Die Homo-„Ehe“ ist ihm nicht genug: Hintergrund

Einer der großen Geldgeber der Homo-Lobby in den USA will Widerstand gegen die LGBT-Agenda bestrafen. Von Sebastian Krockenberger

New York Gay Pride
Tim Gill: „Ich erwarte keinen massiven Fortschritt für Homosexuellen-Rechte in dieser Präsidentschaft.“ – Ein Mann nimmt... Foto: dpa

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika hat 2015 die sogenannte Homo-„Ehe“ zugelassen. Doch die Vorstellung, damit wäre für die Homosexuellen-Aktivisten in den USA der wesentliche Sieg errungen, und sie wären mit der Homo-„Ehe“ zufrieden, ist falsch. Kürzlich erschien in der US-amerikanischen Ausgabe des Magazins „Rolling Stone“ ein ausführliches Porträt von Tim Gill. Er ist wohl der bedeutendste Großspender hinter zahlreichen LGBT-Initiativen. LGBT ist eine Bezeichnung für die Gruppe von Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen. Was Gill sagt und vorhat, muss Christen alarmieren.

Die Durchsetzung der gleichgeschlechtlichen „Ehe“ ist für Tim Gill nur eine Etappe. Er will jetzt unter dem Schlagwort „Antidiskriminierung“ in den Bundesstaaten im Süden des Landes die Unterstützung der Bürger für die Ziele der Homosexuellen-Aktivisten wenn nötig erzwingen. „Wir werden in die härtesten Staaten hineingehen“, sagt Gill. „Wir werden die Bösen bestrafen.“ Die Bösen sind für ihn all die, die sich gegen die Ziele der LGBT-Aktivisten stellen.

Christen geraten unter Druck

Damit kommen auch Christen unter Druck, die zum Beispiel die Feier einer Eheschließung von Homosexuellen nicht unterstützen wollen, wie Konditor Jack Philipps aus dem Bundesstaat Colorado, wo auch Tim Gill lebt. Der Fall wird demnächst vor dem Obersten Gerichtshof in Washington verhandelt.

Philipps ist zwar bereit, Produkte aus seiner Konditorei „Masterpiece Cakeshop“ an ein homosexuelles Paar zu verkaufen, er wollte aber nicht extra eine Hochzeitstorte für ihre Eheschließung gestalten. Leute wie er sind mittlerweile ins Visier der Homosexuellen-Lobby geraten. Genauso wie ein christliches Ehepaar im Staat New York. 2016 wurden sie zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 11 000 Euro verurteilt, weil sie einem lesbischen Paar ihre Farm für eine Hochzeit nicht vermieten wollten.

Tim Gill hat sein Millionen-Vermögen in der aufstrebenden Computerbranche gemacht. Seit dem Beginn seiner Universitätszeit lebt er offen homosexuell. 1981 gründete er zusammen mit einem Geschäftspartner die Firma Quark. Der große Erfolg des Software-Unternehmens ist ein Programm, das die Veröffentlichung von Texten automatisiert.

Rund 360 Millionen Euro hat Gill in die Unterstützung der LGBT-Agenda gesteckt, teilweise verdeckt. 1994 gründete er dafür die Gill-Stiftung mit Sitz in Denver, Colorado. Die Stiftung sammelt Spenden und unterstützt Initiativen. Der damalige US-Vizepräsident Joe Biden soll im Mai 2016 bei einem Treffen von 30 LGBT-Großspendern gesagt haben, es wäre nicht leicht zu sagen, wo die Bewegung für LGBT-Rechte ohne die Arbeit von Tim Gill stünde.

1999 verkaufte Gill seine Anteile an Quark nach Berichten für rund 425 Millionen Euro. Seitdem widmet er sich hauptsächlich der LGBT-Agenda. Bis zu seinem Tod will Gill jeden Dollar in den Truhen der Stiftung dafür ausgeben, sagte er dem Rolling Stone.

