Kommentar: Diskrete Korrektur

Eine Klarstellung enthält die in dieser Woche veröffentlichte Botschaft des Heiligen Vaters zum Weltgebetstag für geistliche Berufe. Von Regina Einig

Regina Einig. Foto: DT

Eine im Jahr der Jugendsynode notwendige Klarstellung enthält die in dieser Woche veröffentlichte Botschaft des Heiligen Vaters zum Weltgebetstag für geistliche Berufe (Seite 7). In klassischer Manier wird hier die Standeswahl des Christen beschrieben. Die Frage, wie Nachfolge konkret aussieht, beantwortet Papst Franziskus, indem er eine Lanze für die Tradition bricht: als Laie in der Ehe oder in einem in besonderer Weise Christus geweihten Leben. Das ist eine Absage an geistliche Gleichmachungstendenzen und zugleich ein Fingerzeig darauf, dass gottgeweihtes Leben aus der Breite des Gottesvolkes herausragt. In Zeiten unscharfer Begriffe und fehlender Grenzziehungen in vielen Pfarreien gibt Franziskus jungen Menschen eine Orientierungshilfe. Die jeweils eigene Sendung von Priestern und Laien anzuerkennen hat auch Konsequenzen für das Kirchenverständnis.

Nur wenige Vokabeln sind im Gemeindealltag mit mehr Missverständnissen belastet wie das Wort Berufung. Zu den Eigentümlichkeiten des modernen Pastoraljargons gehört die Vorstellung, in der Formulierung vom allgemeinen Priestertum aller Getauften lösten sich Standesunterschiede wie von selbst auf. Den Priester als einen Getauften wie alle anderen im Boot zu sehen mag ideologisch und kirchenpolitisch als erstrebenswert gelten, aber weder Geistlichen noch Laien widerfährt so Gerechtigkeit. Im Interesse der Priesterausbildung ist die Unterscheidung der Geister unumgänglich, im Interesse aller Laien, die sich nicht qua Schreibtischreform klerikalisieren lassen wollen, allerdings auch.

Man kann die Botschaft aus Rom als eine diskrete Korrektur zu den Signalen aus manchen Diözesanstellen für Berufungspastoral lesen. Wer die Sendung des Priesters unterschiedslos mit Tätigkeiten hauptamtlicher Laien als Pastoralassistent oder Gemeindereferent mit der Perspektive bewirbt, Geistliche und Laien später in Seelsorgeteams faktisch auf eine Stufe zu stellen, wird in dem Papstwort vergeblich nach einer Passage über hauptamtliche Laien in der Kirche suchen. Auch das ist eine Ansage.