Im Blickpunkt: Wird Bertone aussagen?

Am Dienstag beginnt vor dem Gericht des Vatikans wieder einmal ein Prozess. Diesmal gegen zwei ehemalige Manager der Stiftung des vatikanischen Kinderkrankenhauses Bambino Gesu, die über 420 000 Euro zweckentfremdet haben sollen. Das Geld ging nicht an die Klinik, sondern diente dazu, die Wohnung des ehemaligen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone zu renovieren. Die Sache ist schleierhaft. Hoffentlich gelingt es den vatikanischen Ermittlern und Richtern, Licht ins Dunkle zu bringen. Denn die Renovierung des dreihundert Quadratmeter großen Appartements im „Palazzo San Carlo“ innerhalb des Vatikans – es geht um den Zeitraum vom November 2013 bis Mai 2014 – hat die Medien immer wieder beschäftigt und war Anlass, eine regelrechte Hetzjagd auf Kurienkardinäle mit ihren großen Wohnungen zu veranstalten und genau aufzulisten, wieviel hundert Quadratmeter jeder Einzelne von ihnen für sich und gegebenenfalls die ihm den Haushalt führenden Ordensschwestern braucht.

Die beiden längst schon gefeuerten Manager geben an, man habe den Umbau der Kardinalswohnung finanziert, um dort in gehobenem Ambiente Fundraising-Gespräche mit potenziellen Geldgebern aus dem In- und Ausland führen zu können. Haben solche Gespräche in der Wohnung Bertones bisher wirklich stattgefunden? Und wieso wurden die Bauarbeiten doppelt bezahlt? Die Stiftung Bambino Gesu hat die besagten 420 000 Euro berappt – und Bertone hat seinerseits für die Renovierung 300 000 Euro an die Verwaltung des Vatikanstaat, das Governatorato, überwiesen und nochmals 150 000 Euro an die Stiftung der vatikanischen Kinderklinik, angeblich zur Wiedergutmachung des „moralischen Schadens“. Dass der arme Salesianer Bertone als Kardinal ein einnehmendes Wesen hatte, ist bekannt. Doch wenn der Papst und Kurienkardinäle von Wohltätern dicke Umschläge mit Geldscheinen oder Schecks erhalten, dann heißt es: „Per la Sua carita“ – „Für Ihre mildtätigen Zwecke“. Doch was hat eine Protzwohnung mit „carita“ zu tun? Jetzt also der Prozess. Und man fragt sich, ob die Richter für Aufklärung sorgen. Das Ganze hat schon einen tragischen Nebeneffekt: Kardinal Robert Sarah ist ein Papiertiger im eigenen Haus, seine „Reform der Reform“ wurde vom Vatikan selber wieder kassiert. Kardinal George Pell steht in Australien vor Gericht. Kardinal Gerhard Müller wurde entlassen und Kardinal Bertone demoliert sich selbst. Die alte Garde derer, die treu zu Benedikt XVI. standen und stehen, tritt nach und nach ab.