Antisemitismus erstarkt von rechts und links, in der muslimischen Community und auch in der Mitte der Gesellschaft.“ Eine wirksame Bekämpfung der vielen offenen und verdeckten Formen von Antisemitismus sei überfällig.

DT/dpa