Kolumne: Globale Probleme lösen

Von Professor Brigitta Herrmann

Professor Brigitta Herrmann. Foto: Archiv

Viele Menschen fragen sich, warum die Armut, besonders in Afrika, nicht endet, sondern im Gegenteil immer gravierender zu werden scheint? Vielfach nehmen Konflikte und Probleme in Ländern des Südens zu und die Menschen sehen in ihren Heimatländern keine Überlebensmöglichkeiten oder zumindest keine Perspektive für ein erträgliches Leben. Viele machen sich dann auf den Weg nach Europa. Sie riskieren dabei, in die Hände von Schleppern zu fallen, im Mittelmeer zu ertrinken und ihre Familienmitglieder und Freunde möglicherweise nie wiederzusehen.

Zu den Gründen für die Aussichtslosigkeit in ihren Heimatländern gehören interne Probleme wie Kriege, Konflikte und oftmals auch Regierungen, die sich kaum um die Interessen der armen Bevölkerungsmehrheit kümmern. Gesellschaftliche Gruppen und Organisationen haben oft keine Möglichkeit, an demokratischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Die wirtschaftliche Lage erscheint aussichtslos und auch die ökologischen Bedingungen verschlechtern sich. Zusätzlich sind die internationalen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen nicht immer geeignet, um die Länder zu unterstützen, sondern einige Regelungen tragen im Gegenteil zur Aussichtslosigkeit bei. Waffenexporte in Krisengebiete und internationale Handelsregeln, die zu einer Benachteiligung von Entwicklungsländern führen, lassen sich beispielsweise nennen. Die Entwicklungsländer, aber auch Deutschland und Europa stehen vor sehr großen Herausforderungen.

Eine besonders geeignete Möglichkeit, die Probleme gründlich zu bearbeiten und eine dauerhafte Lösung anzustreben, ist der von Professor Matthias Vogt unterbreitete Vorschlag, eine Eine-Welt-Universität in Deutschland einzurichten. Die Grundidee der Eine-WeltUniversität besteht darin, dass jeweils zur Hälfte Studierende aus dem Globalen Süden und Studierende aus Deutschland und Europa in einem gemeinsamen Studium die bestehenden Probleme analysieren und Lösungen erforschen. Durch das Studium in einem christlich und humanistisch geprägten Umfeld können zukünftige Entscheidungsträger gemeinsam in die Normen und Werte unserer und der globalen Verantwortungsgemeinschaft hineinwachsen. Sie lernen jeweils ihre eigene Kultur und die dadurch geprägte Weltsicht sowie auch die Kultur der anderen Mitstudierenden besser kennen und können so gemeinsam tragfähige Lösungen für die globalen Probleme erarbeiten.

Die Kirchen haben umfangreiche Erfahrungen in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern. Kirchliche Kooperationsprojekte sind auf die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten ausgerichtet. Die Kirchen stellen die Armen und Unterdrückten in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten und haben Partner vor Ort, die unabhängig von möglicherweise korrupten Regierungen sind. Daher ist es besonders geeignet, wenn kirchliche Hilfswerke, wie beispielsweise, Misereor, Missio, Adveniat und Kolping International eine wichtige Rolle beim Aufbau einer solchen Eine-Welt-Universität spielen.

Die Autorin ist Professorin für Globalisierung, Entwicklungspolitik und Ethik und Mitglied des Sachsbereichs Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung des ZdK