Bischof Glettler: Kirche darf nicht in Selbstmitleid erstarren

Neuer Diözesanbischof von Innsbruck wendet sich gegen „kirchenpolitischen Zank“. Von Stephan Baier

Innsbruck (DT) Mit der Bischofsweihe des Steirers Hermann Glettler ging am Samstag eine fast zweijährige Sedisvakanz für die Diözese Innsbruck zu Ende. Mehr als 7 000 Gläubige, darunter Hunderte Steirer, waren in die Innsbrucker Olympiahalle geströmt, um der dreistündigen Liturgie beizuwohnen. Glettler, bisher Pfarrer und Bischofsvikar in der Diözese Graz-Seckau, warnte in seiner Ansprache vor „einer generellen Bürokratisierung aller Lebensbereiche und auch der kirchlichen Dienste“. Es sei dringlich, „in die Dynamik des ersten Aufbruchs, in die Frische, Liebe und Großzügigkeit des Aufbruchs zurückzufinden“. An die anwesenden Kinder und Jugendlichen gewandt, meinte der neue Tiroler Diözesanbischof: „Gott schreit nicht, er flüstert uns ins Herz. Ihr werdet gebraucht! Ich meine das nicht ausschließlich, aber sehr deutlich auch in Richtung neuer Priesterberufungen!“

Er wolle als Bischof „einer Ortskirche vorangehen, die nicht im Selbstmitleid, nicht in der Erschöpfung und nicht in der Diskussion um interne Fragen erstarrt“, sondern bereit sei, Licht und Salz in der Gesellschaft zu sein. „Niemand interessiert sich für den kirchenpolitischen Zank“, mahnte Glettler zur Einheit. „Ich bete um eine Erneuerung des Vertrauens innerhalb unserer Kirche. Wir haben unterschiedliche theologische und spirituelle Profile, Berufungen und Charismen. Beginnen wir von Neuem heute damit, dem Misstrauen und dem Verdacht, der Unterstellung und der Geringachtung der anderen Überzeugung oder Position ein klares Nein entgegenzuhalten“, so der Bischof, der selbst der Gemeinschaft Emmanuel angehört.

Zuvor hatten der Salzburger Erzbischof Franz Lackner als Metropolit, der nunmehrige Linzer Bischof Manfred Scheuer als Amtsvorgänger in Tirol sowie der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl dem neuen Innsbrucker Oberhirten die Bischofsweihe gespendet. Unter den anwesenden Bischöfen waren auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der Bischof der Innsbrucker Mutterdiözese Bozen-Brixen, Ivo Muser, sowie Bischöfe aus Trient, Rumänien, Frankreich und Burundi. Der Hirtenstab und das Brustkreuz des neuen Bischofs von Innsbruck wurden nicht neu gefertigt, sondern stammen aus alten kirchlichen Beständen. Allerdings hat der Grazer Künstler Gustav Troger die bischöflichen Insignien nachbearbeitet: So machte er Löcher in das Brustkreuz in Anspielung auf das durchbohrte Herz Jesu, das in Tirol besondere Verehrung genießt. Glettler selbst ging in seiner Ansprache darauf ein, dass das Land Tirol seit 1796 dem Herzen Jesu geweiht ist: „Diese traditionelle Frömmigkeit hat das Potenzial für eine neue Vitalität. Dazu müssen die Kruste des Kitsches und die Kruste einer übertriebenen nationalen Aufladung entfernt werden. Wenn uns das gelingt, sind wir mit dem geöffneten Herz Jesu in einer wirksamen Schule von Gottes Barmherzigkeit.“

Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, meinte mit Blick auf die nahezu zweijährige Sedisvakanz in Innsbruck: „Gottes Mühlen mahlen langsam, und die des Vatikan besonders langsam, und – ich füge hinzu – anders.“ Den neuen Diözesanbischof mahnte Zurbriggen, sich ausreichend Zeit für jeden Priester zu nehmen. Wie ein Vater müsse sich der Bischof um die Gläubigen und vor allem um seine Priester kümmern. Er hoffe, „dass in der Diözese mit dir ein missionarischer Aufbruch gelingt, denn viele hungern und dürsten nach dem Evangelium“, sagte der Nuntius an Glettler gewandt. Bischof Glettler selbst erklärte die Evangelisierung zu seiner Priorität: „Wir möchten an den pulsierenden Orten unserer Zeit mit möglichst vielen Menschen den Schatz unseres Glaubens teilen.“