Das Shoppen ist des Pilgers Lust

Von himmlisch-blauen Kacheln und spitzengerahmten Heiligenbildchen: Einkaufen, Freizeit, Unternehmungen in und rund um Fatima. Von Barbara Wenz

Bei der Souvenirsuche in Fatima lohnt sich ein Blick in originelle Läden. Foto: Wenz

Eigentlich ist es fast schon wieder sympathisch, dass Fatima, obwohl der größte Wallfahrtsort des Landes und durchaus von großer internationaler Bedeutung, so fest in portugiesischer und spanischer Hand ist. Die Azulejos, die himmlisch-blauen Kacheln, die man hier mit den Motiven der Gottesmutter und den Hirtenkindern findet, haben zu 99 Prozent portugiesische Beschriftung, Englisch wird zwar in den Bars und Restaurants verstanden, aber von den Devotionalienherstellern herzlich ignoriert. Dieser besondere Stolz auf die eigene Sprache mag wohl noch aus den alten Zeiten herstammen, als die Portugiesen eine mächtige katholische Nation waren, und nicht ein kleiner Staat irgendwo am äußersten westlichen Rand der Europäischen Union. Ein wenig Abenteurergeist muss man also mitbringen, wenn man sich außerhalb der Touristenhochburgen an der Algarve bewegt.

Auch die einschlägige Literatur und der Buchhandel hat sich in Fatima bislang kaum auf internationale Gäste einstellen wollen. Erste Anlaufstelle ist die offizielle Buchhandlung des Heiligtums, linker Hand der Basilika, auf der Seite der Erscheinungskapelle also, unter den Arkaden. Das Regal mit deutscher Literatur zum Thema nimmt sich bescheiden aus, noch weniger Bücher stehen freilich im russischsprachigen Fach. Dennoch ist es die erste Anlaufstelle, geöffnet jeden Tag von 9 bis 19 Uhr, ebenso wie der offizielle Devotionalienladen direkt nebenan, in dem es Statuen, Rosenkränze, Ikonen, Skapuliere, Andenken aller Art zu deutlich günstigeren Preisen als anderswo in der Stadt gibt. Auch bei den Steyler Missionaren, die an ihr Wellness-Hotel mit Spa am Platz Paul VI. einen beeindruckenden Verkaufsraum für liturgisches Gerät und Paramente angegliedert haben – sogar Kniebänke und Vortragekreuze lassen sich dort erstehen – gibt es deutschsprachige Bücher zu Fatima, allerdings ebenso überschaubar wie in der Buchhandlung des Heiligtums. Wer an Literatur zu den Erscheinungen von „Nossa Senhora“ und über die Hirtenkinder interessiert ist, sollte sich deshalb am Besten im deutschen Buchhandel vorab eindecken.

Nicht unerwähnt bleiben sollte das Geschäft mit den vielleicht schönsten, aber wohl auch teuersten Devotionalien und Gegenständen sakraler Kunst. Im „Decorarte“, nur einen Steinwurf vom heiligen Bezirk entfernt, auf dem Ed. Joao Paulo II genannten Plätzchen mit vielen Cafés und Restaurants, hinter dem großen Hotel Fatima, findet man Bilder, Möbel, Statuen, Kerzen, Vasen und Schalen, Silberkreuze in allen Größen, Reproduktionen von Ikonen und ganz bezaubernde Heiligenbildchen auf weißer künstlicher Spitze wie aus den guten alten Zeiten. Die meisten Geschäfte und Restaurants akzeptieren bargeldlose Zahlung und die gebräuchlichsten Kreditkarten.

Am bereits genannten Platz Paul VI., unweit des heiligen Bezirks, befindet sich auch ein Geldautomat, ein weiterer in der Avenida de St. Agostino, welche vom Busbahnhof hinauf in die Stadt führt, direkt daneben auch eine Apotheke, leicht identifizierbar durch das große grüne Kreuz.

Von dort aus kommt man auch auf die Rua Jacinta Marto, in deren Läden man nicht nur die schönsten Täschchen, Börsen und Etuis aus dem Naturmaterial Kork angeboten bekommt, sondern sich auch in einem Mini-Market mit allem Notwendigen – vom Mineralwasser über Wurst, Käse und Brot bis hin zu Haarspray – eindecken kann. Für Selbstversorger gibt es weitere gute Möglichkeiten in der Nähe des Busbahnhofes; dort befindet sich, wendet man sich nach links in wenigen Metern Entfernung in der Avenida de Dom José Alves Correia da Silva der Supermarkt Pingo Doce, ein Stück weiter der große Continente-Markt in der Rua das Terras Novas. Mini-Preço findet sich auf der Südseite des Heiligtums. Außerdem wird gerade eine Aldi-Filiale erbaut, allerdings ist über das Datum der Eröffnung noch nichts bekannt.

Für Ausflüge in die nähere Umgebung bieten sich – neben dem nur zwei Kilometer entfernten Aljustrel, dem Geburtsort der Seherkinder – vor allem die drei Klosteranlagen Alcobaça, Batalha und Tomar in einem Umkreis von etwa 50 km an. Alle drei sind UNESCO-Weltkulturerbestätten. Das ehemalige Zisterzienserkloster der Heiligen Maria von Alcobaça war einst eine Schenkung an den heiligen Bernhard von Clairvaux, wurde 1833 aufgegeben und stellt Portugals größtes bauliches Ensemble dieser Art dar. Batalha dagegen wurde mehr als zwei Jahrhunderte später gegründet und ist der Madonna vom Siege gewidmet; ein märchenhaft schöner gotischer Bau. Tomar schließlich ist eine Gründung der Tempelritter, wurde als Burgbau begonnen und schließlich zum Wehrkloster ausgebaut.

Der Atlantik ist gut 60 Kilometer von Fatima entfernt und wer Lust und Zeit hat, möchte vielleicht noch den Küstenort Nazaré mit dem ältesten Marienheiligtum des Landes besuchen, dessen Gnadenbild aus dem vierten Jahrhundert stammen soll – wobei es auch eine Tradition gibt, die es auf den heiligen Josef selbst zurückführt. Nazaré ist aber auch in der Welt des Wassersports ein Begriff: Im Frühjahr 2014 wurde dort mit 32 Meter die höchste bekannte Welle gemessen.

In der Winterzeit findet dort der sogenannte Big-Wave-Contest statt, bei dem sich die besten Surfer der Welt einfinden. So gibt es in und um Fatima, in Portugal jenseits der Algarve und der Metropole Lissabon noch vieles zu entdecken und erkunden, das von seiner großartigen christlichen Kultur und Geschichte, seinem alten Glanz und seinem liebenswerten Charme geprägt ist.

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