Im Blickpunkt: Ein echter Fortschritt

Von Regina Einig

Jugendbischof Stefan Oster SDB hat mit seiner kritischen Wortmeldung zum BDKJ ein neues Kapitel in der katholischen Jugendarbeit in Deutschland aufgeschlagen. Den Verband daran zu erinnern, die Glaubens- und Gottesfrage in den Mittelpunkt zu rücken und sich nicht mit einer „Lightversion des Evangeliums“ zufriedenzugeben, war überfällig. Doch nicht minder wichtig ist der binnenkirchliche Perspektivwechsel auf den Verband selbst. Dieser schien bisher über allem zu schweben, jeder sachlichen Bewertung oder Nachfrage entzogen und mit nahezu unanfechtbarer Selbstgerechtigkeit ausgestattet. Endlich wagt ein Bischof das noch vor zwanzig Jahren Undenkbare und erinnert den BDKJ an ein Kriterium, das in der deutschen Verbandsarbeit nicht gern gehört wird: Vergleichbarkeit. Was taugt die Arbeit des BDKJ im Vergleich zu anderen Initiativen für Jugendliche, was trägt der Verband inmitten einer säkularisierten Öffentlichkeit zur Neuevangelisierung bei und inwieweit hält er dem Glaubwürdigkeitstest mit Bewegungen stand, die tatsächlich „an der Basis“ gewachsen sind – ohne jede Förderung aus der Laienhierarchie der Kirche? Keine Frage, geistliche Bewegungen oder „Nightfever“ haben einen anderen Zuschnitt als ein katholischer Verband, aber in der Zielsetzung gibt es erhebliche Schnittmengen: Es geht darum, Jugendliche für den Glauben zu gewinnen und zu ermutigen, als Christen Zeugnis in der Gesellschaft abzulegen.

Dass es keinen Aufschrei gegen den verhältnismäßig relativ kurz amtierenden Jugendbischof gab, mag taktischen Überlegungen geschuldet sein. Gerade im Vorfeld der Bischofssynode über Jugendfragen empfiehlt es sich nicht, das Tischtuch mit einem Hirten, dem man noch öfter begegnen wird, im Affekt zu zerschneiden. Und dennoch spricht auch die laue Reaktion auf Bischof Osters Kritik für sich. Der BDKJ beansprucht für sich, die Interessen von immerhin 660 000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus 17 katholischen Jugendverbänden zu vertreten. Nur der Diözesanverband Münster hat dem Jugendbischof bisher öffentlich widersprochen. Ansonsten herrscht beredtes Schweigen in einer Institution, die unermüdlich den offenen Dialog über längst ausgelutschte Themen einfordert. Vielleicht leuchtet manchen Jugendlichen ein, dass an den Äußerungen Bischof Osters etwas dran ist. Auch im deutschsprachigen Raum ist der BDKJ für junge Christen keineswegs alternativlos. Die Stille statt des Sturms ist jedenfalls ein echter Fortschritt.