Es braucht einen Pontifex

Franziskus ist ein Mann großer Gesten. Und 2018 wäre es nun an der Zeit, dass der Papst mit großen und kleinen Gesten zur Verständigung einlädt. Von Guido Horst

Ein neues Jahr   Zeit für Vorsätze, aber auch für Wünsche, für Dinge, die sich erfüllen oder ändern mögen. In der katholischen Kirche haben viele das abgelaufene Jahr als Fortsetzung einer Verwerfung empfunden, die vor vier Jahren begann, als die Pläne des Papstes für die beiden Familiensynoden bekannt wurden. 2017 haben sich die Gräben nochmals vertieft: Mit einer Anklageschrift im Internet, die Franziskus   fälschlicherweise   der Häresie bezichtigte, und mit einer Unterschriftenaktion zur Unterstützung des Papstes, die ebenfalls im weltweiten Netz ihre Kreise zog. Immer nur zu sagen, man könne doch nicht immer alles an einer Fußnote im achten Kapitel von "Amoris laetitia" festmachen, man müsse doch den Gesamtzusammenhang sehen   die Integrierung von gebrochenen Schicksalen in die Kirche und die Unterscheidung ihrer jeweils unterschiedlichen Situation  , ist nicht richtig. Die Verunsicherung ist groß und betrifft nicht nur die wiederverheirateten Geschiedenen. Und zu sagen, es sei doch nur eine kleine konservative Minderheit, die sich dem Papst widersetze, ist ebenfalls falsch. Auch die, die Franziskus lautstark verteidigen, sind nur eine Minderheit, am anderen Rand des Spektrums. Die große, breite Masse in der Mitte ist von der Verwerfung nicht berührt. Sie klatscht und jubelt, wenn sie den Papst zu sehen bekommt und tut den Richtungsstreit als Theologengezänk ab, da sie ihn auch nicht versteht.

Wer könnte also 2018   so der Wunsch für das neue Jahr   eine Brücke zwischen den Lagern schlagen? Warum nicht der, der das Brückenbauen als Ehrentitel führt: der "Pontifex"   zumal es Aufgabe der Päpste ist, die Kirche im Inneren zusammenzuhalten? Immer nur, wie zuletzt bei der Weihnachtsansprache vor der Kurie geschehen, die Kritiker als verstockt, ja unmoralisch hinzustellen und ihre Entfernung aus den Ämtern anzudrohen, führt allmählich nicht mehr weiter. Franziskus ist ein Mann großer Gesten. Und 2018 wäre es nun an der Zeit, dass der Papst mit großen und kleinen Gesten zur Verständigung einlädt. Das wäre nobel.