Impuls zur Menschwerdung

Vom Wert des Bußsakraments und dem Geschenk eines einfühlsamen Beichtvaters. Von Bischof em. Elmar Fischer

An meine Erstbeichte habe ich keine Erinnerung. Wichtig, aber auch schwierig wurde mir das Beichten in der Zeit meiner Pubertät. Wie andere, so hatte auch ich Fragen und Probleme.

Obwohl es mir nicht leicht fiel, meine Süden, besonders die im sexuellem Bereich, zu bekennen, habe ich dies geschafft. Das brachte jedes Mal Erleichterung, Freude, Auftrieb. Besonders hat mir geholfen, dass der Pfarrer unserer Pfarrgemeinde (circa 1 000 Einwohner damals), der mich kannte, auf mein Bekenntnis immer mit Verständnis reagierte. Ich stellte auch meine Fragen, die er sachkundig und einfühlsam, meinem Alter entsprechend beantwortete. Meine Mutter gab mir auch ein Buch, das einerseits Information bot, andererseits auch auf Gefährdungen und Sünde hinwies.

Ich machte so auch die Erfahrung, dass mein Bemühen und eine Haltung der Selbstbeherrschung meinen Selbstwert gestärkt hat, dass mein Selbstvertrauen zunahm. Wenn mir – als ich fünfzehn oder sechzehn Jahre alt wurde, so manches Mädchen Eindruck gemacht hat, bewirkte in mir eine gewisse Schüchternheit, näheren Kontakt eher zu meiden. Wie sollte ich auch ein Gespräch beginnen? Die Angst vor Blamage war hoch. Es waren auch meine sportlichen Ambitionen so stark, dass für Beziehungen – außer im Rahmen des Tanzkurses – kaum besonderes Interesse aufkam.

In meiner Familie und Verwandtschaft waren mehrere Lehrerinnen und Lehrer. Auch mein Vater war in diesem Beruf tätig. So wurde auch für mich diese Ausbildung zum Ziel, fand jedoch ihre Erfüllung als Priester und mit theologischem Vollstudium, im Doktorat.

Warum beichten? Es hat sehr viel zu Selbstabklärungen, Bewertungen der verschiedenen Lebensbereiche, zur Selbstfindung beigetragen. Im Beruf, jetzt als Priester und Bischof, bin ich mit dem Sakrament neu und als Hörender des Sündenbekenntnisses befasst. Da ist wichtig, einfühlsam und fördernd zur Entfaltung im Sinne der Gebote und des Auftrages, den wir aus dem Evangelium empfangen, das Leben des Beichtenden zu fördern.

Beichte ist aus meiner Erfahrung – verbunden mit der Feier der Eucharistie – wichtiger Impuls zur Christ- und Menschwerdung.

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