Blog Römische Warte An dieser Stelle bloggt regelmäßig Guido Horst aus dem Vatikan.
Er ist der Rom-Korrespondent der "Tagespost".



"Den ganzen Tag über schaue ich auf die Glaubenskongregation, die Kolonnaden des Petersplatzes, die stets geschlossenen Fenster des vatikanischen Staatssekretariats. Wen wundert es, dass mein Büro im Schatten der Kuppel des Petersdoms zu einem Umschlagplatz geworden ist, zu einem Umschlagplatz für Gerüchte und diskrete Informationen, zu einer Nachrichtenbörse - und manchmal zu einem Ort für Lamentos und Klagen. Italienische Blogs aus dem Umfeld des Vatikans führen klingende Namen wie »Sacri palazzi« - »Heilige Paläste« - oder »Settimo cielo« - »Siebter Himmel«. Ich nenne meinen trocken-deutsch »Römische Warte«, von der aus ich aber hoffe, dennoch das ein oder andere Wissens- und Lesenswerte in die deutschsprachige Welt des Internets zu befördern."



05.06.2011 20:21

Kardinal Marx in der Hölle

Allerdings nur in der kleinen. So heißt nämlich die Siedlung vor den Toren Roms, wo der Münchener Erzbischof heute seine Titelkirche in Besitz genommen hat, San Corbiniano im Viertel "Infernetto". Nicht Senioren prägten das Bild, sondern junge Familien mit vielen Kindern
ANZEIGE:
Wieder einmal ist der Korbinians-Bär über die Alpen gewandert - und das in gleich dutzendfacher Ausfertigung. Allerdings aus Lebkuchen. Diese Süßspeise in Bärengestalt (zu erkennen an dem Gepäck des Bistumsgründers Korbinian, das der Bär wegen seiner Freveltat auf dem Rücken bis nach Rom tragen musste) war die Morgengabe von Kardinal Reinhard Marx an die Kinder römischen Pfarrei San Corbiniano, die er heute feierlich "in Besitz genommen" hat. Damit ist der Münchener Erzbischof nun Pfarrer von San Corbiniano, der dortige Pfarrer zum Vize-Pfarrer degradiert und der bisherige Vize-Pfarrer zum... ich weiß nicht was. Das wird die beiden aber dennoch nicht ärgern. Denn mit Kardinal Marx, dessen Titelkirche San Corbiniano nun ist, haben die beiden das große Los gezogen. Im nicht gerade unterbelichteten Finanzhaushalt der Erzdiözese München wird die Pfarrei sicherlich einen Ehrenplatz einnehmen. Eine modern gestaltete Statue des heiligen Korbinians mit Bär hatte der Münchener Erzbischof schon mal vorausgeschickt - sie stand heute schon in einer Nische des frisch errichteten Kirchenbaus und die Damen des Viertels können gegen eine kleine Gabe ein Licht vor dem Heiligen entzünden - per Knopfdruck, elektrisch.
Eine typische römische Pfarrei ist San Corbiniano allerdings nicht. Sie liegt im Stadtteil "Infernetto" (kleine Hölle) weit außerhalb Roms, fast schon am Meer, an der "Cristofero Colombo", jener Ausfallstraße, die in Rom durch die Trabantenstadt EUR führt. Auf der anderen, der nördlichen Seite der "Cristofero Colombo" liegt das Paradies, "Casal Palocco", ein Nobelviertel im Grünen, wo Filmschauspieler und Fußballstars wohnen. Südlich also die "kleine Hölle", wo eher einfache Leute zuhause sind. Typisch römisch ist San Corbiniano auch deshalb nicht, weil die Kirche zwar modern, aber nicht gerade ansehnlich ist - ein moderner Zweckbau eben zu sakralen Zwecken. Anders als in Deutschland tragen nicht Senioren das Leben der Pfarrei, sondern junge Familien mit vielen Kindern. Darum die Bären aus Lebkuchen. Beim Kalten Buffet nach dem Festgottesdienst ging es zu wie beim Kindergeburtstag. Nur sorgten keine Clowns für die gute Stimmung, sondern eine bayerische Blaskapelle.

Wenn Sie zu diesem Blog oder Beitrag dem Autor Anmerkungen, Kritik, Lob oder einen Kommentar schreiben wollen, nutzen Sie bitte das folgende Formular:

ANZEIGE:
Vorname
Name
E-Mail Adresse
Ihre Nachricht
 
 


  Drucken     Versenden

Umfrage

Welches Regierungsbündnis würden Sie bevorzugen?
Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 
ANZEIGE:
ANZEIGE:
ANZEIGE:
ANZEIGE:
ANZEIGE:
ANZEIGE:
DIE TAGESPOST
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlags. Alle Rechte vorbehalten.