Sieben Ermutigungen zur Beichte

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist ein Geschenk, das es zu nutzen gilt – insbesondere beim Weltjugendtag in diesem Monat. Von Weihbischof Florian Wörner

Weihbischof Florian Wörner. Foto: Archiv

Auf dem Weltjugendtag in Krakau werden sie wieder zu sehen sein: zahlreiche Priester – ausgestattet mit Albe und violetter Stola – und unzählige junge Leute, die beichten. Wer schon einmal dabei war, wird mir bestätigen, wie kostbar gerade diese Seite der Weltjugendtage ist: neu anfangen dürfen, aufatmen können, frei sein von dem, was einen bedrückt und lähmt – was kann es Beglückenderes geben? Wer noch zögert, zur Beichte zu gehen, für den gibt es hier einige Ermutigungen:

1. Der Papst geht auch

Manche meinen, ein Papst hätte die Beichte nicht nötig. Schließlich wird er ja „Heiliger Vater“ genannt. Aber auch er arbeitet – wie wir alle – daran, heilig zu werden. Papst Franziskus sagt von sich selbst: „Der Papst beichtet alle fünfzehn Tage, denn auch der Papst ist ein Sünder. Und der Beichtvater hört die Dinge, die ich ihm sage, er rät mir und er vergibt mir, denn wir alle brauchen diese Vergebung.“ (20. November 2013)

Papst Franziskus beichtet da, wo er zuhause ist. Fotos zeigen ihn im Petersdom an einem Beichtstuhl knieend, wo sonst alle anderen Gläubigen auch zum Beichten hingehen können. Er geht hier mit gutem Beispiel voran und wird nicht müde, für dieses Sakrament zu werben: „Unsere Sünden zu beichten verlangt uns etwas ab, aber es bringt uns den Frieden.“ (18. November 2013) Tatsächlich hat sich die Beichtfrequenz in und um Rom erhöht. Das kann man übrigens auch für andere Teile der Welt feststellen. Auch bei uns wird anlässlich des Heiligen Jahrs der Barmherzigkeit das „vergessene“ Sakrament wieder neu in Erinnerung und in die Praxis gerufen.

2. Die anderen gehen auch

Ich bin davon überzeugt, dass die Weltjugendtage weltweit gesehen sehr dazu beitragen, der Beichte in der nachwachsenden Generation einen neuen Aufschwung zu geben. Gute Beispiele überzeugen. Wenn die einen gehen und es als gewinnbringend erleben, dann bekommen die anderen Mut, es ihnen gleichzutun. Eine lange Beicht-schlange erfordert nicht nur geduldiges Warten, sondern kann auch eine Ermutigung sein; sie signalisiert: Ich bin nicht allein. Andere stellen sich genauso ihrer Schuld.

Die Beichte ist ein echtes „Hilfsmittel“ für gute Beziehungen. Denn Sünde ist nichts anderes als ein Abbruch von Beziehungen – zu Gott, zu den anderen, zu mir selbst. Wir sind keine isolierten Wesen. Jede Sünde verletzt Gott und auch die Gemeinschaft der Kirche. Deshalb ist es sinnvoll und richtig, einem Priester seine Sünden zu bekennen. Er steht für Christus, das Haupt des Leibes Christi, der die Kirche ist. In Christi Vollmacht und „durch den Dienst der Kirche“ (Lossprechungsformel) spricht er von Sünden frei. Beichte ist damit eine Wiederherstellung von Beziehungen nach allen Seiten.

3. Es tut den anderen gut

In dieser Linie weitergedacht ist die Beichte ein Heilmittel nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen. Es wird nicht ohne Wirkung bleiben, wenn sich jemand in der Beichte mit Gott versöhnt und Versöhnung mit den anderen sucht. Im Idealfall haben es die anderen nachher ein Stück leichter mit mir und ich mit ihnen. Es ist also – wenn man so will – auch ein Akt der Nächstenliebe, zur Beichte zu gehen. Selbst wenn die Versöhnung nur einseitig bleiben sollte, weil sich der andere verweigert, so kann der „Versöhnungswillige“ ihm zumindest mit Gefühlen des Wohlwollens und des Verzeihens begegnen und den berühmten ersten Schritt tun. Nicht zuletzt steht es jedem immer frei, für den anderen zu beten. Mir gefällt die Vorstellung, dass alle, die in einem Sündenbekenntnis genannt werden, ebenfalls einen Segen von Gott erhalten.

4. Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit in Anspruch nehmen

Eine Ermutigung zur Beichte sind auch die geistlichen Werke der Barmherzigkeit, die ich durch einen guten Beichtvater an mir erfahren darf, beispielsweise so: Er wird mich „belehren“, was ich in Bezug auf den Umgang mit dem Sakrament nicht weiß, weil ich etwa schon länger nicht mehr beim Beichten war und daher darin ungeübt bin (Unwissende lehren); er wird mir helfen, einen guten Weg zu finden, wenn ich ihn frage, wie ich mit einer bestimmten Situation umgehen soll (Zweiflern raten); er wird mich in meiner Würde wieder aufrichten, wenn ich über meine Fehler zerknirscht bin (Trauernde trösten); er wird mir Mut machen, eine Kurskorrektur oder gegebenenfalls auch eine Kehrtwende vorzunehmen, je nachdem, wie falsch ich in einer Sache liege (Sünder zur Umkehr ermutigen); er wird mich auffordern, Unrecht nicht nachzutragen (denen, die uns beleidigen, verzeihen); und er wird mich ums Gebet für jene bitten, denen ich durch Wort und Tat keine Wiedergutmachung mehr leisten kann (für Lebende und Tote beten). Und was ist mit „Lästige ertragen“? Ich darf mich mit meinen Sünden dem Beichtvater zumuten, der mich und meine Last vor den hinträgt, der allein in der Lage ist, sie zu heben.

5. Die Nähe des Vaters wiederentdecken

Gott kann die Sünden, die uns von ihm trennen, auch auf andere Weise vergeben, etwa im Gebet oder im Tun der Werke der Barmherzigkeit (Gotteslob Nr. 29, 3). Der schnellste Weg, uns wieder in seine Nähe zu holen, ist jedoch die Beichte – so jedenfalls von Gottes Seite aus. Hier vergibt er sakramental und garantiert. Natürlich bedarf es der rechten Einstellung, des ehrlichen Bekenntnisses und der aufrichtigen Reue auf Seiten des Beichtenden. Doch wenn das vorhanden ist, dann schenkt Gott mit Sicherheit seine grenzenlose Vergebung, und er zieht uns wieder an sich. Der Beichtvater macht so den barmherzigen und liebenden Vater erfahrbar. Das Heilige Jahr steht unter dem Wort: „Barmherzig wie der Vater“ (Lk 6, 36). „Die Beichte ist weder eine Folterkammer noch ein Verhör, nein, es ist der Vater, der diesen Menschen empfängt und aufnimmt und ihm verzeiht. Lassen wir uns mit Gott versöhnen! Wir alle! Möge dieses Heilige Jahr eine gute Zeit sein, um das Bedürfnis nach der Zärtlichkeit und der Nähe des Vaters wiederzuentdecken, um mit ganzem Herzen zu Ihm zurückzukehren.“ (Papst Franziskus, 30. April 2016).

6. Keine Neuevangelisierung ohne Beichte

Die Beichte fördert den Glauben und die Nachfolge Christi. Ich staune immer wieder, wenn Menschen mir berichten, was sie aus einer äußerlich ganz unspektakulär erscheinenden Beichte an Kraft für einen neuen Anfang oder einen tieferen Schritt im Glauben gewonnen haben. Der Fokus liegt dabei ja nicht so sehr auf dem menschlichen Tun, sondern auf Gottes heiligmachender Gnade. Die Erfahrung der Vergebung und der Liebe Gottes wirkt „ansteckend“. Neuevangelisierung geht nur über die Selbstevangelisierung. Wer sich selbst erneuern lässt, kann das Evangelium wirksam verkünden. Die Beichte ist daher Antrieb jeder Reform: „Die Neuevangelisierung geht auch vom Beichtstuhl aus!“ (Benedikt XVI.)

7. Die Beichte als „beste Gelegenheit“

Das Heilige Jahr ist ein Geschenk, das es zu nutzen gilt. Ich würde mir wünschen, dass alle Weltjugendtags-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen nach ihrer Rückkehr Zeugnis geben könnten von der beglückenden Erfahrung einer schönen Pilgerfahrt und insbesondere einer guten Beichte. Mögen die Daheimgebliebenen durch die Begeisterung der Zurückkehrenden „angesteckt“ werden und sich ebenfalls aufmachen, das Heilige Jahr als „beste Gelegenheit“ zu nutzen, das Sakrament zu empfangen oder gleich selbst eine Pilgerfahrt zu unternehmen zu einer heiligen Pforte in Rom beziehungsweise in den Diözesen. In Kombination mit der Beichte, dem Empfang der Eucharistie sowie dem Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters kann man dort den Jubiläumsablass für sich selbst oder für Verstorbene erlangen. Nutzen wir die Gelegenheit des Außerordentlichen Heiligen Jahres, dem Barmherzigen Vater in dieser intensiven Weise zu begegnen!

 

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