Besser und bewusster leben

Selig, wer beichten darf. Von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Foto: dpa

Die Beichte wirkt derart antiquiert und realitätsfern, dass man darüber redend eine ähnliche Aufmerksamkeit bekommt, wie ein Ethnologe, der über die Zivilisation exotischer Stämme im Urwald berichtet. Über mangelndes Interesse also kann man sich nicht beklagen. Beichte ist für mich ein wiederkehrendes Reinigungsritual. Einmal im Monat gehe ich zum „Soulscrubbing“, allerdings brauche ich hier etwas mehr Vorbereitung als zum monatlichen „Bodyscrubbing“. Hier reibt einen der Therapeut mit einer salzigen Paste ab, damit sich die Haut hernach wieder schön glatt anfühlt. Beim Beichten geht es um nachhaltigeres Wohlfühlen, denn Verletzungen, die man jemanden zufügt, belasten einen ja selbst auch. Schlechtes Gewissen verschwindet zwar relativ rasch im Unterbewusstsein, kommt aber zur Unzeit mit völlig anderen Begleiterscheinungen wieder hoch. Ängste, Sorgen, Nöte und Rachegefühle, die einen dazu verleiten können, ungerecht zu handeln, liegen wie „unverarbeitetes“ Gift auf der Restmüllhalde unserer Seele. Nur durch die Gnade des Sakraments kann unser eigener Sondermüll entsorgt werden.

Dies führt natürlich zu einem besseren und bewussterem Leben. So wichtig wie Inventur in einem Lager, so wichtig ist es für den Menschen, ein wenigstens halbwegs aufgeräumtes, übersichtliches Innenleben zu haben. Gerade in der Suchttherapie wird heute viel von Vergebung und Aufarbeitung gesprochen. Um eine komplette Tilgung zu erlangen, reicht ein Gespräch und eine Entschuldigung alleine jedoch nicht aus, dies ist nur der erste wichtige Schritt. Der zweite ist die heilende Kraft des Sakraments. Gott allein hat die Kraft, die Halbwertszeit des menschlichen Giftes aufzulösen. Der Priester ist hier nur der Mittler. Er sitzt als Vertreter Christi im Beichtstuhl. Der Barmherzigkeit Gottes sind keine Grenzen gesetzt, seiner Gerechtigkeit auch nicht; wie das zusammengeht, ist für uns schwer zu begreifen, aber wir können uns ganz auf die Lehre der katholischen Kirche verlassen, wie eine herrliche Geschichte aus Englands blutiger Reformationszeit schön zeigt.

„Dieser Jesuit illustriert das Verständnis der

katholischen Kirche für

Verfehlungen“

Damals wurden in England katholische Priester und ganz besonders Jesuiten buchstäblich gejagt und wenn sie gefasst wurden ohne Federlesens hingerichtet. Für sie wurden auf dem Land eigene Verstecke gebaut. Die sogenannte Priesterzimmer, die man nur über Geheimtreppen erreicht, findet man heute noch in etlichen englischen Schlössern. In dieser Zeit nun tötete ein kleiner Landedelmann einen Konkurrenten. Nach einiger Zeit wurde er von Reue gepackt und ging zu seinem anglikanischen Pfarrer zur Beichte: „Vater ich habe gemordet“, „Um Himmelswillen, scher dich zur Hölle, du Verworfener“ war die Antwort, die er zu hören bekam. Dann ging er zu einem der Prediger der vielen Sekten, die damals in Mode kamen und auch dort sagte er „ich habe gemordet“, der Sektenprediger warf ihn unter schwersten Verurteilungen aus seinem Andachtsraum: „Du bist ganz verworfen und ganz schlecht“. Schließlich hörte der reuige Mörder von einem Jesuitenpater, der aus einem Geheimversteck in der Nähe seine Seelsorge ausübte. Nach etlichen Mühen fand er ihn, er kniete sich vor das Gitter des Beichtstuhls und sagte: „Vater, ich habe gemordet“ darauf der Jesuitenpater: „Wie oft mein Sohn?“.

Dieser Jesuit illustriert das Verständnis der katholischen Kirche für Verfehlungen. Verstehen heißt nicht entschuldigen, aber verstehen ist eine Voraussetzung für Verzeihen.

 

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