Abtreibung zum Thema machen

Die Babyflaschen-Aktion von 1000plus bietet die Chance, das vernachlässigte Thema Abtreibung von der Peripherie ins Zentrum zu holen. Von Bettina Skade

Papst Franziskus wird nicht müde zu wiederholen, wie wichtig es ist, an die Ränder zu gehen. Die Ränder, das bedeutet, sich vernachlässigter Themen und Menschen anzunehmen und die Sorge um diese Menschen mitten in unsere Gemeinden vor Ort zu holen. Ich bin der Meinung, dass die Babyflaschen-Aktion von 1000plus (BFA) eine große Chance für unsere Kirchengemeinden ist, ein sehr vernachlässigtes Thema von der Peripherie mitten ins Zentrum zu holen: das Thema der Abtreibung und die Frage, wie Hilfe für verzweifelte Schwangere in Not aussehen kann!

Ein Pastor schreibt an das 1000plus-Team: „Die Babyflaschen-Aktion ist in unserer Gemeinde sehr gut angenommen worden. Durch die Aktion ist uns als Gemeinde die Not und Problematik rund um das Thema Abtreibung und Schwangerschaftskonfliktberatung neu bewusst geworden. Deshalb ist es für uns wichtig, die Aktion 1000plus so gut es uns möglich ist zu unterstützen, denn die Arbeit von 1000plus ist sehr wertvoll. Wir brauchen in unserem Land wieder ein neues positives Bewusstsein für den Wert vom menschlichen Leben. Wir wünschen uns, dass durch 1000plus Gott noch vielen weiteren Gemeinden seinen Segen schenkt.“

Rückmeldungen wie diese gehen regelmäßig bei 1000plus ein. Die Babyflaschen-Aktion ist seit 2010 ein wichtiges Instrument, um in einprägsamer Weise auf die Situation von ungewollt Schwangeren aufmerksam zu machen und Unterstützer für die Beratung und Hilfe zu finden. Für viele Gemeinden ist die BFA auch eine willkommene Möglichkeit, das Thema Schwangerschaftskonflikt in einer einfühlsamen Weise ins Gespräch zu bringen. So bildet die Babyflaschen-Aktion mehrere Ziele des Projekts 1000plus ab: Zum einen ermöglicht sie maßgeblich die Beratung, Information und Hilfe für derzeit über 3 600 schwangere Frauen im Jahr. Zum anderen hilft sie, das Denken und Sprechen über Frauen im Schwangerschaftskonflikt in unserer Gesellschaft zu verändern.

Die Stimmen der Frauen

Gerade beim Thema Abtreibung ist es fatal, wenn über betroffene Frauen gesprochen wird, aber nicht mit ihnen. Das führt dazu, dass viele Vor- und Fehlurteile entstehen und kultiviert werden. Keiner hört so die Stimmen ungewollt schwangerer Frauen im Konflikt, aus denen wir heraushören, was Frauen in dieser Situation fehlt und wie wir ihnen helfen können. Durch die Babyflaschen-Aktion bekommen diese Frauen in den Kirchengemeinden eine Stimme. Während der Aktion werden Originalzitate aus der im Rahmen von 1000plus stattfindenden Beratung vorgetragen und unsere Arbeitsweise kurz umrissen. Die Reaktionen darauf sind oftmals sehr bewegend, wie uns immer wieder die Mitarbeiter unseres „Babyflaschen-Teams“ berichten: „Einmal kam ein Mann zu mir und bedankte sich nach meinem Vortrag für die Arbeit, die wir da machen. Er sei selbst als Baby fast abgetrieben worden und sei deshalb nun so dankbar für das Leben, das ihm geschenkt worden ist. Tränen liefen ihm dabei über die Wangen. Ich selber war sprachlos und so berührt – ich hätte ihn am liebsten umarmt!“ Die Babyflaschen-Aktionen sind somit viel mehr als eine Spendenaktion. Sie sensibilisieren nicht nur für das Thema, sie bauen auch vielen Menschen eine Brücke, um über das sonst so tabuisierte Thema der Abtreibung zu reden. Wie es 1000plus gelingt, durch die Fokussierung auf die Hilfe für Frauen in Not auch Betroffene anzusprechen, zeigt folgender Bericht einer BFA-Teamerin: „Vor ein paar Monaten war ich auf einer BFA in Norddeutschland. Nach dem Gottesdienst kam eine Frau sichtbar aufgewühlt zu mir, nahm mich spontan in den Arm und flüsterte mir schluchzend ins Ohr: ,Wo seid ihr vor 25 Jahren gewesen, als ich abgetrieben habe?‘ Noch bevor ich irgendwie reagieren konnte, sagte sie: ,Danke, dass es euch jetzt gibt! Und dass keiner Frau mehr das passieren muss, was ich erlebt habe. Danke, Gott!‘ Daraufhin beteten wir gemeinsam für alle Schwangeren, die Hilfe brauchen.“

