Blog Römische Warte An dieser Stelle bloggt regelmäßig Guido Horst aus dem Vatikan.
Er ist der Rom-Korrespondent der "Tagespost".



"Den ganzen Tag über schaue ich auf die Glaubenskongregation, die Kolonnaden des Petersplatzes, die stets geschlossenen Fenster des vatikanischen Staatssekretariats. Wen wundert es, dass mein Büro im Schatten der Kuppel des Petersdoms zu einem Umschlagplatz geworden ist, zu einem Umschlagplatz für Gerüchte und diskrete Informationen, zu einer Nachrichtenbörse - und manchmal zu einem Ort für Lamentos und Klagen. Italienische Blogs aus dem Umfeld des Vatikans führen klingende Namen wie »Sacri palazzi« - »Heilige Paläste« - oder »Settimo cielo« - »Siebter Himmel«. Ich nenne meinen trocken-deutsch »Römische Warte«, von der aus ich aber hoffe, dennoch das ein oder andere Wissens- und Lesenswerte in die deutschsprachige Welt des Internets zu befördern."



23.08.2011 13:59

Ignatius der Soldat, der unpopuläre Heilige

Als der erste Ordensgeneral der Jesuiten starb, hatte seine Gesellschaft schon um die 10.000 Mitglieder. Irgendwo müssen die ja hergekommen sein. Daran, dass Ignatius von Loyola ein Strahlemann des süßen Lebens gewesen sein könnte, lag's wohl nicht.
In diesen Tagen findet das Meeting von Comunione e Liberazione in Rimini statt, das Fernsehen berichtet fleißig und ich am kommenden Dienstag in der Tagespost. Ansonsten aber hält die "afa", die Hitze, Italien im Griff - und bei Temperaturen um die 40 Grad will das normale Leben nicht so richtig anspringen. Weiter also im Heligen-ABC zum Buchstaben "I", wo mir sofort Ignatius von Loyola (1491-1556) einfällt, der Gründer der Gesellschaft Jesu, kurz Jesuiten genannt.
Ignatius, der ehemalige Soldat, war kein einsamer Gründer, sondern rief die Gesellschaft zusammen mit sechs Freunden ins Leben. Noch während des Studiums in Paris hatte er Kommilitonen getroffen, die seinen Wunsch, Gott zu dienen, teilten: Peter Faber, Franz Xaver, Simon Rodrigues de Azevedo, Diego Laínez, Alfonso Salmerón und Nicolás Bobadilla. Am 15. August 1534, zu Mariä Himmelfahrt, legten die Sieben in der Kapelle St. Denis am Montmartre die Gelübde der Armut, der Keuschheit und der Mission in Palästina ab. Dieses gemeinsame Gelöbnis am Montmartre gilt als Keimzelle jener Gemeinschaft, die sich ab 1539 Gesellschaft Jesu nannte und deren erster Ordensgeneral 1541 Ignatius wurde. Als er fünfzehn Jahre später starb, hatte der Orden der Jesuiten bereits 10.000 Mitglieder, noch heute ist er der größte in der katholischen Kirche.
Ignatius von Loyola ist kein Heiliger, bei dem einem heute das Herz aufspringt. Die soldatische und asketische Art, wie er etwa in den "Geistlichen Übungen" um die Reinigung und Heiligung der Seele ringt, ist heute einfach unpopulär. Aber nehmen wir einmal "populäre" Selige und Heilige, wie Mutter Teresa oder Papst Karol Wojtyla (von Pater Pio hier in Italien ganz zu schweigen): Wie viele geistliche Übungen, wie viele Stunden des Ringens um das Einswerden mit Jesus Christus, wie viel Aufopferung und Abtötung der schlechten Regungen haben sie durchlebt, um dann nach außen als die gütigen, milden und anziehenden Vorbilder des Glaubens dazustehen.
Aus dem - nennen wir es einmal so - "Handbuch des christlichen Lebens" sind heute Begriffe wie Opfer, Verzicht, Umkehr, Buße, Ringen um die Wahrheit, Ringen um die eigene Berufung oder Hingabe und Kreuz so gut wie verschwunden. Auch aus der kirchlichen Verkündigung. (Nur das Fasten ist geblieben - hin und wieder, wenn es darum geht, ein paar Pfunde abzunehmen.) Stattdessen muss man sozial sein, etwas für die Armen und Unterdrückten tun, Frieden schaffen (ohne Waffen) und die Umwelt bewahren. Und da kommt so ein unpopulärer Ignatius daher, der lehrt, dass die Hinwendung zu Gott - oft unter Mühen - in der eigenen Seele beginnt. Doch bei diesem heute sicher unpopulären Zug christlicher Vollkommenheit kommt ein Aspekt zu kurz - und das sind genau die sechs Freunde, mit denen Ignatius zusammen diese geistliche Reise begann. Dazu das nächste Mal mehr.

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