Abtreibung in Deutschland – interessiert es uns?

Liebe Leserinnen und Leser der Tagespost,

es stockt einem der Atem beim Gedanken an die Millionen von ungeborenen Kindern, die in den vergangenen Jahrzehnten noch im Mutterschoß getötet worden sind. Ich habe keine Zweifel daran, dass unsere Welt wärmer, schöner, fröhlicher, dass es einfach eine bessere Welt wäre, wenn all diese Menschen am Leben geblieben wären.

Wie viel Liebe ist verloren gegangen? Wie viel Freude? Wie viel Freundschaft, Zärtlichkeit und Wärme, wie viel Dankbarkeit und Wertschätzung fehlen, weil die Menschen nicht mehr da sind, die sie hätten schenken können? Wie viel Glück konnte nicht vergrößert werden und wie viel Leid nicht geschmälert, weil niemand da war, um es zu teilen? Wie viel Großzügigkeit fand keine Beschenkten, wie viele Träume konnten nicht in Erfüllung gehen? Wie viele Wünsche konnten nicht Wirklichkeit, wie viel Lebenssinn nicht gestiftet werden?

Sie fehlen uns, diese Kleinen, die alle einmal „groß und stark“ geworden wären. Diese Väter und diese Mütter, diese Brüder und diese Schwestern, diese Freundinnen und Freunde, diese Liebenden und Geliebten, diese Schenkenden und Beschenkten.

Was wäre aus ihnen allen geworden? Wir werden es nie erfahren. Was wir aber sicher wissen: Auch ihr Fehlen hat unsere Gesellschaft fundamental verändert.

Als wir uns im Herbst 2009 gemeinsam mit der Stiftung „Ja zum Leben“ vorgenommen haben, mit 1000plus ein Kooperationsprojekt zu starten, um eines Tages 1 000 Frauen im Schwangerschaftskonflikt jährlich zu beraten, erschien das nicht wenigen als eine – gelinde gesagt – verwegene Idee. So ein Wachstum innerhalb weniger Jahre? So viele Schwangere erreichen ohne staatliche „Beratungsscheine“? So ein großes Hilfsprojekt ohne staatliche Gelder, ohne kirchliche Trägerschaft und nur von Spenden finanziert?

Wir haben fest daran geglaubt, dass Gottes Segen auf dem Vorhaben liegt, durch kompromisslose, tätige Barmherzigkeit die Abtreibung tausender ungeborener Kinder zu verhindern. Wir waren entschlossen, mutig neue Wege zu gehen, um viel mehr Schwangere erreichen und beraten zu können! Wir haben fest auf die Großherzigkeit vieler Menschen vertraut, die unser Anliegen teilen und sich entschieden hinter diese Frauen stellen würden!

Wider Erwarten hatten wir unser Ziel schon im dritten Projekt-Jahr erreicht. Nicht nur das, bis heute erreichen uns so viele Beratungsanfragen, dass wir unsere Werbemaßnahmen im Internet regelmäßig einstellen müssen. Weil mehr Frauen anrufen oder E-Mails schreiben, als wir mit unseren personellen und finanziellen Ressourcen beraten können! Sie sehnen sich so sehr nach Anteilnahme, nach Wertschätzung, nach Freundschaft und nach einem Menschen, der ihnen sagt: „Du schaffst es!“ In ihren Herzen wünschen sie sich, sie könnten das Geschenk des Lebens doch weitergeben. Sie sind gekränkt und verletzt, allein und gedemütigt. Sie sagen und schreiben uns, dass sie so gerne auf ihr Herz hören würden, dass sie ihre Babys schon fühlen können und furchtbare Angst vor der Abtreibung haben. Und dann kommen immer wieder diese niederschmetternden Sätze: „Es gibt niemanden, der mich versteht“, „es tut wahnsinnig weh und ich habe keine Kraft mehr“ oder „ich schaffe es einfach nicht, ich kann nicht mehr“.

Wenn man diese Sätze jeden Tag hört und liest, klingt das Gerede von „Neutralität“ und „Entscheidungsfreiheit“ nur noch wie Hohn und Zynismus. Bei 1000plus sind wir nicht neutral, und wir werden es niemals sein! Einer verzweifelten Frau im Schwangerschaftskonflikt zu sagen, dass man neutral ist, bedeutet in Wahrheit nichts anderes, als zu sagen: „Es ist mir egal, wie Du Dich entscheidest!“

Niemals wird es uns egal sein, wie diese Frauen sich entscheiden. Was wir diesen Frauen und den Babys schulden, die sie unter ihren Herzen tragen, ist nicht Neutralität, sondern Nächstenliebe! Deshalb werden wir weiterhin alles in unserer Macht stehende tun, um diesen Frauen zu helfen und mit ihnen gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeiten, damit Entscheidungen FÜR das Leben möglich werden.

Bitte unterstützen Sie uns dabei!

Kristijan Aufiero ist Initiator des Projekts 1000plus und Vorsitzender des Vorstands von Pro Femina e.V.

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