Angelus vom 01. Januar 2018

Im Wortlaut die Angelus-Ansprache von Franziskus am 01. Januar 2018. Darin heftet der Papst den Blick auf die Gottesmutter Maria.

Pope Francis' general audience
Papst Franziskus. Foto: Giorgio Onorati (ANSA)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Auf die erste Seite des Kalenders des neuen Jahres, das uns der Herr schenkt, stellt die Kirche wie eine wundervolle Miniatur das Hochfest der allerseligsten Gottesmutter Maria. An diesem ersten Tag des Jahres heften wir den Blick auf sie, um unter ihrem mütterlichen Schutz den Weg entlang der Pfade der Zeit wiederaufzunehmen.

Das heutige Evangelium (vgl. Lk 2,16-21) führt uns in den Stall von Bethlehem zurück. Die Hirten eilen hin und finden Maria und Josef und das Kind; und sie erzählen von der Verkündigung, die ihnen von den Engeln zuteil wurde, also dass jenes Neugeborene der Retter ist. Alle staunen, während „Maria alle diese Worte bewahrte und sie in ihrem Herzen erwog“ (V. 19). Die Jungfrau lässt uns begreifen, wie das Ereignis von Weihnachten aufzunehmen ist: nicht oberflächlich, sondern im Herzen. Sie zeigt uns die wahre Art und Weise, das Geschenk Gottes zu empfangen: es bewahren und im Herzen erwägen. Es ist dies eine Einladung, die an einen jeden von uns gerichtet ist: betrachtend zu beten und dieses Geschenk zu verkosten, das Jesus selbst ist.

Es geschieht durch Maria, dass der Gottessohn die Leiblichkeit annimmt. Doch die Mutterschaft Marias beschränkt sich nicht allein darauf: dank ihres Glaubens ist sie auch die erste Jüngerin Jesu, und das „weitet“ ihre Mutterschaft. Es wird der Glaube Marias sein, der in Kana das erste wundersame „Zeichen“ bewirken wird, das dazu beiträgt, den Glauben der Jünger zu erwecken. Mit demselben Glauben ist Maria zu Füßen des Kreuzes gegenwärtig und empfängt den Apostel Johannes als Sohn; und nach der Auferstehung wird sie schließlich zur betenden Mutter der Kirche, auf die am Pfingsttag der Heilige Geist machtvoll herabkommt.

Als Mutter nimmt Maria eine ganz besondere Funktion wahr: sie steht zwischen ihrem Sohn Jesus und den Menschen in der Wirklichkeit ihrer Entbehrungen, in der Wirklichkeit ihres Elends und ihrer Leiden. Wie in Kana hält Maria Fürsprache in dem Bewusstsein, dass sie als Mutter die Bedürfnisse der Menschen, besonders der schwächsten und armseligsten, vor den Sohn bringen kann, ja muss. Und gerade diesen Menschen ist das Thema des Weltfriedenstages gewidmet, den wir heute begehen: „Migranten und Flüchtlinge: Menschen auf der Suche nach Frieden“, so lautet das Motto dieses Tages. Ich möchte mich erneut zum Sprachrohr dieser unserer Brüder und Schwestern machen, die für ihre Zukunft einen Horizont des Friedens erflehen. Für diesen Frieden, der ein Recht aller ist, sind viele von ihnen bereit, auf einer meist langen und gefährlichen Reise ihr Leben zu riskieren; sie sind bereit, Mühe und Leid zu ertragen (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 2018, 1).

Bitte, löschen wir die Hoffnung in ihrem Herzen nicht aus; ersticken wir nicht ihre Erwartungen des Friedens! Es ist wichtig, dass seitens aller, der zivilen Einrichtungen, der Gegebenheiten in Erziehung und Fürsorge sowie der Kirche, das Engagement vorhanden ist, den Flüchtlingen, den Migranten, allen eine Zukunft des Friedens sicherzustellen. Der Herr gewähre es uns, in diesem neuen Jahr mit Großherzigkeit, mit Großherzigkeit tätig zu sein, um eine solidarischere und gastfreundlichere Welt zu verwirklichen. Ich lade euch ein, dafür zu beten, während ich zusammen mit euch Maria, der Mutter Gottes und unserer Mutter, das soeben begonnene Jahr 2018 empfehle. Die alten russischen Mönche, Mystiker, sagten, dass es in Zeiten spiritueller Turbulenzen notwendig war, sich unter dem Mantel der Heiligen Mutter Gottes zu sammeln. Während wir an die vielen Turbolenzen von heute denken, und vor allem an die Migranten und Flüchtlinge, wollen wir beten, wie sie uns zu beten gelehrt haben: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau“.

Aus dem Italienischen von Armin Schwibach