Christenverfolgung nimmt zu

Open Doors schätzt Anzahl der verfolgten Christen weltweit auf 200 Millionen – Indien rückt auf Platz 15 vor – Nordkorea weiter führend

Der neue Weltverfolgungsindex von Open Doors sieht in Asien die negativsten Entwicklungen. Foto: Open Doors

Kelkheim/Berlin (DT/KNA) Die Verfolgung der Christen weltweit hat nach Darstellung der international tätigen überkonfessionellen Organisation Open Doors erneut stark zugenommen. Schuld daran sei vor allem radikaler Islamismus, heißt es in dem am Mittwoch in Kelkheim veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2017. Aber auch ein wachsender Nationalismus in hinduistisch oder buddhistisch geprägten Staaten Asiens setze Christen massiv unter Druck.

Hatte Open Doors zuletzt immer von mehr als 100 Millionen verfolgten Christen gesprochen, so schätzte das überkonfessionelle christliche Hilfswerk diese Zahl jetzt auf rund 200 Millionen neu ein. Die Angaben sind umstritten, weil Kritikern zufolge eine exakte Definition von Verfolgung schwierig sei. Sie reicht von direkter Gewalt über diskriminierende Gesetze bis zu gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Erneut führt Nordkorea den Index an. Somalia rückt von Platz vier auf Platz zwei vor, gefolgt von Afghanistan, Pakistan, dem Sudan und Syrien. In 35 der 50 aufgeführten Länder ist demnach islamische Unterdrückung Ursache der Verfolgung. In Asien werden die deutlichsten Verschlechterungen verzeichnet – so rückte Indien auf Rang 15 vor. Für die Verschärfung macht Open Doors neben islamistischen Regimes auch Netzwerke wie Boko Haram und Al-Shabaab verantwortlich. Sie gründeten mit finanzieller Hilfe aus Saudi-Arabien Schulen mit extremistischer Prägung, schleusten Anhänger in öffentliche Ämter oder kontrollierten den Moschee-Bau.

Auch im Konflikt um die regionale Vorherrschaft zwischen Iran und Saudi-Arabien gerieten die Christen zwischen alle Fronten. Trotz ihrer tiefen Verwurzelung im Nahen Osten drohe ihnen die völlige Vertreibung. Selbst in Ländern wie Ägypten, deren Machthaber mit harter Hand gegen muslimische Extremisten vorgingen, stünden Christen unter großem Druck. Verantwortlich sind laut Open Doors aber auch verunsicherte asiatische Regierungen, die nationalistische Ressentiments gegen Minderheiten schürten. Gefordert werde dann, man müsse Buddhist sein, um ein vollwertiger Bürger Sri Lankas zu sein; ein „echter“ Malaysier sei ein Muslim und nur ein Hindu könne ein richtiger Inder sein.

Am stärksten bedroht sind laut Bericht die Christen, die vom Islam konvertiert sind. Da Abfall vom Islam vielfach mit dem Tod bedroht werde, müssten sie ihren Glauben geheim halten. Dennoch gebe es insbesondere im Iran und in Indonesien wachsende, in geheimen kleinen Hausgemeinden organisierte Kirchen.

Der Vorsitzende des Stephanuskreises, der Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte, erklärte dazu: „Der aktuelle Bericht von Open Doors ist besorgniserregend. Er zeigt, dass die Bedrohung durch Islamisten besonders im Mittleren Osten und in Afrika hoch ist.“ Das sei nicht hinzunehmen. Religionsfreiheit müsse auch in muslimisch geprägten Ländern für alle gewährleistet sein. Der Stephanuskreis ist ein überkonfessionelles Gesprächsforum der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, das für Toleranz und Religionsfreiheit eintritt und sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt kümmert. Derzeit gehören ihm 88 der 310 Unionsabgeordneten im Deutschen Bundestag an. Hirte warnte jedoch davor, „den Islam in Gänze für die Zunahme von islamistischen Terrortaten verantwortlich zu machen. Neben den Christen leiden auch viele Muslime unter der Gewalt von Extremisten und unter Herrschern, die Religion zur Festigung ihrer Macht missbrauchen.“ Hirte warb dafür, sich die Maxime des katholischen Geistlichen Jacques Mourad zu eigen zu machen, der vor knapp einem Monat im Stephanuskreis zu Gast war. Pater Mourad war mehrere Monate in IS-Gefangenschaft, konnte aber, so Hirte, „mit Hilfe einer muslimischen Gemeinde fliehen und hält weiter an seiner Maxime fest: Der Weg zum Frieden führt nur über den Dialog. Davon sollten auch wir uns leiten lassen. Sprechen wir offen über den Missbrauch des Islam, fördern gleichzeitig aber moderate, aufgeklärte Bestrebungen gläubiger Muslime“, so Hirte.