„Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft“

Was Max Kronawitter, Regisseur des Films „Das große Finale – Das Sonnenwunder von Fatima“ an der Botschaft Mariens fasziniert. Von José García

Der Trend zur Individualisierung geht an den Pilgern nicht spurlos vorbei. Doch gerade der Rosenkranz steht für die globale Gebetsgemeinschaft der katholischen Gläubigen. Foto: dpa

Im Jahre 1915 sollte Lissabon „Welthauptstadt des Atheismus“ werden. Daran erinnert Max Kronawitter in seinem im Auftrag des Fatimaweltapostolats Würzburg produzierten Dokumentarfilm „Das große Finale – Das Sonnenwunder von Fatima“. Aber es kam anders: Heute steht in der portugiesischen Hauptstadt eine große Christusstatue. Der Film stellt die Erscheinungen von Fatima in den weltgeschichtlichen Zusammenhang: 1917 wütete der Erste Weltkrieg, durch die russische Revolution verbreitete sich nicht nur in Russland der Kommunismus. Mit Interviews sowie Originalfotos aus dem Jahre 1917 rekonstruiert Max Kronawitter die Ereignisse an der Cova da Iria. Höhepunkt des Filmes ist das Sonnenwunder vom 13. Oktober 1917. Auch wenn „Das große Finale“ kaum unbekannte Fakten beisteuert, fasst er das Wichtigste um die Erscheinungen von Fatima in 45 Minuten zusammen.

Herr Kronawitter, abgesehen von einigen Füßen und Beinen, die sich nach Fátima aufmachen, haben Sie auf nachgestellte Szenen verzichtet. Lag dies am Budget oder ist dies eine bewusste Entscheidung, rein dokumentarisch zu arbeiten?

Für Spielhandlungen hätte in der Tat das Budget nicht ausgereicht. Als zusätzliches Stilelement arbeitet der Film jedoch mit wenigen, kleinen symbolischen Handlungen: Schritte auf dem Weg, Hände mit einem Rosenkranz, eine fahrendes, hölzernes Wagenrad … Eigentlich hatten wir geplant, bei der Schilderung der Menschenmenge, die das Sonnenwunder erwartet, noch mehr derartige Szenen einzufügen. Doch als wir die beeindruckenden Fotos von 1917 am Bildschirm aufbereitet haben, haben wir darauf verzichtet, um die Ausdruckskraft der historischen Aufnahmen nicht abzuschwächen.

Sie haben Bildzeugnisse insbesondere vom 13. Oktober, dem Tag des Sonnenwunders, zusammengetragen. Gibt es dazu keine Filmaufnahmen?

Filmaufnahmen von den Ereignissen in Fatima im Jahre 1917 gibt es leider nicht. Welche Wirkungsgeschichte derartige Filmdokumente entfaltet hätten, kann man sich nur ausmalen.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Interviewpartner ausgesucht?

Mir war es wichtig, den Bischof von Fatima vor die Kamera zu bitten, weil er wie kein anderer täglich das vielschichtige Phänomen Fatima erlebt. Für eine theologische Einordnung haben wir uns auf den Mariologen Anton Ziegenaus verständigt, der ein profunder Kenner Fatimas ist und die Entwicklung seit Jahrzehnten begleitet. Des Weiteren wollte ich einen Historiker zu Wort kommen lassen: Dr. Duarte, der Leiter des bischöflichen Archivs in Fatima war da die erste Wahl. Im Zuge der Recherche haben wir erfahren, dass ein Mitarbeiter des Fatimaweltapostolates, Nuno Prazeres, eine persönliche Beziehung zu den Ereignissen von 1917 hat: Sein Großvater, zu dem er ein sehr inniges Verhältnis hatte, war nicht nur Augenzeuge des Sonnenwunders, sondern auch ein Freund der Hirtenkinder. Dieser lebendige Bezug zur Geschichte Fatimas gibt dem Film im Hinblick auf die historische Erzählung eine recht persönliche Note.

Die Marienerscheinungen im Jahre 1917 stehen in einem bestimmen historischen Kontext – Erster Weltkrieg, Ausbruch des Kommunismus. Ist die Botschaft von Fátima angesichts heutiger Herausforderungen gerade für Christen – Ausweitung der Christenverfolgungen, Eingriffe ins Menschenbild von der Genderideologie bis zur Manipulation durch die Gentechnik – noch gültig?

