Balsam für Ohr und Seele

20 Jahre Radio Horeb: Bei dem Rundfunkpionier geben lebendiger Glaube und eine aktive Hörerfamilie den Ton an. Von Alexander Schmidt

Christlicher Sender mit Zukunft: Dass Radio Horeb junge Hörer anzieht, war in Balderschwang unübersehbar. Foto: Radio Horeb

Durch unzählige Spitzkehren und noch mehr Kurven schraubt sich der Bus von Fischen im Allgäu den Riedbergpass hinauf. Gut eine Stunde später erreicht er auf gut eintausend Höhenmetern das Alpendorf Balderschwang. Viele Jahre war die idyllische 300-Seelen-Gemeinde allein von Österreich aus erreichbar, der Pass wurde erst 1961 fertiggestellt. Wenn es stimmt, dass Gott seine Wunder am liebsten in der verborgenen Abgeschiedenheit wirkt, dann wäre dies also ein passender Ort.

Vor zwanzig Jahren, im Jahr 1996, begann hier die Geschichte des privaten katholischen Radiosenders „Horeb“. „Es grenzt an ein Wunder und geht über die Grenze des Wunders hinaus, was da passiert ist, wie dieses Radio sich entwickelt hat und wie es auch sein Apostolat versteht“, freut sich Pfarrer Winfried Abel, Spiritual am Priesterseminar der theologischen Hochschule Heiligenkreuz (Österreich) und Angehöriger der Gründergeneration des Senders.

Radio Horeb erreicht heute täglich mehr als 200 000 Menschen im gesamten deutschen Sprachraum – und alles ohne einen Cent Kirchensteuer. Jeder Euro, der für den Sendebetrieb in die Hand genommen werden muss, stammt aus privaten Mitteln. Und davon bedarf es einiger: Jahr für Jahr müssen die Kosten für Sendelizenzen – also der Eintrittspreis, um überhaupt via UKW, Digitalradio, Kabel und Satellit empfangen werden zu können – aufgebracht werden. Der Sender arbeitet mit einem Jahresetat von 5, 1 Millionen Euro. Siebenhunderttausend Euro nehmen davon allein Satelliten- und Internetgebühren in Anspruch.

Gebet und Arbeit verbinden sich im Alltag

Radiogründer und Ortspfarrer Richard Kocher hält dennoch von Erfolgszahlen wie der eigenen Senderreichweite nicht viel und verweist auf die Bedeutung des Gebets.

Neben persönlichen Zeugnissen von Mitarbeitern, Freunden und Wegbegleitern des Senders standen deshalb Gebet und gelebter Glaube auch bei dem Hörertreffen des Senders am Wochenende in Balderschwang anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums im Mittelpunkt aller Veranstaltungen. Nicht nur, um die künftigen Vorhaben des Senders – der weitere Ausbau des Sendebetriebs und der Aufbau eines flächendeckenden Helfernetzes in ganz Deutschland – zu fördern, sondern weil beides im Sender und bei seinen Mitarbeitern durchgehend eine zentrale Rolle einnimmt. Die Liturgie und das Gebet der Kirche wird nicht nur technisch übertragen sondern auch im Arbeitsalltag aktiv gelebt.

Die Tage im Sender beginnen mit einem gemeinsamen Gebet, in der Studiokapelle ist das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Jeder Besucher bemerkt schnell, dass hier ein besonderer Geist herrscht, der die Grenzen zwischen Radio, geistlicher Gemeinschaft und Bürgerinitiative verschwimmen lässt. Da wundert es nicht, dass auch die Einwohner des ehemaligen Bauerndorfs, ob katholisch oder nicht, wie selbstverständlich für „ihren“ Sender mit anpacken, wenn helfende Hände benötigt werden. Ein missionarischer Rundfunksender, bei dem jugendliche Praktikanten, spontan angereiste Ruheständlern, hauptamtliche Mitarbeiter und Mitglieder von lokaler Bergwacht und Feuerwehr scheinbar zwanglos zusammenarbeiten, das wirkt zunächst ungewohnt. Eine verstörende Idylle? „Früher war mir Horeb etwas exotisch“, gibt Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa am Rande der Feierlichkeiten im Gespräch mit der „Tagespost“ unumwunden zu. Bei genauerem Hinsehen erscheint dagegen ein anderes Bild. Zdarsa weiter: „Man muss sich schon näher damit befassen und eine Beziehung aufnehmen. Dieses Engagement der Wenigen, die so viel bewirken in der Verkündigung des Glaubens, dass ist sehr sehr hoch zu schätzen.“

