15.04.2015 14:50

Apg 3, 12a.13–15.17–19; 1 Joh 2, 1–5a; Lk 24, 35–48 Ihr seid Zeugen dafür. Zu den Lesungen des dritten Sonntags der Osterzeit (Lesejahr B) VON HARM KLUETING Die Sonntagslesung

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Das Evangelium zum Ostersonntag hat uns Johannes als den Jünger vor Augen gestellt, der „sah und glaubte“ (Joh 20, 8), als den, der unter dem überwältigenden Eindruck des leeren Grabes, der ordentlich zusammengelegten Binden und des sauber gefalteten Schweißtuches als erster zum Glauben an die Auferstehung des Herrn findet, und das vor der Begegnung mit dem Auferstandenen. Im ersten Brief an die Korinther schreibt Paulus: „Christus ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich, die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir“ (1 Kor 15, 4–8). In der Apostelgeschichte des Lukas steht: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen“ (Apg 3, 15b). Und im Brief an die Hebräer ist von der „Wolke von Zeugen“ (Hebr 12, 1) die Rede, was hier so viel bedeutet wie ,dicht gedrängte Menge‘. Weil es diese „Wolke von Zeugen“ durch die Jahrhunderte hindurch gibt, können auch wir an die Auferstehung Jesu Christi glauben. Mit Ausnahme dieser Stelle im Hebräerbrief sprechen hier überall Zeugen davon, dass sie den Auferstandenen gesehen haben. Ganz anders die Geschichte von der Erscheinung des auferstandenen Christus vor den Jüngern nach Lukas! Hier spricht der Auferstandene: „Ihr seid Zeugen dafür“. In einer anderen Übersetzung heißt das: „Seid dafür Zeugen“. Das klingt nach einer Aufforderung an die Jünger, als Zeugen seiner Auferstehung hinauszugehen zu den Menschen und zu bezeugen, dass der Gekreuzigte wirklich auferstanden ist.

Die Geschichte schließt unmittelbar an die Perikope von den Emmausjüngern an, dem Evangelium für den Ostermontag. Ja, der letzte Satz der Emmausgeschichte ist zugleich der erste Satz des Evangeliums für den dritten Sonntag der Osterzeit. Die beiden Emmausjünger, denen in der Stube in Emmaus beim Brechen des Brotes „das Licht aufgegangen“ und denen dabei der Auferstandene erschienen ist, kommen nach Jerusalem und erzählen den anderen, „was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn – Jesus – erkannt haben, als er das Brot brach“. Dann wird berichtet, wie der Auferstandene in die Mitte der Jünger tritt und ihnen allen erscheint, wie er ihnen seine Hände und seine Füße zeigt und sie dazu einlädt, ihn zu berühren. Er macht ihnen dieses Angebot, weil ein Geist – oder ein Gespenst – kein Fleisch und keine Knochen hat, wie man sie an ihm sehen und fühlen kann.

„Fleisch und Knochen“? Von Fleisch und Knochen des Auferstandenen spricht die Bibel nur hier. Scheinbar ist das ein Widerspruch zu der Aussage des Paulus in 1 Kor 15, 35–50, wonach der neue oder „zweite Mensch vom Himmel“ anders sein wird als der „erste Mensch aus Erde“, weil „Fleisch und Blut“ nicht das Reich Gottes erben können. Doch ist diese Stelle Grundlage der Aussage über die „Auferstehung des Fleisches“ im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Gemeint ist, dass die Auferstehung Jesu keine bloß geistige Auferstehung und der Auferstandene nicht nur Geist ist.

Und die Jünger? – „Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben.“ Sie sind überwältigt, ungläubig vor Freude. Sie sind fassungslos. Aus diesem fassungslosen Staunen hilft Jesus ihnen heraus, indem er noch deutlicher wird. Er verlangt nach etwas zu essen. Stumm reichen ihm die Jünger gebratenen Fisch. Er nimmt den Fisch und isst vor ihren Augen. Das ist wieder die Mahlgemeinschaft – das gemeinsame Essen, wie in der Stube in Emmaus –, und die Jünger sehen ihn essen. Kann ein Gespenst essen? Kann das eine Gestalt, von der man sich nur einbildet, dass sie von den Toten auferstanden ist? Die Mahlgemeinschaft mit Jesus, der tot und begraben war und jetzt mit ihnen und vor ihren Augen isst, macht die Jünger zu Augenzeugen des Auferstandenen.

