Abtreibung in Deutschland: Zahlen und Fakten

Nach § 218 Strafgesetzbuch (StGB) ist ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich für alle Beteiligten strafbar. Es gelten folgende Ausnahmen:

1) Beratungsregelung (§ 218a Abs. 1 StGB) Ein Schwangerschaftsabbruch bleibt straflos, wenn

– die Schwangerschaft innerhalb von 12 Wochen nach der Empfängnis durch einen Arzt abgebrochen wird,

– die schwangere Frau den Abbruch verlangt und

– sie dem Arzt durch die Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle eine mindestens drei Tage zurückliegende Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB nachgewiesen hat.

2) Indikationsstellung

Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig im Falle

– einer medizinischen Indikation (§ 218a Abs. 2 StGB), wenn der Schwangerschaftsabbruch unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse notwendig ist, um Lebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der schwangeren Frau abzuwenden; in diesen Fällen besteht keine zeitliche Begrenzung,

– einer kriminologischen Indikation (§218a Abs. 3 StGB) bis zur 12. Woche nach der Empfängnis, wenn dringende Gründe für die Annahme sprechen, dass die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt (sexueller Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder sexueller Missbrauch Widerstandsunfähiger) beruht.

Über die unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1–3 StGB vorgenommenen Schwangerschaftsabbrüche wird eine Bundesstatistik durchgeführt. Diese Statistik wird in den §§ 15 bis 18 Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) geregelt und vom Statistischen Bundesamt erhoben und aufbereitet.

Rückläufige

Abtreibungszahlen?

Ein Rückgang der gemeldeten Abtreibungszahlen bedeutet nicht automatisch, dass auch tatsächlich seltener abgetrieben wird. Das wird deutlich, wenn man die absoluten Abtreibungszahlen in Beziehung zu anderen aus Wiesbaden gemeldeten Zahlen setzt, wie der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter und der Zahl der Lebendgeburten. Ein Beispiel: Zwischen 1996 und 2004 sank laut dem Statistischen Bundesamt die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter (15–45 Jahre) von 17,11 auf 16,58 Millionen. Im gleichen Zeitraum sanken die Lebendgeburten von 796 013 (1996) auf 705 622 (2004). Folglich stieg der Anteil der Abtreibungen an den Lebendgeburten zwischen 1996 und 2004 von 16,4 Prozent auf 18,4 Prozent. Das bedeutet, dass bereits nach der offiziellen Abtreibungsstatistik zwischen 1996 und 2004 jedes sechste Kind, das hierzulande gezeugt, auch abgetrieben wurde.

Hohe

Dunkelziffer

Das Bundesinstitut für Bevölkerungswissenschaft (BiB) beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden geht davon aus, dass die offizielle Abtreibungsstatistik nur rund 60 Prozent der Abtreibungen erfasst. Von 1996 bis zum Jahr 2000 warnte das Statistische Bundesamt in seinen eigenen Mitteilungen jedes Jahr selbst davor, die von ihm veröffentlichten Zahlen als zuverlässig zu betrachten. Laut Manfred Spieker, emeritierter Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück, lässt sich beispielsweise für das Jahr 1996 „ein Meldedefizit von rund 55 Prozent“ bei Abtreibungen „nach medizinischer und kriminologischer Indikation nachweisen“: „Während das Statistische Bundesamt 4 874 Abtreibungen verzeichnete, wurden allein bei den gesetzlichen Krankenkassen, die diese Abtreibungen bis 1997 zu zahlen verpflichtet waren, 7 530 Fälle abgerechnet.“ DT

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