die frage: Der Druck ist groß, „sexuell aktiv“ zu sein

Die pädagogische Leitkultur stellt es als völlig normal dar, dass Mädchen ab dem Jugendalter die Pille nehmen. Wie kann ich als Mutter meinen Töchtern (14 und 16 Jahre alt) Orientierung bieten? Christiane Sollms, München

Die Frage beantwortet Karolin Wehler, akademische Referentin für Theologie des Leibes am Institut für Natürliche Empfäng... Foto: Archiv

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Pille für Jugendliche propagiert wird:

1. Zur Regulierung unregelmäßiger Zyklen: Dazu ist zu sagen, dass es völlig normal ist, wenn Zyklen im Jugendalter unregelmäßig sind. Es braucht einige Jahre, bis die Abläufe ausgereift sind. Unterbricht man diese Entwicklung durch die Einnahme der Pille, so wird der Reifungsprozess möglicherweise nach Absetzen der Pille nachgeholt. Das kann im Ernstfall bedeuten, dass die Pille wegen Kinderwunsch abgesetzt wird, die Frau aber dann nicht leicht schwanger wird, weil eben ein unzureichend ausgereiftes Zyklusgeschehen vorliegt.

Wenn unregelmäßige Zyklen irgendwann zum Problem werden sollten, gibt es viele Möglichkeiten der positiven Beeinflussung, die die Gesundheit nicht beeinträchtigen, wie die Pille es tut.

2. Attraktives Aussehen: Das Versprechen schöner Haut und schöner Haare wird durch die Pille bei weitem nicht immer eingelöst – bei manchen Frauen verschlechtert sich das Hautbild sogar. Und grundsätzlich gilt bei Beachtung der möglichen gravierenden Nebenwirkungen, dass hier wohl eher mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden soll und es viele gesündere Wege zum erwünschten Ziel gibt.

3. Zyklusbeschwerden: Auch in diesem Fall gibt es eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten, um positiv einzuwirken, ohne die Gesundheit zu schädigen.

4. Die eigentlich intendierte Wirkung, Empfängnisverhütung: Eine pädagogische Leitkultur, die die Einnahme der Pille für ganz normal hält, geht auch davon aus, dass Jugendliche sexuell aktiv sind. Zunächst einmal ist das bei weitem nicht immer der Fall. Allerdings wird häufig ein gewisses Erwartungsszenario aufgebaut, dass sexuelle Beziehungen nun einfach „dran“ seien, und dadurch gehöriger Druck auf die Jugendlichen – teilweise aus dem eigenen Freundeskreis – aufgebaut, ohne auf ihre wirklichen Wünsche und Sehnsüchte Rücksicht zu nehmen.

Wie können wir unseren heranwachsenden Kindern einen anderen Weg aufzeigen? Versuchen wir, im vertrauensvollen Gespräch zu bleiben, auch wenn wir davon ausgehen müssen, nicht immer die ersten beziehungsweise einzigen Ansprechpartner zu sein. Sprechen wir über die Bedeutung der sexuellen Vereinigung zwischen Mann und Frau. Was möchte ich damit wirklich ausdrücken? Sie ist die stärkste körperliche Ausdrucksform der Liebe, die uns zur Verfügung steht. Von ihrem Wesen her sagt sie aus: Ich schenke mich dir ganz, vorbehaltlos, mit allem, was ich habe. Ebenso nehme ich dich ganz an, so wie du bist. Wenn wir das ehrlich meinen, ist automatisch die zeitliche Dimension, das heißt auch die Treue, mit eingeschlossen. Denn ein Geschenk, das ich irgendwann wieder zurückhaben möchte, ist keines. Führen wir diesen Gedanken zu Ende, sind die geeigneten Bedingungen, in denen Sexualität sich frei und wahrhaft menschlich entfalten kann, nur in einer lebenslangen, treuen und selbstlosen Bindung, das heißt in der Ehe, gegeben. Sex braucht ein Zuhause.

Was kann Jugendlichen helfen, dies zu verstehen? Die Jugend ist die Zeit, in der sich die Persönlichkeit am stärksten entwickelt und eigene Positionen erworben beziehungsweise Haltungen eingeübt werden. Neben dem Elternhaus und im Optimalfall auch einer Verwurzelung im Glauben, wo möglich mit geistlicher Begleitung, gibt es verschiedene Initiativen, die dabei unterstützen können. Besonders zu empfehlen ist hier aus meiner Erfahrung das TeenSTAR Programm (www.teen-star.de beziehungsweise www.teenstar.at). Auf diesem Weg erkennen Jugendliche auch: Es ist nicht egal, wie ich jetzt lebe; vielmehr hat meine Lebensgestaltung in der Jugend auch einen Einfluss auf das Gelingen der ersehnten lebenslangen und erfüllenden Partnerschaft.

Kinder zu Experten in Sachen Liebe und Sexualität machen

Ganz wichtig ist es, dass wir unsere Kinder zu Experten in Sachen Liebe und Sexualität machen. Dies erreichen wir durch eine die Entwicklung des Kindes berücksichtigende Sexualaufklärung, die zu allererst im Elternhaus stattfindet. Dazu gehört zu gegebener Zeit auch die Erklärung über die Wirkweisen der Pille, die immer eine mögliche Frühabtreibung beinhaltet, sowie über die zahlreichen gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen. Sehr hilfreich ist, besonders – aber nicht nur – für Mädchen, vertieftes Zykluswissen und Kenntnis der Zyklusbeobachtung, wie sie das Institut für Natürliche Empfängnisregelung Prof. Rötzer (www.iner.org) vermittelt. Das dadurch entstehende Fruchtbarkeitsbewusstsein lässt Ehrfurcht wachsen und verändert den Umgang mit dem eigenen Körper. Dass diese Erkenntnisse später in der Ehe zur Empfängnisregelung im Sinne einer verantworteten Elternschaft genutzt werden können, ergibt sich von selbst.

Das Bewusstsein, dass durch sexuelle Aktivität ein Kind entstehen kann, ist noch längst nicht jedem klar vor Augen. Die weit verbreitete Verhütungsmentalität lässt diesen Aspekt leicht in den Hintergrund geraten. Die Pille hat laut aktueller Datenlage einen Pearl Index von 8, bei Jugendlichen sogar nur 15, was das allgemeine Denkmuster der absoluten Zuverlässigkeit Lügen straft, zu vielen überraschenden Schwangerschaften und in der Folge möglicherweise zu Abtreibungen führt. Wenn wir unseren Kindern vermitteln, wie schön es ist, Kinder zu bekommen, und ihnen die Frage stellen, welches Umfeld dafür wohl geeignet ist, kann auch das zu einem bewussteren Verhalten beitragen.

Grundsätzlich können wir als Eltern nicht früh genug anfangen, für gute Entscheidungen unserer Kinder im Bereich Partnerschaft und Sexualität und für gute Ehepartner zu beten. Damit sind wir auch entlastet, denn es liegt nicht alles in unserer Hand, und wir dürfen unsere Kinder immer wieder dem himmlischen Vater anvertrauen. Wenn sie andere Wege einschlagen, müssen wir das respektieren, auch wenn es schmerzhaft sein kann. Führen wir uns vor Augen: Es gibt im Leben immer wieder einen Weg zurück, und der Barmherzigkeit Gottes in dieser Welt ein menschliches Gesicht zu geben, indem wir unsere Türen und unsere Herzen geöffnet halten, ist eine der schönsten Aufgaben, die wir als Eltern haben.