Und dann ruft er ihnen in Erinnerung, was er ihnen vor seinem Tod gesagt hat. Er spricht von der Notwendigkeit der Erfüllung alles dessen, was im Alten Testament, bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen, über ihn vorausgesagt ist – „alles muss in Erfüllung gehen“ –, wie er auch schon vor seiner Kreuzigung zu ihnen gesprochen hat (Lk 9, 22; Lk 18, 31–33). Das ist dasselbe „muss“ wie in dem „musste nicht der Messias all das erleiden?“ der Emmausperikope. Aber dennoch geschieht hier das Umgekehrte dessen, was wir aus der Emmausgeschichte kennen: Dort zuerst die Schriftauslegung, die wirkungslos bleibt und bei den beiden Emmausjüngern nicht zum Erkennen des Auferstandenen führt, und danach die Mahlgemeinschaft und das Brotbrechen, bei dem ihnen „die Augen aufgehen“ (Lk 24, 31); hier zuerst das gemeinsame Essen, bei dem die Jünger noch immer in ihrer Fassungslosigkeit verharren; erst danach „öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift“. Hier erst schließt seine Auslegung der Schrift; und hier erst gehen ihnen die Augen auf: „Der Messias wird leiden und am dritten Tag auferstehen“ – Er ist auferstanden!

Mit dieser Erkenntnis beginnt der Weg der Völkermission – und beginnt die Kirche: Er selbst, der auferstandene Christus, spricht zu den Jüngern: „In seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid meine Zeugen.“ Die Jünger sind Zeugen dessen, was geschehen ist und was sie gesehen und erlebt haben: Das Kreuz, Jesu Tod, das leere Grab, den Auferstandenen. Als Zeugen sind die Jünger auch die ersten Träger der Völkermission – die Apostel, was so viel wie „Bote“ bedeutet. „Ihr seid Zeugen“ – oder: „Seid dafür Zeugen“ – beides ist dasselbe. Diese drei entscheidenden Worte lauten in der griechischen Originalfassung: „hymeis martyres touton“ – ihr seid Zeugen alles dessen! Das griechische Wort „martyres“, „martys“ hat zwei Bedeutungen: Zeuge und Märtyrer. Tatsächlich starben fast alle Apostel als Märtyrer – weil sie die Auferstehung Jesu Christi bezeugten. Das macht ihr Zeugnis – und das macht sie als Zeugen – umso glaubwürdiger.

Vom Zeugnis und von der Erfüllung der Voraussagen des Alten Testaments spricht auch Petrus in seiner in der Apostelgeschichte überlieferten Rede vor dem Volk von Jerusalem: „Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.“ Petrus sagt in dieser Rede den Juden, dass „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, seinen Knecht Jesus“ – das ruft die Gottesknechtslieder beim Propheten Jesaja (Jes 42, 1–4; 49, 1–6; 50, 4–9; 52, 13–53, 12) in Erinnerung, die nach christlichem Verständnis Ankündigungen Jesu Christi sind – „verherrlicht“ und „auf diese Weise erfüllt hat, was er durch den Mund aller Propheten im voraus verkündet hat“. Das Leiden Christi, sein Tod am Kreuz, war also gottgewollt, und Petrus gesteht den Juden und ihren Führern zu, nur „aus Unwissenheit gehandelt“ zu haben. Die Ausweitung auf die Völker und auf die ganze Welt kommt auch bei Paulus im ersten Korintherbrief zum Ausdruck: Jesus „ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt“.

Aber auch davon ist die Rede, wie wir Jesus Christus erkennen können, so wie die Jünger den Auferstandenen erkannten und bezeugten, ihn erkannt zu haben: „Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben.“ Manche Exegeten belehren uns, dass es hier nicht um das Erkennen Jesu Christi geht, sondern um die Erkenntnis, ob ein Mensch „in ihm“ oder in Gott ist. Der griechische Text, von dem die deutsche Übersetzung abweicht, gibt dieser Auslegung recht, denn dort steht: „en touto ginoskomev hoti en auto esmen“ – „Daran“, am Festhalten an seinem Wort, „erkennen wir, dass wir in ihm sind.“ Aber der Sinn gibt der Übersetzung recht, dass wir nur „in ihm“ sind, wenn wir ihn – Jesus Christus – „erkannt haben“.

An vielen Orten der Welt werden auch in unseren Tagen Christen verfolgt. Auch in der heutigen Zeit sterben Menschen für ihren Glauben an den Auferstandenen. Sie sterben als Märtyrer, als glaubwürdige Zeugen. Von uns verlangt man das in den allermeisten Fällen nicht. Es ist genug – und dann sind auch wir glaubwürdige Zeugen –, wenn wir das tun, was im ersten Johannesbrief unmittelbar im Anschluss an unseren Lesungstext steht: „Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat“ (1 Joh 2, 6). Und man lebt wie er, Jesus Christus, wenn man „seinen Bruder liebt“ (1 Joh 2, 10). Auch das steht im ersten Johannesbrief und bezieht die Schwestern ein. Und im Johannesevangelium lesen wir: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Joh 13, 34–35). So wird die Liebe der Christen untereinander zum Zeugnis, an dem die, die Jesus Christus noch nicht erkannt haben, ihn erkennen können.



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