Leitartikel: Gleichmacherei diskriminiert

Von Martin Lohmann

Vorsicht! Hier kommt Meinung, frei geäußerte Meinung noch dazu. Also etwas, was das Grundgesetzt garantiert. Noch. In den folgenden Zeilen finden sich sogar Überzeugungen und Argumente. Doch so etwas ist heute gefährlich, macht verdächtig, wenn man nicht dem diktierten Mainstream folgt. Heiko Maas, der Hatespeech-Entdecker, kann Meinungsvielfalt gar nicht gut ab. Jedenfalls, wenn es um Themen geht, die ihm erkennbar wichtig sind. Die sogenannte Homo-Ehe zum Beispiel. Da duldet der Justizminister keinen Widerspruch. Eher packt man dann die Keule der Homophobie aus und schlägt wahllos um sich. Ja, der Relativismus kennt nur so lange Vielfalt, bis man seiner Sichtweise zu widerstehen versteht. So ist das mit Diktaturen. Die des Relativismus ist da besonders herz- und gnadenlos. Vielfalt? Bloß nicht, wenn ich widerlegt werden könnte. Da wird rasch verboten und unter Strafe gestellt, was stört: Meinungen, Überzeugungen, Argumente, Toleranz, Respekt.

Wehe dem, der weiß, was Ehe ist! Wehe dem, der von Ergänzung durch Mann und Frau ausgeht! Wehe dem, der belegt, dass Kinder Vater und Mutter brauchen! Wer Äußerungen prominenter Wahlkämpfer verfolgt, kann es kaum überhören: Die Homo-„Ehe“ wird zu einem wichtigen Vorhaben nach der Bundestagswahl. Heiko Maas betont, hier werde die SPD nicht zurückweichen. Die Grünen legen „mutig“ Bekenntnisse ab, die FDP will sie, selbst in der Union wackelt man mainstreamkonformistisch mit. Merkels Generalsekretär schwamm sichtbar, als er in einer Talkrunde nach der Homo-„Ehe“ gefragt wurde – und sagte unter Verweis darauf, dass er eine private Meinung habe, „mutig“: In dieser Legislaturperiode nicht mehr. Nur ja nicht abweichen. Nur ja nicht auffallen.

Bekenntnisse zur Familie, also zur normalen Familie mit Kindern, was nach wie vor die Mehrheit ist, in Deutschland mit ähnlichem Mut sucht man vergebens. Feigheit? Angst? Unkenntnis? Modern-Sein-Sucht? Geht es um das, was Ehe ist? Oder geht es um dieselben rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten? Selbst im Standesamt geht es um bleibende Treue, ein unbedingtes Ja zur Verantwortung – und mehr als nur um Sexualität. Zum Wissen über die Ehe und deren über das Private hinausgehende Bedeutung gehört nun mal der Hinweis, dass sie etwas mit der Weitergabe des Lebens zu tun hat, haben kann. Und da hat sich die Natur die Begegnung von Mann und Frau ausgedacht. Jeder Mensch ist entstanden aus einer weiblichen Eizelle und einer männlichen Samenzelle. Ist man ein Hassprediger, wenn man auf Verschiedenheiten hinweist? Warum werden in einer Demokratie Argumente bewusst missbraucht als Ausdruck von Phobie? Niemand muss vor Homosexuellen Angst haben, so wie ja auch diese keine Angst vor Heterosexuellen haben müssen. Ein Homo ist ebenso wenig heterophob wie ein Hetero homophob. Wenn aber von Politikern das Bekenntnis zur Homo-„Ehe“ zum absolutistischen Muss erhoben wird, stellt sich die Frage nach deren Phobie – und nach der Freiheit des Geistes, die eine Gesellschaft immer braucht, weil niemand diskriminiert werden darf. Auch Gleichmacherei kann diskriminieren. Eine Familie ist eine Familie, und eine Ehe eine Ehe. Daneben gibt es andere Formen des Zusammenlebens, die aber nicht dasselbe sind. Logisch.