Sorge um Priesterberufe, Ehe und gesellschaftliche Polarisierungen

Aus den Silvesterpredigten der Bischöfe im deutschsprachigen Raum.

Silvester - Feuerwerk in Zürich
Feuerwerkskörper explodieren am 01.01.2018 in Zürich, Schweiz, zum Jahreswechsel 2018 während des Silvester-Feuerwerks über der Stadt. Foto: Christian Merz/KEYSTONE/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Christian Merz (KEYSTONE)

Der dramatischen Mangel an priesterlichen Berufungen, der auch im Bistum Fulda spürbar sei, bereitet Bischof Heinz Josef Algermissen große Sorgen. Dies machte der Oberhirte in seiner Silvesterpredigt im vollbesetzten Fuldaer Dom deutlich. „Wir leben als Christen nicht aus uns selbst, sondern einzig von Jesus Christus her, und darum versammeln wir uns besonders am Sonntag, um in Treue zu seinem Vermächtnis und Auftrag seinen Tod zu verkünden, seine Auferstehung zu preisen und auf ihn zu warten, bis er wiederkommt.“ Diese Quelle der Kirche, aus der sie sich immer wieder erneuere, und gleichzeitig der Höhepunkt dessen, was sie zu feiern imstande sei, „ist ohne den priesterlichen Dienst nicht möglich“, betonte Algermissen. Ein Priester könne nur durch einen anderen Priester ersetzt werden, und ohne ihn könne die Eucharistie als Herzstück der Kirche nicht gefeiert werden. „Ohne Eucharistie verliert die Welt die leibliche Gegenwart Christi. Kirche ohne Eucharistie ist ein Widerspruch in sich selbst.“ Der Bischof fragte, ob etwa der Ruf Jesu Christi keine Antwort mehr finde oder die schwere Krise des Glaubens und des Vertrauens in Gesellschaft und Kirche junge Menschen davon abhalte, in der Berufung zum Priester ein erstrebenswertes Ziel zu sehen.

Tatsächlich gebe es immer wieder Interessierte, die die sich zum Theologiestudium anmelden wollten, dann aber doch den Mut „im Gegenwind unserer Zeit“ verlören. Bei vielen Katholiken sei durchaus der Wunsch nach Priesterberufungen lebendig, und sie beteten dafür, aber ohne dass man dabei auf die eigene Familie schauen würde. „Wenn dann wirklich ein Sohn Priester werden möchte, hat er bei Eltern und Geschwistern den allerstärksten Widerstand.“ Ein Bischof könne indes Priester „nicht aus dem Ärmel schütteln“. Algermissen unterstrich, er kenne ich junge Menschen, die eine Berufung in sich trügen, dabei aber eben keine Ermutigung in der eigenen Familie, in Schule und Gemeinde erführen, „sodass der Ruf Christi ungehört versickert“. Er zeigte sich überzeugt, dass Gott für seine Kirche genügend Priester berufe. „Es ist an uns, Möglichkeiten zu schaffen, damit dieser Ruf nicht abgewürgt wird.“ Der Bischof bat die Gläubigen darum, sich die Sorge um Berufungen zu eigen zu machen.

Die Bedeutung der Ehe und des Ehesakramentes wird in der westlichen Welt nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke oft nicht mehr verstanden. „Das Wesen der Ehe ist weit mehr als die Verantwortungsgemeinschaft zweier Personen“, sagte Hanke in seiner Silvesterpredigt im Eichstätter Dom. Hanke äußerte sich demnach mit Blick auf die „Ehe für alle“. Diese sei ein „weiterer und einschneidender Schritt in der Gesellschaft, die Begründung der Ehe als Institution von ihrer Verwurzelung in den Vorgaben der Schöpfung und in der natürlichen Verwiesenheit von Mann und Frau aufeinander loszulösen“. Der Bischof erinnerte ferner an das Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2016. Darin betone der Papst, dass die Ehe nicht als eine Einrichtung zu begreifen sei, die sich je nach gesellschaftlicher Stimmungslage neu definieren lasse. Daher, so Hanke, sei es die Pflicht der Christen, für das Evangelium von der Ehe und Familie in der Gesellschaft einzustehen. „Gott will den Menschen durch seine Schöpfungsordnung erfülltes Menschsein schenken, er will dem Menschen Heil zuteilwerden lassen in der sakramentalen Ehe zwischen Mann und Frau.“

Mit Blick auf die Wahlkämpfe des endenden Jahres sprach der neue Bischof von Innsbruck, Herrmann Glettler, in seiner Jahresschlusspredigt im Innsbrucker Dom von „vielen unbarmherzigen Ausgrenzung und Polarisierungen“ gesprochen. Diese hätten „tiefe Risse bis hinein in Familien- und Freundeskreise hinterlassen“. Glettler sagte am Sonntag wörtlich: „Es gab eine unselige Allianz der großen Parteien zulasten von Menschen, die als Fluchtreisende gekommen sind und sich nichts sehnlicher wünschen als eine neue Heimat mit realen Zukunftsperspektiven. Sie wurden als Bedrohung für den Frieden in unserem Land gebrandmarkt.“ Ähnlich sei es jenen Personengruppen ergangen, deren Bewältigung der alltäglichen Anforderungen durch Sozialleistungen unterstützt wird. Sie müssten sich den pauschalen Vorwurf des „Sozialschmarotzertums“ gefallen lassen. „Es bleibt zu hoffen – dass trotz einiger Besorgnis erregender Details im neuen Regierungsprogramm – diese unverantwortliche Marginalisierung der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft nicht salonfähig wird“, sagte der neue Bischof  von Innsbruck.

Die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare kritisieret der Erzbischof von Salzburg, Franz Lackner, in seiner Silvesterpredigt im Salzburger Dom: „Es scheint so zu sein, dass Unterschiede nur mehr als Diskriminierung gesehen werden müssen“, so Lackner. Die Ehe sei jedoch „als Keimzelle des Lebens eine menschlich-göttliche Errungenschaft, vergleichbar der Würde der Person“ Lackner weiter: „So dürfen wir kritisch fragen: Warum gelingt es gesetzgebenden Körperschaften nicht, in einer immer mehr plural werdenden Gesellschaft altbewährte Institutionen zu schützen, ohne zugleich neuen Lebensgemeinschaften den nötigen Rechtsrahmen zu versagen.“ Diese „Anpassungsbeflissenheit“ sei für Katholiken nicht nachvollziehbar. „Wir sind rückverwiesen auf die Anfänge der Christenheit in heidnischer Umgebung, wie es im Diognetbrief steht: ,Sie (die Christen) gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten durch ihre eigene Lebensweise die Gesetze.‘“

DT / KNA / sb