Systematisch hat Gill über Jahre an der Einführung der Homo-„Ehe“ gearbeitet. 2004 war die Wiederwahl von George W. Bush als Präsident ein großer Rückschlag für die Homo-Lobby. Dem Bush-Berater Karl Rove war es gelungen, evangelikale Wähler zu mobilisieren. Er brachte in elf Bundesstaaten Gesetze zur Abstimmung, die Homo-„Ehen“ untersagten. Das veranlasste Gill und seine Mitstreiter 2005, eine politische Operation, genannt „Gill Action“, zu organisieren, um ganz gezielt bei den Wahlen in den Bundesstaaten Abgeordnete durchzusetzen, die die LGBT-Agenda unterstützen. Kandidaten, die zum Beispiel die Homo-„Ehe“ ablehnten, sollten verhindert werden. Spenden an favorisierte Kandidaten wurden laut dem Rolling Stone verdeckt verteilt.

Gleich zu Beginn der Aktion wurden 2006 im Rahmen von „Gill Action“ 50 von 70 Kandidaten verhindert, die die Homo-Lobbyisten im Visier hatten. Gill ist den Demokraten verbunden, doch er arbeitete beim Kampf für die Homo-„Ehe“ mit Großspendern der Republikaner zusammen, wie den Hedge-Fond-Investoren Paul Singer und Daniel Loeb. Über die Jahre ist Gill in seiner Stiftungsarbeit äußerst effizient und zielorientiert geworden.

Wiederherstellung der Religionsfreiheit

Christen in den USA sehen durch die Aktivitäten von Tim Gill und der LGBT-Lobby ihre Religionsfreiheit bedroht. Um der Einführung der Homo-„Ehe“ zu begegnen, versuchen jetzt Abgeordnete der Republikaner in verschiedenen Bundesstaaten, mit „Gesetzen zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit“ vor allem gläubige Christen zu schützen.

Diese Gesetze legen strenge Bedingung für den Fall fest, wenn eine Regierung in die freie Religionsausübung einer Person oder einer Organisation eingreift oder diese beschränkt. Die Regierung muss ein zwingendes Interesse dazu haben und sie muss die am wenigsten restriktiven Mittel anwenden. In jedem einzelnen Fall müssen die Gerichte die verschieden Fakten und Aspekte abwägen, ob ein Eingriff in die freie Religionsausübung berechtigt ist und ob die am wenigsten restriktiven Mittel angewendet wurden.

Es soll ein gesetzlicher Schutz geschaffen werden, dass niemand gezwungen werden kann, zum Beispiel die Feier von Homo-„Ehen“ zu unterstützen. Denn mittlerweile befürchten sogar Kirchen, dass sie staatlicherseits gezwungen werde könnten, ihre Kirchengebäude für solche Feiern zu überlassen. Noch als Gouverneur von Indiana unterschrieb der jetzige Vizepräsident Mike Pence ein solches Gesetz.

Gegen diese Religionsfreiheitsgesetze wendet sich der Zorn von Tim Gill. Die Gill-Stiftung hat im vergangenen Jahr eine Initiative in Georgia gestartet, die mit Unterstützung aus der Geschäftswelt gegen die Schaffung eines solchen Religionsfreiheitsgesetzes vorging. Obwohl das Gesetz im Parlament des Bundesstaates verabschiedet wurde, unterzeichnete der Gouverneur aufgrund des politischen Drucks dieser Initiative das Gesetz schließlich nicht.

In Nord-Carolina stellten sich Gills Leute gegen ein Gesetz, dass die zwangsmäßige Durchsetzung von Transgender-Toiletten verhindern soll. Transgender-Toiletten bedeuten, dass zum Beispiel ein Mann auf eine Frauen-Toilette gehen darf, wenn er sich selbst als Frau empfindet. Um die Abschaffung des Gesetzes zu erreichen, unterstützte Gill die Wahl des Demokraten Roy Cooper im Dezember 2016 zum Gouverneur.