Ob anfängliche Distanz oder direkte Begeisterung: an den vier Tagen in Balderschwang feierten gut 4 000 Menschen freudig das Jubiläum „ihres“ Senders, unter ihnen auch Bischof emeritus Elmar Fischer, der Präsident von Radio Maria, Vittorio Viccardi, Pater Paulus Tautz CFR und Peter Schilling, besser bekannt als „Major Tom“, der 1982 mit seinem Hit „völlig lösgelöst“ die Charts stürmte. Alle reihten sich nahtlos in die Kette von Gratulanten ein, die kaum abzureißen schien.

Alle Beiträge und die vollständige Dokumentation des Hörertages ist abrufbar unter: www.horeb.org
 


Hintergrund:

Das Zweite Vatikanische Konzil fordert die „Ausbreitung und Festigung des Gottesreichs“ (inter mirificia Nr. 2). Pater Anton Lässer CP aus Balderschwang und Pfarrer Richard Kocher, bis heute Programmdirektor, wollten dies mit einer privaten Initiative unterstützen und das Wort Gottes im Hörfunk verkünden. Die Idee eines christlichen Radiosenders katholischer Prägung war geboren.

Wenngleich seine Anfänge im Keller eines Münchener Obdachlosenheims wenig vielversprechend waren, konnte ab 1995 sonntäglich im Münchener Großraum auf einer UKW-Frequenz gesendet werden, damals noch unter dem Namen „Radio Neues Europa“.

Doch schon am 8. Dezember 1996 ging erstmals als „Radio Horeb“ das Satellitenprogramm auf Sendung. „Horeb“ ist der Berg, auf dem Gott Mose die zehn Gebote gegeben und der Prophet Elija seine Weisungen erhalten hat. Der Name ist für das Radio programmatisch. Als „innere Achse“ seines Programms wird die Liturgie der Kirche übertragen: Heilige Messe, Stundengebet, Rosenkranz und Anbetungsstunden. Weitere Programmpunkte: Glaubenthemen, Lebenshilfe und Musik.

Anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI. in seiner bayerischen Heimat war Radio Horeb 2006 erstmals über Podcast zu hören. Inzwischen besteht ein 24stündiger Sendebetrieb. Benedikt XVI. ist bis heute Hörer und Freund des Senders.

Das Wachstum des Senders blieb nicht folgenlos, Radio Horeb musste seine Räumlichkeiten vergrößern. 2008 erfolgte der erste Spatenstich für ein neues Medienhaus in Balderschwang. Im Jahr darauf später wurde ein Niedrigenergiehaus mit modernster Studiotechnik eingeweiht. Neben der eigenen Arbeit förderte der Sender, inzwischen Mitglied der Radio-Maria-Weltfamilie, den Aufbau von weltweiten Partnerradios.

Beim großen Hörertreffen 2014 war auch Siegfried Schneider, Präsident der Bayrischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) vor Ort. Ohne Lizenz der BLM kann in Bayern kein Hörfunksender den Betrieb aufnehmen. Schneider, betonte, dass Radio Horeb „zu den großen Vorreitern für das digitale Radio zählt“.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Der Sender gewann immer mehr prominente Fürsprecher aus Kirche und Gesellschaft. Besonderes Lob von Weihbischof Florian Wörner erhalten die neu eingeführten Evangelisationskurse (2015).

Mittlerweile existiert ein fester Mitarbeitestamm von 51 Personen, 30 davon in Balderschwang. Bundesweit unterstützen darüber hinaus mehr als 600 ehrenamtliche Mitarbeiter in Redaktion, Technik und Pfarreien vor Ort die Arbeit von Radio Horeb.

Durch diesen Einsatz können zwei Sendestudios in Balderschwang und München und ein mobiler Übertragungswagen ihre Hörer weltweit via Internet und über UKW, DAB+, Satellit und Kabelnetze in ganz Deutschland erreichen. Radio Horeb erzielt so Spitzenreichweiten von über 200 000 Hörern täglich. Die gesamte Arbeit des Senders ist spendenfinanziert. AS

Weitere Informationen: www.horeb.org