Mit Paulus quer durch die Ewige Stadt

In vielen Kirchen und Orten in und um die Stadt herum ist die Erinnerung an den Völkerapostel ganz lebendig. Von Natalie Nordio

B.E.Murillo, Bekehrung des Paulus
„Die Bekehrung des Paulus vor Damaskus“ von Bartolomé Esteban Murillo, um 1675–1680. Museo del Prado, Madrid. Foto: dpa

Sankt Peter, direkt über dem Grab des heiligen Petrus errichtet, ist die größte Kirche der Christenheit und Symbol für das Papsttum in aller Welt. Doch was ist mit Paulus? Auch er hatte in Rom das Martyrium erlitten und zuvor einige Zeit in der Ewigen Stadt verbracht. Die Geschichte der beiden Apostel in Rom ist eng miteinander verbunden. Doch gibt es einige Gebäude, Kirchen und Orte, die noch heute besonders die Erinnerung an den heiligen Paulus wachhalten.

Als römischer Bürger zum Prozess nach Rom

In Jerusalem vom hohen Priester als Aufrührer und Anführer der Sekte der Nazarener angeklagt, wie es die Apostelgeschichte berichtet, kam Paulus vor das römische Gericht. Doch an den vom hohen Rat vorgebrachten Anschuldigungen konnten die Römer nichts finden. Sie verschleppten immer wieder den Prozess und wollten kein Todesurteil über Paulus vollstrecken. Paulus berief sich schließlich auf seine Rechte, die er als römischer Bürger in vollem Maße genoss, und verlangte, dass sein Fall vor den Kaiser gebracht werde. Damit begann seine Reise quer über das Mittelmeer – über Zypern, Malta und Sizilien führte die Schiffsroute. Im Süden Italiens ging die letzte Etappe ziemlich sicher über die Via Appia. Hier auf Roms ältester Konsul-Straße erblickte Paulus zum ersten Mal die Hauptstadt des römischen Imperiums. In Rom angekommen musste Paulus, der zwar als Gefangener in die Stadt gekommen war, nicht im Kerker auf seinen Prozess warten, sondern durfte eine kleine Mietwohnung beziehen, die er gemeinsam mit einem Soldaten, der ihn bewachte, bewohnte.

Um die Mitte des dritten Jahrhunderts wurden die Häupter der heiligen Petrus und Paulus in die Katakomben an der Via Appia überführt, um sie an einem sicheren Ort zu wissen. Kaiser Konstantin krönte diesen Ort im frühen vierten Jahrhundert mit dem Bau einer dreischiffigen Basilika, die den Namen „memoria apostolorum“ trug. Später wurden die Häupter wieder an den Vatikan und die Via Ostiense gebracht. Heute steht an der Stelle der konstantinischen Basilika die Kirche des heiligen Sebastians über der gleichnamigen Katakombe. Der genaue Aufenthaltsort der Apostelhäupter hingegen ist heute unbekannt.

Das vermeintliche erste Wohnhaus des Apostels befindet sich mitten in Roms historischer Altstadt, nur wenige hundert Meter vom Campo de' Fiori im Viertel „Regola“. Hier erhebt sich heute die Basilika von San Paolo alla Regola. Vom Volksmund wird die Kirche, die in einer Bulle Papst Urbans III. 1186 zum ersten Mal erwähnt wird, liebevoll „San Paolino“, heiliges Paulchen, genannt. Drei Tage nach seiner Ankunft hatte Paulus hier in seinem neuen Zuhause die obersten Männer der jüdisch-römischen Gemeinde empfangen, um ihnen von dem gegen ihn geführten Prozess des hohen Rates zu berichten, wie es in der Apostelgeschichte geschildert wird. Die Erinnerung an die Wohnstätte des Apostels ist in San Paolo alla Regola immer lebendig geblieben. Zuerst als Oratorium wurde unter Silvester im vierten Jahrhundert, wie einige Quellen berichten, eine erste Kirche errichtet. Noch heute kann man im Innern von San Paolo alla Regola den in eine Kapelle umgewandelten möglichen Wohnraum des Apostels besichtigen. Leider hat der Raum jedoch als Folge der barocken Umgestaltung des gesamten Kirchenbaus im Jahr 1728 viel von seiner Ursprünglichkeit einbüßen müssen.