Gill arbeitet vor allem auf der Ebene der Bundesstaaten. Mit weniger Geld kann dort mehr erreicht werden. Colorado ist in der Art eines Labors ein Schwerpunkt seiner Initiativen. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten kam überraschend für Gill. Er hatte für Hillary Clinton Spenden gesammelt. Gegner der LGBT-Agenda sind mit Trump in die Regierung und in das Weiße Haus eingezogen, allen voran Vizepräsident Mike Pence. „Ich erwarte keinen massiven Fortschritt für Homosexuellen-Rechte mit dieser Präsidentschaft“, sagt Gill dem Rolling Stone.

Es geht um Privilegien und Meinungsführerschaft

Ein Beispiel aus den letzten Tagen ist Trumps Erklärung auf Twitter, dass Transsexuelle wegen der hohen medizinischen Kosten und der Schwierigkeiten im Dienst in den US-Streitkräften nicht dienen können. Präsident Obama hatte noch 2016 das Militär für Transsexuelle geöffnet. Im Sommer 2017 sollten die ersten transsexuellen Rekruten ihren Dienst antreten können – das hat Trump jetzt verhindert.

Gill zeigt sich unermüdlich. „Ich mache mir nicht vor, dass es ein Endspiel geben könnte“, sagt er dem Rolling Stone über seinen Einsatz für die Homo-Agenda. Jede einzelne Generation müsse darin erzogen werden. Die Aufgabe werde nie erledigt sein.

Einer kleinen Minderheit an gesellschaftspolitisch aktiven Homosexuellen geht es auch in den USA um mehr als um Freiheit für ihre Gruppe. Wo sie Rechte und Antidiskriminierung einfordern, meinen sie im Grunde Privilegien und Meinungsführerschaft für ihre Gruppe. Das Verständnis von Sexualität soll in der gesamten Gesellschaft entsprechend der sexuellen Ausrichtung der LGBT verändert werden.

Die Religionsfreiheit von Christen wird dabei nicht geachtet. Grund genug für Christen in den USA, ihren Glauben vor Gericht und in der Politik aktiv zu verteidigen. Um das zu unterstützen, ist 1993 die Allianz zur Verteidigung der Freiheit (ADF, „Alliance for Defending Freedom“) von christlichen Juristen aus verschiedenen Konfessionen gegründet worden.




Hintergrund:

Nicht nur in den USA ist die LGBT-Lobby politisch ausgesprochen erfolgreich. Auch in Europa versteht sie es, ihre Themen und Interessen auf der Agenda zu platzieren. Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte ist ein Beispiel dafür: „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender-Personen... sind in vielen EU-Mitgliedstaaten häufig mit Diskriminierungen und Belästigungen konfrontiert“, heißt es da. Für eine EU-weite Studie zur Diskriminierung wurden allerdings ausschließlich LGBT-Personen befragt. Der Direktor der Grundrechteagentur, Michael O'Flaherty, behauptete in einer Ansprache, kein Land habe diesbezüglich alle Probleme gelöst. „Die Einstellung der Öffentlichkeit ist nach wie vor ein Problem.“

Auch das Europäische Parlament kritisierte mehrfach die „institutionelle Diskriminierung von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Personen durch das Verbot der Eheschließung“ und fordert regelmäßig Gesetze und politische Maßnahmen, „mit denen Homophobie und Transphobie bekämpft werden“. Ungeachtet der Tatsache, dass damit die mitgliedstaatliche Zuständigkeit verletzt wird, forderte das Europaparlament für LGBT-Personen den „Zugang zu Rechtsinstitutionen wie Lebensgemeinschaft, eingetragene Partnerschaft oder Ehe“. Die EU-Kommission solle eine Verordnung vorlegen, die die „gegenseitige Anerkennung aller Personenstandsurkunden und ihrer rechtlichen Auswirkungen vorsieht“, forderte das Europäische Parlament. Mit einer solchen Anerkennung aber wäre das am weitesten gehende Recht von allen 28 EU-Staaten praktisch anzuerkennen. Nicht nur auf die EU-Mitgliedstaaten wird politischer Druck ausgeübt, sondern auch auf außereuropäische Länder. So forderte das Europäische Parlament, die Entwicklungshilfeprogramme mit der Frage der LGBT-Rechte zu verknüpfen. sb