Blog Römische Warte An dieser Stelle bloggt regelmäßig Guido Horst aus dem Vatikan.
Er ist der Rom-Korrespondent der "Tagespost".



"Den ganzen Tag über schaue ich auf die Glaubenskongregation, die Kolonnaden des Petersplatzes, die stets geschlossenen Fenster des vatikanischen Staatssekretariats. Wen wundert es, dass mein Büro im Schatten der Kuppel des Petersdoms zu einem Umschlagplatz geworden ist, zu einem Umschlagplatz für Gerüchte und diskrete Informationen, zu einer Nachrichtenbörse - und manchmal zu einem Ort für Lamentos und Klagen. Italienische Blogs aus dem Umfeld des Vatikans führen klingende Namen wie »Sacri palazzi« - »Heilige Paläste« - oder »Settimo cielo« - »Siebter Himmel«. Ich nenne meinen trocken-deutsch »Römische Warte«, von der aus ich aber hoffe, dennoch das ein oder andere Wissens- und Lesenswerte in die deutschsprachige Welt des Internets zu befördern."



17.05.2011 21:07

Nicht Pädophilie, sondern Homosexualität

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Immer wieder ist zu lesen, im katholischen Klerus grassiere eine Verhaltensstörung namens Pädophilie. Die Fakten belegen, dass pädophile Priester eine seltene Ausnahme sind. Wenn es zum Missbrauch Jugendlicher kommt, hat dieser meistens einen anderen Hintergrund. Ein Plädoyer für die Klarheit der Begriffe. - - - So ganz verstehe ich sie nicht, meine lieben italienischen Kollegen "vaticanisti", die Vatikanberichterstatter im Umfeld der Päpste, die in diesen Tagen natürlich das Rundschreiben der Glaubenskongregation in Sachen Missbrauch zu kommentieren hatten und dabei in der Regel von den "norme antipedofilia" des Vatikans sprachen, den "Normen gegen die Pädophilie". Dabei haben wir in Italien - ebenfalls in diesen Tagen - den Fall von Don Riccardo Seppia, des Pfarrers von Sestri Ponente in der Erzdiözese Genua, der seit Samstag hinter Gittern sitzt. Er ließ sich von einem Zuhälterring Jungen im Alter von 14, 15 Jahren zuführen, verabreichte ihnen Drogen und verging sich an ihnen. Kardinal Angelo Bagnasco, Erzbischof von Genua und Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz, hat die erschütterte Gemeinde aufgesucht und mit den Gläubigen einen Gottesdienst gefeiert. Nur wie so in vielen Fällen ist das keine Pädophilie. Es geht vielmehr um ein Hingezogensein zu Jugendlichen des gleichen Geschlechts, die bereits in der Pubertät sind. Was wirkliche Pädophilie angeht, also Unzucht mit Kindern, so gibt es unter Klerikern einfach keine signifikanten Zahlen. Natürlich, vereinzelte Fälle liegen vor. Sie bewegen sich aber unter dem Durchschnitt der gesamten männlichen Bevölkerung. Die sexuellen Vergehen katholischer Kleriker haben, wenn es um den Missbrauch Jugendlicher geht, stattdessen in der Regel einen homosexuellen Hintergrund. Und das, meine lieben Kollegen, ist das Problem: Nicht die Pädophilie, sondern die Homosexualität hat die Kirche im Westen im vergangenen Jahr in diesen Abgrund an Skandalen, an Verlust der Glaubwürdigkeit und Medienattacken gerissen. Kardinalsstaatssekretär Bertone hat vor einem Jahr bei einer Pressekonferenz in Lateinamerika in sehr verkürzter Form darauf hingewiesen - und wurde von der Homo-Lobby fast in der Luft zerrissen. Aber er hatte Recht: Im Klerus ist nicht die Pädophilie das Problem, sondern wenn schon dann das Ausleben der Homosexualität. Also wenn wir uns in diesen Tagen schon mit diesem schlimmen Thema beschäftigen mussten (weil die Glaubenskongregation nochmals "nachgefasst" hat), dann sollte man auch die richtige Begrifflichkeit wählen und nicht so tun, als sei Pädophilie ein Problem, das vor allem im Klerus grassiert. Das Gegenteil ist der Fall.

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