Bischof Antonio Marto von Fatima gibt in unserem Film auf diese Frage eine recht überzeugende Antwort. Er verweist darauf, dass die Kirche zwar heute nicht mehr von einem politisch motivierten Atheismus bedroht ist, dafür aber von anderen, nicht weniger gefährlichen Kräften: Als Beispiel nennt er die Gleichgültigkeit vieler Zeitgenossen. Ein Leben, als ob es Gott nicht gäbe, erscheint dem Bischof genauso bedrohlich wie die einstige Gefahr durch den Kommunismus.

Sie zeigen auch die ersten Aufzeichnungen von Schwester Lúcia aus dem Jahre 1922. Allerdings wird daraus kaum etwas vorgelesen. Wäre es nicht interessant gewesen, mehr daraus zu zitieren? Auch über ihr späteres Leben erfahren wir aus Ihrem Film nichts. War dies ebenfalls eine bewusste Entscheidung?

Da der Film sich im Gegensatz zu anderen Dokumentationen über Fatima weitgehend auf das Sonnenwunder beschränken sollte, haben wir bewusst die Wirkungsgeschichte und damit auch das spätere Leben von Lucia sehr kurz gehalten.

Das Sonnenwunder war selbstverständlich etwas Spektakuläres und auch das „Zeichen“ für die Echtheit der Erscheinungen. Es war jedoch nicht das Entscheidende. Worin besteht der Kern der Botschaft von Fátima?

Fatima hat viele Aspekte und deshalb denke ich, dass es legitim ist, von mehreren sich ergänzenden Botschaften zu sprechen. Auch ich habe bei der Beschäftigung mit Thema einen Aspekt entdeckt, den ich bisher noch nicht so deutlich gesehen habe: Der Aufruf der Gottesmutter, für andere zu beten und für andere auch Unangenehmes anzunehmen, macht deutlich, wie sehr das Glück oder Unglück eines Menschen von seinen Mitmenschen abhängt. Bei allen Individualisierungstendenzen der Moderne wird das oft übersehen. Der Satz „Jeder ist seines Glückes Schmied“ hat auch etwas Trügerisches. Im Römerbrief schreibt Paulus „Keiner lebt sich selber“. Das ist für mich eine zentrale Botschaft von Fatima: Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft, im Guten wie im Bösen. Diese Verwobenheit der Menschheit ermöglicht es aber, dass das Gebet der einen auch zum Heil der anderen beitragen kann.

Was würden Sie jemandem sagen, der noch nie in Fátima war? Warum sollte er dorthin pilgern?

Keine Frage, die Lichterprozessionen in Fatima haben ein einzigartiges Flair und auch sonst hat der Wallfahrtsort, nicht zuletzt durch seine gelungene Architektur, einiges zu bieten. Einzigartig ist für mich der steinerne Streifen, der über den Platz auf die Erscheinungskapelle führt. Beter, die sich darauf knieend dem Heiligtum nähern, versinnbildlichen für mich das Besondere an Fatima. Wenn hier etwa eine ältere Frau Rosenkranz betend ein Wachskindlein umklammert, dann bringt sie damit anrührend zum Ausdruck, dass es ihr nicht um das eigene Seelenheil geht. Mit ihren Gedanken, Gebeten und guten Wüschen ist sie bei einem Kind, das sie dem besonderen Schutz der Gottesmutter anempfiehlt. In einer Welt, die mehr und mehr zum Egoismus neigt, empfinde ich das als ein beeindruckendes Zeichen einer Gegenbewegung. Das zu erleben ist es wert, nach Fatima zu pilgern.

„Das große Finale – Das Sonnenwunder von Fatima“. Regie: Max Kronawitter, Deutschland 2016. Premiere ist am 7. Mai um 21 Uhr in St. Peter und Paul, Würzburg. DVD erhältlich beim

Fatimaweltapostolat Würzburg,

Günther Weth, Tel. 09 31 / 40 75 31,

E-Mail: film@fwa-wuerzburg.de

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