Halbzeit beim UN-Klimagipfel

Der Weltklimagipfel geht in seine zweite Woche. Papst Franziskus hat die Teilnehmer zu konkreten Maßnahmen aufgefordert.

Weltklimakonferenz
Eine Weltkugel hängt auf der UN-Weltklimakonferenz im deutschen Pavillon. Die Weltklimakonferenz COP23 findet vom 6. bis... Foto: dpa

Bonn (DT/KNA) Zur Halbzeit der Internationalen Weltklimakonferenz ziehen kirchliche Hilfswerke eine weitgehend positive Bilanz. Misereor teilte mit, man hoffe auf einen guten Ausgang. Papst Franziskus hat sich am Wochenende während einer Begegnung mit Staats- und Regierungschefs pazifischer Inselstaaten direkt mit einer Botschaft an die Teilnehmer der Konferenz gewandt: Er forderte Maßnahmen gegen die Klimawandel, steigende Meeresspiegel und Schädigungen der Ozeane.

Diskutiert wurde bei der Konferenz in den letzten Tagen, welche Vorgaben die Industrieländer einhalten müssen, wenn sie die sogenannten Klimaziele von Paris bis 2020 erreichen wollen. Die rund 25 000 Delegierten aus der ganzen Welt wollen sich auf eine Art „Regelbuch“ verständigen, nach dem das 2015 in Paris beschlossene Klima-Abkommen umgesetzt werden kann Diese Beschlüsse zielen darauf ab, den durch den Ausstoß von CO2 verursachten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zu senken, auf unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau.

Dass hier von diesen Ländern noch Anstrengungen gefordert seien, unterstrich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Videobotschaft. „Das Ziel, den Anstieg der Temperatur auf unter zwei Grad – am besten wäre in Richtung 1,5 – zu beschränken, dieses Ziel wird mit dem jetzigen Zustand nicht erreicht.“ Seit sie in den 90er Jahren selbst Bundesumweltministerin gewesen war, habe sich die Lage verschärft. Das liege auch daran, dass der Klimawandel nicht isoliert betrachtet werden dürfe, sondern mit anderen Politikfeldern in Zusammenhang stehe: „Die Dringlichkeit – ich glaube, wir merken das alle an den Naturkatastrophen – ist groß. Und gerade auch wenn wir über Migration und anderes sprechen, wissen wir, dass das indirekt oft auch mit dem Klimawandel zusammenhängt. Die Industrieländer stünden nun in einer besonderen Verantwortung dafür, „dass sich die Dinge ändern“. Man müsse den industriellen Kern der einzelnen Volkswirtschaften „in die Zukunft hineinentwickeln, ohne Arbeitsplätze zu verlieren“, umriss die Kanzlerin die Aufgaben der Politik. „Wenn Stahlwerke, Aluminiumwerke, Kupferhütten, wenn die alle unser Land verlassen und irgendwohin gehen, wo die Umweltvorschriften nicht so gut sind, dann haben wir für das Klima auf der Welt auch nichts gewonnen.“ Die Anstrengungen müssten sich nun darauf konzentrieren, technische Innovationen zu finden und Umwelttechnologien nach vorne bringen.

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat eine völlige Transformation der Wirtschaftsstruktur gefordert. Eine Reformation alleine reiche nicht aus, erklärte sie in Bonn vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Es geht um nichts weniger als den Abschied von der fossilen Wirtschaftsweise, die seit 200 Jahren das industrielle Zeitalter geprägt hat.“ Bei den Anstrengungen, die jetzt die Industrieländer zu leisten hätten, müsste noch stärker die Lage der südpazifischen Inselstaaten in den Blick genommen werden.

Aktuelle Zahlen zeigen indes, dass der CO2-Ausstoß für 2017 wahrscheinlich im Vergleich zu 2016 um zwei Prozent weltweit steigen wird. Diese Prognose ist Teil der Studie „Global Carbon Project“, die gestern vorgestellt wurde und an der 76 Wissenschaftler aus 57 Forschungsinstituten in 15 Ländern mitgearbeitet haben. Für die Verschlechterung der Bilanz werden vor allem China und Indien verantwortlich gemacht. In Europa und den USA wird hingegen ein leichter Rückgang von 0,2 beziehungsweise 0,4 Prozent verzeichnet. Dies sei viel zu wenig, um eine echte Trendwende herbeizuführen. Einer der Mitautoren der Studie, Robert Jackson von der US-Universität Stanford, geht davon aus, dass auch 2018 mit einem weiteren Anstieg der CO-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie zu rechnen sei.

Die Konferenz dauert noch bis Freitag. Besonders entscheidend werden die Tage ab Mittwoch werden, weil dann auch Staats- und Regierungschefs teilnehmen.