Hier bloggen vom 10. bis 22. August Mitglieder des Projektes "junge Federn" der "Tagespost" entweder direkt vor Ort aus Spanien oder als Daheimgebliebene aus Deutschland über den Weltjugendtag 2011 in Madrid. Mitglieder des Projektes sind (in alphabetischer Reihenfolge): Christian Beirowski (Regensburg), Benedikt Bögle (Ettal), Matthias Bürgel (Köln), Rudolf Gherig (Würzburg), Joseph Kauer (Erfurt), Veronika Lange (Magdeburg), Eva Leifeld, Sebastian Pilz (Fulda), Franziska Pröll (Freiburg), Peter Rinderer SDB (Österreich), Reinhild Rössler (Köln), Miriam Schilling (Trier), Theresa Wagener (München), Katharina Wolf, Luise Thiede (Berlin) und Andreas Titze (Görlitz).






23.08.2011 17:40

Juventutem

Von Reinhild Rössler
Farben über Farben schwirrten durch die Hitze Madrids, als der Heilige Vater seine Jugend begrüßte. So bunt wie das Meer der Fahnen und Hüte, die dem Papst zuwinkten, waren auch die Nationalitäten und Spiritualitäten der Jugendlichen. Und doch sind alle vereint in der Gemeinschaft der katholischen Kirche und der Verbundenheit mit ihrem Heiligen Vater. Eine der vielen Fahnen, die den Papst willkommen hießen gehörte der Gruppe „Juventutem“. Diese Jugendlichen, die aus aller Welt kommen, sind verbunden durch die Liebe zur Feier der heiligen Messe nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Ihren Namen, der an die ewige Jugend bei Gott erinnern soll, entnahm die Gruppe dem Psalmvers des Stufengebets „Introibo ad altare Dei, ad Deum, Qui laetificat juventutem meam“. Das Zeichen, dass die „Foederatio internationalis Juventutem“ auf der Fahnen trägt, ist eine Strahlenmonstranz. Die Anbetung des Sakraments der Eucharistie und die Verehrung der Liturgie in ihrer alten Form ist die Grundlage dieser Gemeinschaft. Der Weltjugendtagspilger, der am Morgen vor der täglichen Katechese die Kirche San Juan Batista, das geistliche Zentrum von „Juventutem“ beim Weltjugendtag betrat, traf vor allem Franzosen, Schweizer und Briten an. Es waren aber auch Amerikaner und Kanadier und sogar eine deutsche Gruppe mit dabei. Statt eines „Animationsteams“, das bei den deutschen Bischofskatechesen die Pilger am Morgen in Stimmung bringen sollte, wurden hier die Katechesen, die in Englisch und Französisch abgehalten wurden, mit einem Gebet begonnen. Es war ruhig im Raum, als dann der Priester begann, über Gott und seine Beziehung zu den Menschen zu sprechen. Anhand des „Youcat“, den jeder Pilger im Rucksack hatte, legte der Priester die Bedeutung der Worte „Gott ist die Liebe“ dar. „Gott“, so erklärte der Pater der Petrusbruderschaft, „sagt uns nicht nur, wie er ist, sondern er offenbart sich uns in seinen Handlungen, die uns seine Liebe ganz direkt erfahren lassen!“ Es waren mehr als nur ein paar der Anwesenden, die diese Erfahrung in den Tagen in Madrid selbst auf wundervolle Art und Weise machen durften. Auf die Nachfrage eines Jugendlichen, wie er zu anderen Formen der Liturgie stehe, antwortete er: „Wir wollen der Wahrheit folgen und finden diese in der alten Messe, es liegt jedoch nicht in unserer Hand über andere Liturgien zu entscheiden, das ist Sache des Papstes und wir sind mit ihm in einer Einheit.“. Besonders deutlich wurde die Gemeinschaft und Einheit der Jugendlichen in der Feier der Eucharistie. Es war für alle die Messe, die sie kennen und verstehen, ihr besonderer Weg, dem Geheimnis der Eucharistie näher zu kommen. Dabei wurde deutlich, dass die Messe für die ungefähr 2000 Jugendlichen, die die Kirche San Juan Batista bis zum Rand füllten, kein Politikum war. Sie finden darin Stabilität und Faszination. Die immer gleichen Worte und Handlungen in der Messe helfen, den Glauben zu stärken und die Andacht zu vertiefen. Es geht ihnen nicht darum, unterhalten zu werden, die Jugendlichen suchen Stille zum Gebet, zur Anbetung. Gleichzeitig fasziniert die vollkommene Ausrichtung auf das Heilige, das den betenden Menschen ins Transzendente entführt. Diese Zentrierung auf Christus wird deutlich in der Haltung, den Bewegungen, den Gebeten und den Gesängen, die alle in der Kirche kennen und mitvollziehen. Nach der Messe finden sich die Jugendlichen von Juventutem mittendrin im Gewühl der Menschen, um ihren Heiligen Vater zu begrüßen, ihm zuzujubeln und dabei die Freude darüber zu spüren, dass für jeden, der Christus folgen will, ein Platz in der Kirche ist. „Juventutem“ ist keine Jugendgruppe der Petrusbruderschaft, oder anderer traditioneller geistlicher Gemeinschaften, auch wenn sie sich mit ihnen verbunden sehen und dort die Messe besuchen. Es sind Jugendliche, die sich beim Besuch der Heiligen Messe in ihren Wohnorten kennen lernen. Sie treffen sich, um gemeinsam zu beten und sich über ihren Glauben auszutauschen. In 16 Ländern der Welt gibt es schon 31 Gruppen, die sich „Juventutem“ zuordnen. Als Papst Benedikt XVI das Motu proprio zur Wiederbelebung der überlieferten Form des römischen Ritus erlies, wünschte er sich, dass dies mehr als ein Erlass für eine spezielle Gruppierung der Kirche ist, sondern, dass sich die beiden Formen des römischen Ritus gegenseitig befruchten. Er wollte keine Abspaltungen, oder Zersplitterung, sondern die Einheit in der Vielfalt der Kirche erhalten. Es sind immer mehr Jugendliche, die durch die Form dieser alten Liturgie näher zu Gott finden. Sie wollen keine Randgruppe der Kirche sein, sondern sind ein Teil von ihr. Das wurde beim Weltjugendtag deutlich. Die junge Generation kennt nicht die Zeit, in der der Kampf um die Liturgie die Kirche entzweite. Der Heilige Vater hat ihnen ein Geschenk gemacht, als er auch diese Form des Ritus wieder zuließ. Und die Jugend nimmt dieses Geschenk dankbar an. Vielleicht gilt damit der Auftrag des Heiligen Vaters besonders den Jugendlichen. Vielleicht werden sie es sein, durch die die Kirche wieder zu einer Einheit in der Liturgie finden kann.

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