Abtreibungsthema von der Peripherie holen

Papst Franziskus hat durch verschiedene Worte und Taten gezeigt, wie wichtig ihm das Thema Abtreibung ist. Das gilt zum einen für verwundete Frauen nach einer Abtreibung, wie seine Erteilung der Absolutionsvollmacht an alle Priester weltweit zeigt, die von dieser Sünde lossprechen dürfen. Zum anderen wurde der Wille des Heiligen Vaters deutlich, den Frauen bereits im Schwangerschaftskonflikt adäquate Hilfe zukommen zu lassen. Das verdeutlichte er bereits in seiner Antrittsenzyklika „Evangelii gaudium“, in der es über dieses Thema heißt: „Es ist nicht fortschrittlich, sich einzubilden, die Probleme zu lösen, indem man ein menschliches Leben vernichtet. Doch es trifft auch zu, dass wir wenig getan haben, um die Frauen angemessen zu begleiten, die sich in sehr schweren Situationen befinden.“ Und dann gab es auch noch die Privataudienz, die Franziskus vergangenen Juni 1000plus als der Organisation gewährte, die sich nicht durch das Abhalten von Demonstrationen oder politische Lobbyarbeit, sondern durch echte Beratung und konkrete Hilfe für ungewollt schwangere Frauen auszeichnet. Das alles spricht eine deutliche Sprache: Franziskus als der Papst, der an die Ränder geht, möchte auch das Thema Abtreibung und die Hilfe für Schwangere in Not zu einem zentralen Thema der Gemeindepastoral machen. Dazu kann die Babyflaschen-Aktion von 1000plus einen wichtigen Beitrag leisten.

Bettina Skade koordiniert von Heidelberg aus die Babyflaschen-Aktion® von 1000plus.




Hintergrund:

Die 1000plus-Babyflaschen-Aktion wurde 2010 ins Leben gerufen. Mittlerweile wurde sie über 1 500 Mal durchgeführt. Die Spenden aus der Babyflaschen-Aktion ermöglichen Beratung und Hilfe für ungewollt schwangere Frauen in Not. Der Ablauf einer 1000plus-Babyflaschen-Aktion gestaltet sich wie folgt: Katholische, evangelische und freikirchliche Gemeinden laden 1000plus ein, am Ende des Gottesdienstes einen kleinen Vortrag über die Situation schwangerer Frauen in Not zu halten. Nach dem Gottesdienst dürfen die Besucher sich eine zur Spendendose umfunktionierte 1000plus-Babyflasche mitnehmen. Nachdem sie im privaten Kreis oder am Arbeitsplatz gesammelt haben, geben sie in der Regel nach drei Wochen die gefüllte Babyflasche im Gemeindesekretariat wieder ab. Auf Wunsch erhalten die Teilnehmer eine Spendenquittung und weitere Informationen über 1000plus.

Neugierig? Wenn Sie sich für die Durchführung einer Babyflaschen-Aktion in Ihrer Gemeinde interessieren, erreichen Sie die zuständigen 1000plus-Mitarbeiter telefonisch unter 062 21 / 60 67-8 00. Unter dieser Nummer erhalten Sie auch weitere Informationen, wenn Sie sich eine Mitarbeit im deutschlandweiten „BFA-Team“ vorstellen könnten.

Erstaunliches zur Babyflaschen-Aktion: Prominentester Kenner der Babyflaschen-Aktion ist Papst Franziskus, dem die Aktion während der 1000plus-Privataudienz am 17. Juni 2016 vorgestellt wurde. „Soldini invecce del latte, che bello!“, zu Deutsch: „Spenden anstelle der Milch, wie schön!“, kommentierte Franziskus die Babyflaschen-Aktion von 1000plus sichtlich angetan.

Für viele Gemeinden gehört die Babyflaschen-Aktion schon fest zum „Kirchenjahr“, da sie die Aktion immer wieder durchführen. Pro Wochenende finden bis zu 15 Babyflaschen-Aktionen gleichzeitig statt. Auch wenn Ihre Gemeinde keine Babyflaschen-Aktion durchführt, können Sie bei 1000plus eine oder mehrere Babyflaschen bestellen und privat für Beratung und Hilfe für ungewollt schwangere Frauen in Not sammeln.

Rückblick