„Anfang eines weltweiten Gebetssturms“

Wie die Botschaft von Fatima und die Weihe der Welt an Maria den Globus veränderte: Ein Gespräch mit Bischof António Marto von Leiria-Fátima. Von Regina Einig

So fangen Revolutionen ohne Blutvergießen in einem Lichtermeer an: Seit hundert Jahren beten tausende Gläubige in dem portugiesischen Marienheiligtum den Rosenkranz für den Frieden in der Welt. Foto: dpa
Exzellenz, 1957 zog Schwester Lucia eine nüchterne Bilanz der Erscheinungen von 1917: „Die Madonna ist sehr unzufrieden, weil man sich nicht um ihre Botschaft kümmert. Weder die Guten, noch die Bösen haben sich danach gerichtet.“ Hat sich daran etwas geändert?

Seitdem hat Papst Johannes Paul II. 1984 die Bitte Mariens erfüllt, Russland und die Welt ihrem unbefleckten Herzen zu weihen. Die Weihe wurde mit allen Bischöfen der Weltkirche vollzogen, wie die Gottesmutter es gewünscht hatte. Von da an begann mit Gorbatschow die Wende bei den atheistischen Regimen Osteuropas. Darüber hinaus ist die Botschaft von Fatima heute bekannter und wird in der ganzen Kirche von den einfachen Gläubigen angenommen und verbreitet. Normalerweise interessieren sich die Mächtigen dieser Welt nicht für Botschaften, die Gott uns schickt.

Inwieweit hat Fatima den Fall der Mauer beeinflusst?

Die Botschaft von Fatima bezog sich konkret auf die atheistischen und totalitären Regime. Sie bewirkte eine friedliche Mentalität und brachte großen Trost und viel Stärke in die verfolgte Kirche. Außerdem bildete sie den Anfang einer weltweiten Gebetssturms für den Frieden und für die verfolgte Kirche. In diesem Sinne hat die Botschaft von Fatima Einfluss gehabt auf den Untergang der atheistischen Regime, deren Symbol die Berliner Mauer war, ohne deswegen die Menschen davon zu entbinden, einzugreifen und so am Geschehen mitzuwirken.

Welcher Aspekt der Botschaft ist für uns heute der wichtigste?

Soweit ich sehe ist das Wichtigste an der Botschaft die Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes. Sie allein hat die Kraft, die verheerende Kraft des Bösen zu bezwingen – konkret gemeint sind die Weltkriege –, die Herzen zu Gott zu bekehren und so seine Barmherzigkeit zu empfangen.

Nicht wenige tun sich mit der Botschaft von Fatima schwer, weil darin von der Hölle die Rede ist. Welche theologische Herausforderung ergibt sich daraus?

Bei der Höllenvision der Botschaft handelt es sich weder um eine Fotografie noch um eine beschreibende Reportage. Durch die „Vorstellungskraft“, die die Kinder möglicherweise im Katechismusunterricht gelernt hatten, vermittelt die Botschaft eine sehr ernste Warnung an die Menschen in Bezug auf ihre Verantwortung, die die Freiheit, zu sündigen angesichts der zerstörerischen Auswirkungen der Sünde mit sich bringt – auch für die eigene Rettung.

Der Botschaft von Fatima zufolge werden mehrere Nationen vernichtet werden. Steht die Menschheit vor einem Strafgericht?

Dies hat sich schon nach dem Zweiten Weltkrieg erfüllt, als mehrere Nationen ihre Autonomie verloren und im Sowjetimperium aufgegangen sind und und heute ihre ihre Freiheit und Selbstständigkeit wiedergewonnen haben. Es handelt sich nicht um eine Strafe Gottes, sondern um eine Folge der zerstörerischen Auswirkungen des Bösen. Der Krieg erwächst aus den Sünden der Menschen.

Was planen Sie im Jubiläumsjahr?

Das Jubiläumsjahr 2017 ist die Krönung von sechs Gedenkjahren zum 100. Jahrestag der Erscheinungen. Ein so großes Geschenk soll nicht auf ein Jahr heruntergebrochen werden. Es umfasst eine Fülle von Festlichkeiten: liturgische Feiern, seelsorgliche, theologische und kulturelle Initiativen, es ist unmöglich, alle aufzuzählen. Der Glanzpunkt wird die große Festmesse mit Papst Franziskus. Er pilgert am 12. und 13. Mai nach Fatima.

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