Im Blickpunkt: Prag ist eine Papstreise wert

Von Regina Einig

Eine wirkliche Nachricht ist es noch nicht, erst ein zaghafter Vorbote. Doch schon die durchgesickerten Informationen sind eine kleine Sensation: In Tschechien denken die Bischöfe an eine Bewerbung für den Weltjugendtag 2022. Der Plan liegt durchaus in der Logik der Reisepolitik von Papst Franziskus. Kleinen Ländern und Diasporakirchen widmet der Pontifex besondere Aufmerksamkeit.

In diesem Sinne dürfte auch der nächste Weltjugendtag in Panama im Jahr 2019 eine – gemessen an Papstreisen nach Amerika – fast beschauliche Veranstaltung mit geringer europäischer Beteiligung werden. Was läge näher, als den folgenden Weltjugendtag wieder in Europa zu feiern? Nicht nur Prag, sondern Tschechien wäre in jedem Fall eine Papstreise wert.

Anders als im Gastgeberland des Vorjahres – Polen – ist dort sehr ursprünglich erfahrbar, was Neuevangelisierung auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs konkret bedeutet: Lange Wartelisten zur Vorbereitung auf die Taufe und Regionen, die, gemessen an der Zahl der Ungetauften, als Atheistenhochburgen Europas gelten. Dass sich die Kirche in Böhmen und Mähren von der Vertreibung der Katholiken nach dem Zweiten Weltkrieg und der Christenverfolgung durch die Kommunisten bis heute nicht erholt hat, ist eine besonders tragische Seite der tschechischen Geschichte. Im wechselvollen politischen Spiel nach der politischen Wende wurde auch selten nach Opfern und Märtyrern gefragt.

Eine ähnliche Tragödie wiederholt sich unter anderen Vorzeichen im Nahen Osten, wo noch niemand die Folgen des Exodus' der Christen absehen kann. Jahrhundertelang gewachsene Kulturlandschaften lassen sich rasch zerstören, aber nicht ohne weiteres wieder aufbauen. Die Kirche in Tschechien hat seit dem Fall des Eisernen Vorhangs Unterstützung aus dem Ausland erhalten und sich mit den Nachbarbistümern vernetzt, doch die Verdunstung des Glaubens nördlich der Alpen schränkt die Europäer in ihren missionarischen Möglichkeiten ein.

Für die deutschen Jugendlichen hätte ein Weltjugendtag in Tschechien durch die nahe Grenze einen besonderen Charme. Die Oberpfalz dürfte als Gastgeber in Frage kommen und deutsch-tschechische Bistumspartnerschaften wären ein bewährtes Forum. Kultur und Geschichte, interessante Gesichter der Neuevangelisierung und europäische Vielfalt: Vieles spricht dafür, dass ein Weltjugendtag in Tschechien in besonderes Highlight werden kann.