Den Anspruch, das Wohnhaus des Apostels gewesen zu sein, erheben noch weitere Palazzi rund um die Gegend von San Paolo alla Regola. Manche Quellen berichten noch von einem zweiten Wohnhaus des Paulus in Rom. Unmittelbar an der Via del Corso, deren antiker Straßenname Via Lata, breite Straße, lautete, liegt Santa Maria in Via Lata. Der barocke Bau wurde auf älteren Vorgängerbauten errichtet. Unter anderem kann man in der Krypta der Kirche die Ruinen eines Portikus und eines römischen Wohnhauses aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert besichtigen. In diesen antiken Resten vermuten einige eine weitere Wohnstätte des Apostels.

Im Mamertinischen Kerker kreuzten sich die Wege von Paulus und Petrus ein letztes Mal. Laut der christlichen Tradition sollen sie hier gemeinsam im Kerker auf ihre Hinrichtung gewartet haben. Das antike Gefängnis unweit des Forum Romanum wurde bereits im dritten Jahrhundert vor Christus errichtet. Eine Legende nennt als ersten Erbauer aber bereits den im sechsten Jahrhundert vor Christus regierenden sechsten römischen König Servius Tullius. Nach ihm wird der Kerker auch Tullianum genannt. Teile des Kerkers wurden bereits im vierten Jahrhundert in eine kleine Kirche, San Pietro in Carcere, umgewandelt, die an den heiligen Petrus im Gefängnis erinnern soll. Noch heute ist hier an Ort und Stelle ein den beiden Aposteln geweihter Altar zu sehen, sowie von einem Gitter geschützt, die Stelle, an der sich Petrus den Kopf gestoßen und eine Delle im Stein hinterlassen haben soll. Über dem Tullianum steht seit dem sechzehnten Jahrhundert die Kirche San Giuseppe dei Falegnami. Der durch die Zunft der Schreiner, den „falegnami“, finanzierte Bau ist ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Josef, dem Tischler geweiht.

Die Stätten des Martyriums der Apostelfürsten

Petrus wurde im Circus des Neros gekreuzigt und Paulus unweit der Via Ostiense, der Straße zur Seestadt Ostia, enthauptet. Denn römische Bürger, wie Paulus es war, durften nicht den Kreuzestod sterben. Gleich zwei Orte markieren die letzten Stationen des Apostels in Rom. An der Via Laurentina, die in südwestlicher Richtung aus Rom hinausführt, befindet sich das Kloster der „Tre Fontane“, der drei Quellen. An dieser Stelle soll der Überlieferung nach Paulus enthauptet worden sein. Eine Legende berichtet, dass das abgeschlagene Haupt des Apostels dreimal auf dem Boden aufschlug und danach je drei Quellen dort entsprangen. Über die Jahrhunderte sind in dem Kloster, das lange Zeit von Zisterziensern geleitet worden war, drei Kirchen entstanden. Als erster Bau entstand im fünften Jahrhundert eine dem Paulus geweihte Kirche. Im siebten Jahrhundert folgte Santi Vicenzo e Anastasio. Santa Maria in Scala Coeli, Sankt Marien von der Himmelsleiter, aus dem zwölften Jahrhundert ist die dritte und letzte Kirche der Tre Fontane. Napoleons Besetzung Roms führte zur vorübergehenden Aufgabe des Klosters. Seit dem ausgehenden neunzehnten Jahrhundert haben Trappisten, und somit indirekt wieder die Zisterzienser, im Kloster die Leitung übernommen.

Wie der Petersdom über dem Grab des Apostels thront, krönt auch das Grab des Paulus ein prächtiger Kirchenbau, die Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Wie Petrus am Vatikan wurde Paulus inmitten eines heidnischen Friedhofs an der Via Ostiense begraben. 2008 feierte die Kirche das zweitausendste Geburtsjahr des heiligen Paulus. Im Rahmen der Paulusjahrs wurde der antike Sarkophag unter der Basilika und vor allem sein wertvoller Inhalt mit Hilfe einer winzig kleinen Sonde umfassenden wissenschaftlichen Studien unterzogen. Benedikt XVI. verkündete damals, dass es sich bei den Gebeinen wirklich um die Reste des Apostels handle. Im Gegensatz zum Trubel im Petersdom herrscht in Sankt Paul wunderbare Stille.

Völlig niedergebrannt und neu aufgebaut

In dem monumentalen, aber dennoch schlichten Bau mit seinen vielen Säulen, der zwar ein Neubau aus dem neunzehnten Jahrhundert ist, da weite Teile der ursprünglichen Kirche bei einem schweren Brand im Jahr 1823 zerstört worden waren, noch gut die Atmosphäre der ersten konstantinischen Basiliken spürbar.

Eine Statue des Heiligen auf der Engelsbrücke in Rom. Von Paolo Romano, 1464. Foto: dpa

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